
Umberto Eco
erinnert sich an den Kulturhistoriker
Piero Camporesi, ein Kollege an der Universität in Bologna, der vor zehn Jahren starb. Camporesi
beschäftigte sich mit Sinnlichkeit und Nahrung im Mittelalter. Eco zitiert aus einem schönen Text über den
Käse, der im Mittelalter offenbar noch keinen guten Leumund hatte. "Über mehrere Jahrhunderte herrschte die Meinung vor, dass die dem Käse innewohnende Schlechtigkeit, seine '
Bösartigkeit', sich schon in seinem Geruch manifestierte und ankündigte, ein Geruch, den nicht wenige als ekelerregend und abscheulich empfanden. Er bestand ja aus sterbender Materie, befand sich in einem Zustand des Verfalls, verwelkt und verdorben, eine
verwesende Substanz, schädlich für die Gesundheit und die Körpersäfte. Gewonnen aus einem abgeschiedenen Teil der Milch, aus schädlichen Schlacken, geronnen aus dem
schlechtesten Teil derselben, dem schlammigen und erdigen Teil der weißen Flüssigkeit. Die Vereinigung der niedersten Substanzen, im Gegensatz zur Butter, die aus dem besseren, reineren Teil der Milch besteht."