
Ende vergangenen Jahres verkündete die ungarische Regierung die Gründung des
Imre Kertész Instituts, das den Nachlass des verstorbenen Literarturnobelpreisträgers pflegen soll. Die mit der Gründung beauftragte Stiftung wird von der umstrittenen Direktorin des Museums "Haus des Terrors",
Mária Schmidt, geleitet. Für Verwirrung sorgte die Verkündung, weil sich der Nachlass von Kertész, von ihm selbst im Jahre 2002 übertragen, in der Berliner
Akademie der Künste befindet und dort für die Forschung offen steht (
mehr hier). Die Rechte zur Veröffentlichung des Lebenswerks von Kertész liegen in Ungarn beim renommierten Verlag Magvető. In
Magyar Narancs rekonstruiert Máté Pálos die geplante Gründung des Instituts, dessen Grundlage wohl ein
Vertrag mit der Witwe von Kertész kurz vor ihrem Ableben bildet, und fragt sich, welche Absichten die Regierung hier hat: "Niemand zweifelt daran, dass die Pflege des Nachlasses von Imre Kertész staatliche Zuwendungen verdient. Doch es ist auch eindeutig, dass diese fachliche Arbeit von mehreren, bereits existierenden Institution effektiv hätte erledigt werden können, darum werden sie ja vom Staat betrieben: vor allem das
Petőfi Literaturmuseum, aber auch die Ungarische Akademie der Wissenschaften (MTA) oder die Széchenyi Landesbibliothek hätten diese Aufgabe stemmen können. Und weil die Regierung nicht diese, sondern eine
auf einem anderen Wissenschaftsfeld tätigen Stiftung mit der Pflege des Nachlasses beauftragte, ist es schwierig, hinter dem Schritt keine ideologischen oder kulturpolitischen Überlegungen zu vermuten. Die Kertész-Interpretation von Mária Schmidt fügt sich reibungslos in jenen
antikommunistischen Kanon und die Geschichtsauffassung ein, die auch die Kampagne des 56er Erinnerungsjahres prägten. (...) Das Lebenswerk von Kertész soll hier die Beschimpfung der aktuellen Gegner der Regierung - das politisch Korrekte, die Einwanderer, die Liberalen und die "Zivilen" - legitimieren."