Magazinrundschau - Archiv

The Nation

164 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 17

Magazinrundschau vom 31.05.2005 - The Nation

Als Schatzkästlein mit leichten Mängeln preist Terry Eagleton Russell Jacobys Studie "Picture Imperfect" zur Kulturgeschichte der niemals perfekten Utopie. "Die meisten Utopien sind geruchslose, antiseptische Orte, unerbittlich stromlinienförmig und vernünftig, in der die Eingeborenen stundenlang über die herrliche Effizienz ihrer sanitären Einrichtungen plaudern. Alternative soziale Universen neigen dazu, nur leicht getarnte Versionen unseres eigenen zu sein - wie die Außerirdischen, die sich, wenn man einen Körperteil hinzufügt oder weglässt, selten groß von Donald Rumsfeld oder Tony Blair unterscheiden. Die wahren Aliens sind jene, die mitten unter uns sind."

Die Poesie ist am Ende, verkündet die notorisch angriffslustige Kritikerin Camille Paglia in ihrem neuen Buch "Break, Blow, Burn". Vom Titel inspiriert, zerbricht, sprengt und verbrennt Lee Siegel im Gegenzug ihr "überaus banales" Traktat genüsslich These um These, Wort um Wort. Heute gibt es nicht weniger gute Gedichte als früher, meint Siegel, sie seien nur schwerer zu entdecken. Und überhaupt schreibe Paglia für die Eitelkeit kultureller Halbintellektueller, die keine Zeit mehr zum Lesen haben und nur darin bestätigt werden wollen, dass es in der aktuellen beklagenswerten Krise sowieso nichts Interessantes zu verpassen gibt. "Die USA scheinen das einzige Land der Welt zu sein, in dem moralische Entrüstung zum intellektuellen Habitus geworden ist."

Magazinrundschau vom 24.05.2005 - The Nation

Sartre hat den Existentialismus mit seinem irrationalen Stolz ausgehöhlt, meint Norman Mailer, der den französischen Philosophen trotz allem hemmungslos bewundert. The Nation druckt Mailers Geburtstagsgrüße, die ursprünglich in der Pariser Tageszeitung Liberation erschienen sind. Sartre "behagte sein Atheismus, obwohl er kein Fundament besaß, auf dem er seine philosophischen Füße setzen konnte. Zur Hölle damit, er brauchte es nicht. Er konnte in der Schwebe überleben. Wir sind Franzosen, sagte er immer. Wir haben Geist, wir können mit dem Absurden leben, ohne nach einer Belohnung zu fragen. Weil wir vornehm genug sind, mit der Leere zu leben, und stark genug, einen Kurs zu wählen, für den wir sogar sterben würden. Und wir werden das alles in voller Missachtung der Tatsache tun, dass wir keinen Boden unter den Füßen haben. Wir brauchen kein Jenseits."

In einem weiteren Artikel verneigt sich Greg Sargent vor der "Marke Hillary".
Stichwörter: Atheismus, Mailer, Norman

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - The Nation

Nicholas von Hoffman inspiziert den liberalen Radiosender Air America, ein noch recht junges politisches Projekt, mit dem Rush Limbaugh & Co der Kampf angesagt werden sollte. "Einige Leute nahmen an, dass Air America ein Wahljahr-Stunt sei, der nach der Niederlage der Demokraten im vergangenen November wieder verschwinden würde. Linkes Radio wurde als unmöglich angesehen, erklärt der Senderchef Danny Goldberg, weil man dachte, 'dass liberale Ideen zu nuanciert seien, dass der Konsvervativmus in einer einzigartigen Weise vom Ärger befeuert wird, dass Liberalismus elitär und Radio populistisch sei. Das hat sich als völlig falsch erwiesen.'" Bloß, meint Hoffman, den Demokraten fehlen die Helden. Und die Agenda. Bis dahin ist die progressive Radiostation für ihn nur eine leere Hülle voller überforderter Mitarbeiter.
Stichwörter: Liberalismus

Magazinrundschau vom 05.01.2004 - The Nation

Im März 2000 besuchte Arthur Miller zusammen mit einer kleinen Gruppe "Auserwählter" Kuba. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben ("Cuba on the Verge: An Island in Transition", Bulfinch), aus dem The Nation den Epilog veröffenlicht. Hier sein erster Blick auf Fidel Castro: "Abgesehen von seinem Anzug war mein erster Eindruck, wenn er kein revolutionärer Politiker geworden wäre, hätte er auch gut ein Filmstar werden können. Er hat diese absolut Selbstbesessenheit, dieses Verlangen nach Liebe und Zustimmung und den überwältigenden Machthunger, der aus totaler Zustimmung entsteht. In diesem überfüllten Vorzimmer war sein Gefolge, wie bei den meisten Führern auf der Welt, außerordentlich liebenswürdig, und man spürte sofort, dass sie dem Führer absolut ergeben waren. Was immer er sonst ist, Castro ist eine aufregende Person und hätte vermutlich eine Karriere auf der Leinwand machen können."