Das Treffen von Kremlchef Putin mit dem US-Sondergesandten Witkoff über einen
Frieden in der Ukraine dauerte etwa fünf Stunden und verlief ergebnislos, melden die Zeitungen. Friedrich Schmidt schildert in der
FAZ die Strategie des Kremls: "Es gilt, Siegesgewissheit und Entschlossenheit zu zeigen, die Eroberungen in der Ukraine fortzusetzen, zugleich aber die Ukrainer und Europäer als
eigentliche Hindernisse auf dem Weg zu einem Frieden darzustellen und Trump und dessen Leute nicht zu verprellen, sondern weiter zu umgarnen, mit dem Ziel, die transatlantischen Verbindungen der Gegner zu torpedieren."
Putin ließ es sich denn auch nicht nehmen, direkt vor Beginn der Gespräche
eine Drohung auszusprechen,
berichten Pjotr Sauer und Andrew Roth im
Guardian: "Die relativ pessimistischen Einschätzungen der diplomatischen Bemühungen vom Dienstagabend folgen auf die kämpferischen Eröffnungsreden Putins, als Witkoff und Kushner zu Gesprächen im Kreml eintrafen. Darin warf er den europäischen Mächten vor, den Frieden in der Ukraine zu sabotieren, und erklärte, dass die 'europäischen Forderungen' zur Beendigung des Krieges 'für Russland nicht akzeptabel' seien. 'Europa hindert die US-Regierung daran, Frieden in der Ukraine zu erreichen', sagte Putin und fügte hinzu: 'Russland hat nicht die Absicht, gegen Europa zu kämpfen, aber wenn Europa
den ersten Schritt macht, sind wir sofort bereit.'"
SpOn meldet mit
dpa: "Bei dem Treffen ging es laut Uschakow auch um die
wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA. 'Es wurden die enormen Perspektiven für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder diskutiert', sagte Uschakow. Moskau hat vor allem ein Interesse an einer
Aufhebung der scharfen Sanktionen der USA, die Russlands Wirtschaft des Landes zunehmend unter Druck setzen. Putin habe den US-Vertretern freundschaftliche, aber auch politische Signale für Trump mit auf den Weg gegeben. Konkreter wurde Uschakow nicht."
"Diese US-Regierung ist offenbar bereit, in Sachen Ukraine
Verrat am Westen und an Europa zu üben - im Gegenzug für einen erhofften
wirtschaftlichen Vorteil, der wahrscheinlich nie eintreten wird", kommentiert in der
Welt Clemens Wergin, der auf eine
Recherche des
Wall Street Journals verweist. Die zeigt, wie der Kreml versucht, Trump mit wirtschaftlichen Versprechungen auf seine Seite zu ziehen, beispielsweise indem "Oligarchen aus dem Umfeld Putins an amerikanische Unternehmen, zum Teil aus dem Trump-Umfeld, herantraten mit dem Angebot, sich etwa an russischen Öl- und Gasfeldern zu beteiligen, sobald die US-Sanktionen gegen Russland aufgehoben würden. Der Kreml hat diese wirtschaftlichen Anreize wie eine Karotte vor der Trump-Regierung hingehalten - und die hat seit ihrem Amtsantritt dann auch immer wieder Vorstöße unternommen, um den Konflikt mit einem
Diktatfrieden im Sinne Russlands zu beenden."
Was die europäischen Gesellschaften bei der latenten Gefahr eines Krieges mit Russland lernen müssen, ist
Resilienz in jeglichen Bereichen aufzubauen, konstatiert die
Politikwissenschaftlerin Claudia Major im
Zeit-Online-Interview mit Paula Haase. "Das heißt zum Beispiel technische Grundlagen: redundante Energieversorgung und alternative Quellen, damit wir nicht erpressbar sind. Gesellschaftlich:
Medienkompetenz, um mit Propaganda umzugehen. Da geht es um Bildungspolitik und verlässliche Informationskultur, journalistische Standards. Dazu Logistik, zivile Vorsorge, Kooperation der Bundeswehr mit Krankenhäusern. Deutschland ist Drehscheibe in der Mitte Europas - Versorgung und Transit an die Ostflanke müssen laufen können, Verwundeten- und Flüchtlingsströme zurückfließen.
Jemand muss Straßen sperren, priorisieren, versorgen. All das ist Resilienz."
Auf Seite 3 der
SZ widmet sich Peter Burghardt dem amerikanischen Außenminister
Marco Rubio. Im Umfeld der MAGAs gilt Rubio noch als eine der
vernünftigeren Figuren: "Schaut man sich in Trumps engeren Kreis um, sticht Rubio schon deshalb heraus, weil er weiß, wovon er spricht." Noch scheint er politischen Einfluss auf den Präsidenten zu üben, aber wie lange bleibt das noch so? "Bei Rubio geht es eher um Politik. Aber es hat oft den Anschein, als müsse er mit diesem Ansatz immer um Trumps Gunst kämpfen. Gegen
Witkoff, Kushner und Vance. Und auch wenn allgemein geraunt wird, dass Trump noch ein drittes Mal US-Präsident werden will, die US-Verfassung verbietet das ja ziemlich klar. Im Hintergrund dürften sich schon einige darauf vorbereiten, ihn zu beerben. J. D. Vance auf jeden Fall, aber auch Marco Rubio könnte einer der Bewerber sein."