Polina Fedorenko erzählt in einem Brief an eine deutsche Freundin, den die
taz veröffentlicht, wie sie den
Kriegswinter in Kiew ausgehalten hat (erst minus 17 Grad, dann wird es wärmer und der "schreckliche Eisregen" kehrt zurück) und worüber sie auf dem Weg zur Arbeit nachdenkt, auch wenn sie nicht darüber nachdenken will: "Die Beerdigungen, die ich fast jedes Mal sehe, wenn ich zum Büro in der Nähe der St.-Michaels-Kathedrale gehe, halten mich nicht am Leben. Ich versuche, nicht darüber nachzudenken, dass ich nicht weiß,
wie viele Soldaten auf unserer Seite tatsächlich getötet worden sind. Selenski sagte kürzlich, es seien mehr als 55.000, aber ich glaube, die Zahl ist etwa fünfmal höher, wenn nicht sogar zehnmal. Ich gehe nicht auf Instagram, weil ich Angst habe, auf Beerdigungen von Freunden und Bekannten zu stoßen - immer, und immer wieder. Ich weiß, dass Vermeidung keine gute Strategie ist, aber… Ich möchte verstehen, wie man die
Erinnerung an die Getöteten und Verstorbenen auf bedeutungsvolle Weise ehren kann. Hinter jedem Namen der Getöteten und Verstorbenen standen Leben, Hobbys, Interessen, Familie und Freunde."
Herfried Münklers geopolitischer Rundumschlag auf der Meinungsseite der
NZZ beginnt mit einer schwerwiegenden Einsicht: "In weltpolitischen Umbruchphasen fällt es schwer zu sagen,
wohin die Entwicklung der nächsten Jahre gehen wird." Für
Europa macht er aber Hoffnung, sofern es die Kopfnüsse Putins und Trumps positiv ummünzen könne: "Putin und Trump hätten dann Hilfestellung am Turngerät geleistet, ohne die es den Europäern nicht gelungen wäre, den entsprechenden Willen zum Wettstreit aufzubringen. Jetzt müssen sie sich bewegen, wenn sie nicht zum Fußabtreter der großen Mächte werden wollen.
Demonstrative Demütigungen haben mitunter
erstaunliche Effekte. Die Europäer haben es letztlich selbst in der Hand, welche Position sie in der entstehenden Weltordnung spielen wollen. Allein das ist ein Grund zu politischer Zuversicht. Vor einigen Jahren noch war unvorstellbar, was jetzt in Gang gekommen ist:
Europa wehrt sich gegen seine Provinzialisierung."
Manchmal bereitet es Beamten sicher auch Genuss, einen Befund in ihrem ganz eigenen Prosastil zu verfassen. Die der AfD nahestehende
Desiderius-Erasmus-Stiftung kriegt partout kein Geld vom zuständigen Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Eine Autorengruppe der
SZ berichtet und zitiert aus einer Antwort des Innenministeriums auf die Frage zum Stand der Angelegenheit: "'Ob Zuschüsse der AfD nahestehenden Desiderius Erasmus Stiftung im Sinne des Stiftungsfinanzierungsgesetzes zustehen, ist derzeit Gegenstand einer Prüfung', teilt das Bundesinnenministerium auf Anfrage mit. 'Bestandteil dieser Prüfung auf Grundlage des Stiftungsfinanzierungsgesetzes ist auch, ob die jeweilige Stiftung sich aktiv für die
freiheitliche und demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung einsetzt.' Diese Prüfung dauere für die DES noch an, erklärt das Ministerium weiter. Und offenbar kann die auch noch einige weitere Monate andauern." Bei der AfD geht es erstmal um
18 Millionen Euro, so die Autoren. Die Budgets der anderen Stiftungen für 2024 sind
hier aufgelistet: Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU): 197,3 Millionen Euro, Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD): 177,7 Millionen Euro, Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne): 86,5 Millionen Euro, Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP): 78,9 Millionen Euro, Hanns-Seidel-Stiftung (CSU): 75,9 Millionen Euro, Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linke): 71,2 Millionen Euro.