9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2026 - Gesellschaft

Schwarze Komiker fühlen sich oft unter Druck gesetzt, wenn sie nicht das Opfer geben, erzählt in der NZZ Rico Bandle, der mit einigen gesprochen hat. Zum Beispiel mit Rash Junior: "'Die Linken bereiten uns Schwarzen mehr Probleme', sagt Rash Junior im Podcast des Satirikers Mirco Casorelli alias Bireweich. 'Sie tun so, als wollten sie uns helfen, aber sie machen uns immer zum Opfer. Sie wollen, dass wir Opfer spielen.' Rash Junior, mit bürgerlichem Namen Rash Mendi Sakem, kam mit 14 Jahren aus Kamerun in die Schweiz und wurde mit seinen Videos auf sozialen Netzwerken zu einem der erfolgreichsten Influencer des Landes. Er besucht Dörfer wie Niggidei oder Schwarzsee - also Orte, deren Namen er irgendwie in Verbindung mit seiner Hautfarbe stellen kann - und macht sich auf liebenswürdige Weise darüber lustig. ... Obschon sich in den Kommentaren unter seinen Videos viele rassistische Beleidigungen finden, die kaum von Linken stammen dürften, stört er sich vor allem am linken Paternalismus. Jene Schwarzen, die sich in der Schweiz ständig über Rassismus beklagten, sollten seiner Meinung nach lieber die Missstände in ihren Herkunftsländern bekämpfen. 'Wenn unsere Heimat so schön wäre wie die Schweiz, wären wir ja nicht hier.'"
Stichwörter: Rassismus, Rassismusdebatte

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2026 - Gesellschaft

Müssen die drei sowjetischen Ehrenmale in Berlin, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, nicht neu kontextualisiert werden, damit Putin sie nicht für seine Propaganda nutzen kann? Darüber wird derzeit im Berliner Senat diskutiert, berichtet Martina Mai in der taz. "Die Menschenrechtsorganisation Memorial kritisiert, dass das Mahnmal am Treptower Park für die Heldenerzählungen im sowjetischen Siegeskult stehe und die Leistungen der anderen Sowjetrepubliken neben Russland an der Befreiung Deutschlands weitgehend und die der Alliierten vollständig ausgeblendet werden. Mehr Totengedenken, weniger Stalin, fordert SPD-Mann Alexander Freier-Winterwerb für den Treptower Park." Ihn stört vor allem, "dass die Interpretation des Zweiten Weltkrieges der damaligen sowjetischen Geschichtsschreibung folgt: Er dauerte von 1941, als die Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschierte, bis 1945. Der Überfall Hitlers auf Polen, Frankreich, Dänemark und viele weitere Staaten kommt da nicht vor, aber auch nicht der Überfall der Sowjetunion auf Ostpolen, das Baltikum und Finnland 1939/40. Der Historiker Jörg Morré hält dagegen: 'Aus der Logik des Siegesdenkmals, als das das Treptower Ehrenmal konzipiert wurde, sind die Jahreszahlen 1941 bis 1945 schon korrekt.'" Er wäre aber unbedingt für "eine augenfällige Kontextualisierung im Falle der Stalin-Zitate", zitiert ihn Mai.

In der Zeit diskutieren die ukrainische Historikerin Yevheniia Moliar und ihr Kollege Jörg Baberowski über die Denkmäler. Abschaffen kann man sie nicht, meint Baberowski: "Man kann die Botschaften der Vergangenheit nicht zum Verschwinden bringen, indem man sie löscht. Das Gezeigte muss vielmehr erklärt werden. Das Denkmal am Treptower Park in Berlin wurde als Zeichen des Sieges errichtet - als Botschaft Stalins an die Deutschen: Wir haben gesiegt, und ihr sollt euch daran erinnern." Wenn Putin diese Botschaft für Propagandazwecke vereinnahmt, könne man das nicht verhindern, "man kann sie in einer offenen Gesellschaft aber kritisieren". Er plädiert für ein ergänzendes Museum, über das eine Expertenkommission "mit Historikern aus Deutschland, Westeuropa, der Ukraine und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, auch Russland" beraten sollte. Für ein Museum ist auch Yevheniia Moliar, russische Historiker will sie allerdings nicht dabei haben: "In den besetzten Gebieten der Ukraine ehrt Russland heute gefallene russische Soldaten an sowjetischen Kriegsdenkmälern. Russland nutzt die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, um seinen Angriffskrieg als Kampf gegen vermeintliche Nazis in der Ukraine zu legitimieren.  ... Die russische Sicht hat diese Ehrenmäler lange genug dominiert."

Schon in den 1970ern wurde über den Nahostkonflikt diskutiert, und über den Holocaust. Aber die Debatten fanden jeweils "auf einer anderen Bühne statt", erinnert sich Christian Staas, der in der Zeit die Geschichte der Erinnerungskultur im Nachkriegsdeutschland nachzeichnet. Seit den 2010er Jahren ist das anders, seitdem geht es nicht mehr um den Nationalsozialismus, der ist nur noch "eine argumentative Waffe. Die eine Seite macht sich die palästinensische Perspektive zu eigen, die andere die israelische. Beide wechseln damit, in ihrer Wahrnehmung, auf die 'gute Seite' der Geschichte. Die 'Nazis' sind die anderen. Aber die Nazis waren und bleiben Deutsche. Es gibt für die deutsche Gesellschaft keine 'gute Seite', auf die sich so einfach wechseln ließe", auch nicht mit einem multidirektionalen Erinnern, das die nationalsozialistischen Verbrechen mit der Erinnerung an den Kolonialismus zusammenführt, wie es der Historiker Michael Rothberg vorgeschlagen hat. Staas plädiert dagegen für eine Entflechtung der Debatten. "Doch dazu muss der Erinnerungsdiskurs raus aus der Nahkampfzone des Nahostkonflikts."

Im Interview mit der taz plädiert die CDU-Politikerin Verena Mertens dafür, im Sexualstrafrecht europaweit eine "Nur Ja heißt Ja"-Regelung einzuführen. Allerdings gibt sie zu, dass die EU dafür eigentlich nicht zuständig ist. Und noch etwas gibt sie zu bedenken: "Auch bei einer 'Nur Ja heißt Ja'-Regelung wird die Beweisproblematik bleiben, die wir jetzt in anderer Form bereits bei 'Nein heißt Nein' haben. Bei beiden Modellen muss erkennbar sein, dass jemand eine sexuelle Handlung will oder nicht. Sicher ist, es darf keine Beweislastumkehr geben. Es ist ein verfassungsrechtlicher Grundsatz in Deutschland, dass man einem Straftäter seine Straftat nachweisen muss und nicht er beweisen muss, dass er das nicht getan hat. Es braucht also andere Wege... Wenn wir Delikte und Übergriffe verhindern wollen, dann dürfen wir nicht immer nur über Frauen als Opfer denken. Wir müssen auch Frauen stark machen und sagen 'Ihr könnt lernen, Nein zu sagen'. Und wir müssen Frauen dazu ermutigen, Sexualstraftaten öfter anzuzeigen."

Die Medienforscherin Maya Götz konstatiert im FR-Interview einen beunruhigend starken konservativen Backlash unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern, was das Thema Frauenrechte angeht. Das hat viel mit Frustration und Einsamkeit zu tun, deren Ursprung sie auch in der Erziehung ausmacht: "Hinzu kommt, dass Jungen oft wenig Raum bekommen, über sich selbst nachzudenken. Mädchen setzen sich früh damit auseinander, was für ein Mädchen sie sein wollen. Jungen hingegen gelten einfach als 'Jungen'. Reflexion wird ihnen kaum nahegelegt… oder darüber nachzudenken, wie Beziehungen funktionieren. Als Gesellschaft denken wir zu wenig über Männlichkeit nach. Und für Männer besteht strukturell weniger Druck zur Selbstreflexion."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2026 - Gesellschaft

Hamburg ist das einzige Tatort-Bundesland, das bis heute keinen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum NSU-Komplex eingesetzt hat. Dabei gibt es zum Mord an Süleyman Taşköprü vor 25 Jahren immer noch eine Menge Fragen, berichtet André Zuschlag in der taz: "Warum ausgerechnet er ermordet wurde, etwa...  Warum hielten die Ermittler:innen so lange kein rechtsextremes Tatmotiv für möglich? Spielte institutioneller Rassismus bei der Polizei und beim Verfassungsschutz dabei eine Rolle?" Der SPD-geführte Senat weigerte sich mit Zustimmung aller Parteien außer der Linkspartei, einen Untersuchungsausschuss einzurichten. Stattdessen sollte eine "Forschungsgruppe" ermitteln, der nun von der Generalbundesanwalt Akteineinsicht verweigert wird. "Ende vergangenen Jahres erhielten die Forscher überraschend eine umfassende Ablehnung ihres Auskunfts- und Akteneinsichtsgesuchs. Nun ist der Streit ein Fall fürs Gericht - und die Forschungsgruppe kommt, solange das andauert, in ihrem auf drei Jahre angelegten Auftrag hier vorerst nicht voran."

Seit März hat es wohl bald ein Dutzend antisemitischer Anschläge begrenzten Ausmaßes in vielen europäischen Städten gegeben, angefangen in den Niederlanden und in Belgien. Es ist nicht immer klar, ob das iranische Terrornetzwerk "Hayi" (unser Resümee) damit verbunden ist, berichtet eine Reportergruppe in der FAZ, aber die Anschläge ähneln sich strukturell. Auch in München hat es einen Anschlag auf ein israelisches Restaurant gegeben. Der Zusammenhang mit "Hayi" lässt hier nicht nachweisen. Aber "auch das Bundesamt für Verfassungsschutz glaubt Muster hinter den Angriffen, die seit dem 9. März im Ausland verübt wurden, zu erkennen: So erfolgten die Anschläge jeweils in den Nacht- oder frühen Morgenstunden, vor allem auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen in den Beneluxstaaten und Großbritannien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2026 - Gesellschaft

Migranten, die sich gegen einen vorherrschenden Konsens unter Linken stellen, wird häufig unterstellt, sich von Rechten "instrumentalisieren" zu lassen, kritisiert der Islamwissenschaftler Kacem El Ghazzali in der NZZ. Dadurch wird Fremdheit aber vielmehr zementiert als Integration gefördert: "Genau das ist die Rolle, in die linke Parteien und Bewegungen den Migranten zwängen. Er wird zur Projektionsfläche für politische Ideale: als 'revolutionäres Subjekt' das eine angeblich erstarrte westliche Gesellschaft erneuern soll - während seine tatsächlichen Bedürfnisse und die Vielfalt seiner Lebenswelten dem theoretischen Modell geopfert werden. Und er fungiert als Aushängeschild für Quotendiversität - solange er die Parteilinie bestätigt. So entsteht der ewige Migrant: musealisiert, als Status konserviert, lebendig gehalten - damit er wählt, demonstriert, legitimiert. Er ist politisch nützlicher als der selbständige Bürger. Er braucht Anwälte, Fürsprecher, Übersetzer seiner eigenen Anliegen. Genau das ist die Umkehrung des Emanzipationsversprechens von 1789: nicht mehr der Ausstieg aus der Determinierung durch Herkunft ins Bürgerliche, sondern die Rückführung des Bürgers in die Herkunft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2026 - Gesellschaft

Normalerweise schaffen es ja nur Fahrradunfälle in die Medien, aber Edo Reents zieht im Feuilleton der FAZ den Fokus ein bisschen weiter auf: "Fahrradfahrer und Fußgänger sind die Schwächsten der Schwachen, je jünger oder je älter, desto mehr, eine Personengruppe, die, obwohl sie täglich Lebensgefahr ausgesetzt ist, ohne im geringsten für andere eine darzustellen und ohne der Umwelt Schaden zuzufügen, aber nicht unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung steht."

Was war früher nicht alles am 1. Mai in Berlin los - die taz vermisste die Action neulich richtig (unser Resümee). Aber auch diesmal wieder verlief der 1. Mai wieder "weitgehend friedlich", meldet der Tagesspiegel.

Stichwörter: 1. Mai, 1. Mai-Demos

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.04.2026 - Gesellschaft

Familienministerin Karin Prien (CDU) kündigte an, das bisherige Programm "Demokratie leben!" neu zu strukturieren, wie es in der dpa heißt. Darauf kam es zu heftigen Protesten der an ihren Subventionen hängenden "Zivilgesellschaft". Viele der geförderten Initiativen machten zwar "unter sehr schweren Bedingungen" eine gute Arbeit, so Prien laut dpa. "Prien kritisierte jedoch die 'Überheblichkeit' zu glauben, der Bestand des demokratischen Systems hänge von den 'zum Teil extrem selbstreferenziellen Gruppen' ab, die durch das Programm gefördert werden. 'Ich bin allergisch gegen Identitätspolitik', ergänzte sie. Als neue Ministerin einer neuen Regierung habe sie einen 'etwas anderen Ansatz' als ihre Vorgängerin Lisa Paus (Grüne)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2026 - Gesellschaft

Theodor W. Adorno hat am Frankfurter Institut für Sozialforschung ein "Gruppenexperiment" durchführen lassen, dessen Ergebnisse er dann doch lieber nicht publizierte. Nun soll das unter Leitung des Adorno-Nachfolgers Stephan Lessenich nachgeholt werden, berichtet Ann-Kristin Tlusty in der Zeit. Brenzlig waren die Ergebnisse, weil sich noch deutlicher als geahnt herausstellte, dass die Naziideologie noch in den Köpfen der Deutschen spukte: "Intern bezeichnete Adorno das Gruppenexperiment als 'Kind der Liebe, aber auch der Sorge'. Warum genau er nur vereinzelte Publikationen zuließ und sich gegen die vollständige Veröffentlichung entschied, kann heute nur in Ansätzen rekonstruiert werden. 'Wird schocken!', schrieb er an den Rand eines Interviewtranskripts - und beschloss dann offenbar doch, dass die deutsche Nachkriegsöffentlichkeit diesen Schock nicht verkraften würde. 'Adorno stellte fest, dass es keine soziale Basis für Demokratie in Deutschland gab', sagt Stephan Lessenich..." Nachwirkungen seien bis heute festzustellen, so Tlusty: "In Gegenden, in denen in den 1930ern die NSDAP besonders stark war, ist es heute die AfD." Dann hätten sich also damals schon die Konturen der DDR abgezeichnet?

Die taz dreht ab, fällt schon seit einiger Zeit auf. Zum 1. Mai schwelgt Timm Kühn in Erinnerungen an jene ritualhaften Gewaltdemos in Berlin an diesem Datum, die seiner Meinung irgendetwas mit dem "Tag der Arbeit" zu tun gehabt haben müssen. Unter der Überschrift "Der Klassenkampf braucht Gegenwehr" konstatiert er wehmütig: "Zu Straßenschlachten kommt es zwar kaum noch. Zu sehr aufgerüstet ist die Polizei inzwischen, zu viel Wissen hat sie über Riotbekämpfung gesammelt... Und doch sind es diese Proteste, die noch nicht tot sind. Auf der Hamburger 'Wer hat, der gibt'-Demo wird die Klassengesellschaft wenigstens noch angesprochen. Und die revolutionäre 18-Uhr-Demo in Berlin bleibt ein Sehnsuchtsort, der weiterhin - trotz der seit Jahren ausbleibenden Krawalle - Zehntausende anzieht."

Gleich vier Autoren hat die SZ angesetzt, um Hudhaifa Al-Mashhadani, Leiter der multikulturellen Deutsch-Arabischen Schule Ibn Khaldun in Berlin-Neukölln, nachzuweisen, dass er einen Mordanschlag auf sich erfunden haben soll. Auch seine Doktor- und Professorentitel sollen erfunden sein, und er soll den Irak möglicherweise als Betrüger verlassen haben. Al-Mashhadani war überregional bekannt geworden, weil er in Neukölln den wachsenden Antisemitismus kritisiert hatte: "Je eindringlicher Al-Mashhadani gerade nach dem Überfall der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 von Anfeindungen gegen seine Schule und ihn persönlich berichtete, umso mehr wuchs das Interesse an seinem Projekt - und auch an ihm, dem Macher dahinter. Den Höhepunkt erreichten die Aufmerksamkeit und die Unterstützung mit dem angeblichen Mordanschlag vom 14. November 2025. Die SZ hatte Al-Mashhadani zum ersten Mal zwölf Tage danach besucht, Ende November in seinem Schulbüro in Neukölln. Das Interview dauerte fast drei Stunden. Er erzählte, wie ihn ein Mann im U-Bahnhof mit voller Wucht in seinen Rücken gestoßen habe. Reflexartig habe er sich gegen diesen Schlag gelehnt. Die SZ veröffentlichte die Geschichte unter dem Titel 'Im Visier'. Seit dem 28. April ist der Text gelöscht, da er neben der widerlegten Erzählung von einem angeblichen Mordanschlag viele weitere falsche Angaben Al-Mashhadanis transportierte." Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, ob Anklage erhoben wird, wissen die Autoren nicht. Was das alles für die eben noch gefeierte Schule Al-Mashhadanis bedeutet, erfährt man auch nicht.

Auch der Brandanschlag auf den Antisemitismusbeauftragten Brandenburgs Andreas Büttner soll möglicherweise gar nicht von Antisemiten, sondern von Freunden und Geschäftspartnern Büttners verübt worden sein, berichten im Tagesspiegel Thorsten Metzner und Gabi Probst, die ebenso wie die SZ-Kollegen offenbar gute Kontakte in  Berliner Senat und Polizei unterhalten. Vielleicht war der Anschlag gar eine Gemeinschaftsaktion, was der Artikel nahezulegen scheint: "Auffällig ist, wie gut sich die mutmaßlichen Tatverdächtigen und das Opfer kennen - und das seit Jahren. Nach Tagesspiegel-Recherchen sind Büttner, Daniel R. und Lukas S. Gesellschafter einer 2023 gegründeten gemeinsamen Firma, deren Sitz sich in Niedersachsen befindet und die als Zweck 'Unternehmensberatung' angibt. Daniel R. ist Geschäftsführer. Laut Handelsregister ist Büttner Mehrheitseigner der Firma, während Daniel R. und Lukas S. Minderheitsbeteiligungen halten." Außerdem engagieren sich alle drei für eine "Initiative, die in der politischen Bildungs- und Gedenkarbeit aktiv ist", heißt es weiter. "Nach Recherchen dieser Zeitung gibt es keine Hinweise auf Spannungen oder Zerwürfnisse zwischen den beiden Männern und Büttner, die alle ein freundschaftliches Verhältnis verbinden soll. Sie sollen sich auch nach dem Brandanschlag getroffen haben, in Potsdam und Berlin. Anfang Februar - also nur einen Monat nach dem Brandanschlag - sollen sie gemeinsam in der Leipziger Oper gewesen sein. Auf dem Programm: 'Der Fliegende Holländer'." Büttner äußert sich in einem Tagesspiegel-Interview entsetzt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2026 - Gesellschaft

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In der taz beklagt der Blogger und Aktivist Emran Feroz eine "Islamophobie-Industrie" in Deutschland. Damit meint er alle, die den Begriff des antimuslimischen Rassismus ablehnen, weil erstens Muslime keine Rasse sind und zweitens der Begriff oft genug dazu dient, jede Kritik am Islam mundtot zu machen. Wie so oft muss Ahmad Mansour als Stellvertreter für muslimfeindliche Einstellungen herhalten, und: "Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Journalist Sascha Adamek, der jüngst ein vermeintlich investigatives Sachbuch mit dem Titel 'Unterwanderung - Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch' veröffentlichte. Es ist ein Sammelsurium an Behauptungen, die praktisch jeden muslimischen und migrantischen Akteur in Deutschland als potenziell extremistisch markieren. Hilfsorganisationen, antirassistische Vereine, kritische Wissenschaftler oder gar der Münchener Vorzeigeimam Benjamin Idriz - für Adamek sind sie alle irgendwie Teil eines islamistischen Geflechts, das im Namen der Muslimbrüder heimlich nach Einfluss strebt."

Unterdessen in Prenzlauer Berg:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2026 - Gesellschaft

Die Schöpflin-Stiftung ist allgegenwärtig und fördert in Deutschland zahlreiche Projekte der "Zivilgesellschaft", manche davon als eigene Stiftung. Eines davon ist die "Spore Initiative" in Berlin (Website), wo es hauptsächlich um Naturschutz und Klima geht, wo aber auch in der Gesprächsreihe "Zeit zu reden", moderiert von der Fernsehexpertin Kristin Helberg, krass antiisraelische Positionen bezogen werden. Titel einer der Veranstaltungen war etwa "Das Recht auf Widerstand unter Terrorverdacht". Sebastian Leber berichtet im Tagesspiegel: "Gegründet wurde die Spore Initiative 2020 als Stiftung. Ihr Geldgeber ist der Unternehmer Hans Schöpflin, Erbe der Versandhausfamilie Schöpflin, die ihr Unternehmen an den Konkurrenten Quelle verkaufte. Schöpflin vermehrte sein Vermögen ab den 1980er Jahren als Risikokapitalgeber in den USA und ist heute Mäzen mehrerer Stiftungen. Seine Tochter Lisl Schöpflin und er sitzen im Stiftungsbeirat der Spore Initiative. Inwiefern sind die Sympathiebekundungen für Terrorgruppen, die wiederholte Dämonisierung Israels sowie die Verleugnung des Existenzrechts des jüdischen Staates mit den offiziellen Zielen der Initiative vereinbar? Der Tagesspiegel hat Hans Schöpflin angeschrieben und gefragt, ob er zu einem Interview bereit sei. Er ging nicht darauf ein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2026 - Gesellschaft

Die Fördergeldaffäre in Berlin - nach dem Neuköllner Freudentaumel, der auf die Pogrome des 7.Oktober folgte, machte der Senat allzu freihändig Gelder gegen Antisemitismus frei, die zum Teil an Kumpel vergeben wurden - ist für Erik Peter in der taz ein "ein Skandal sondergleichen" und die jetzige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson sei eine "Mittäterin": Nun liegt ein Bericht des Landesrechnungshofes vor, es geht um 2,6 Millionen Euro. "Fasst man die Vorgänge zusammen, hat letztlich ein Klüngel innerhalb der Berliner CDU öffentliches Geld nach Gutdünken verteilt, nach politischen Sympathien und persönlichen Bekanntschaften." In der SZ beschreibt Peter Laudenbach, wie vor allem die beiden Berliner CDU-Poltiker Christian Goiny und Dirk Stettner Druck auf die "hilflos wirkende Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU)" ausübten, um die Fördergelder ohne die vorgesehenen Prüfungen durchzuwinken: "Zu den vielen Peinlichkeiten und schrägen Aspekten der Affäre gehört auch ein vor einigen Wochen vom Portal 'Frag den Staat' veröffentlichter Whatsapp-Verkehr zwischen Goiny und Wedl-Wilson, in dem Goiny sehr forsch auf Bewilligungsbescheide drängt. Jeder professionelle Senator hätte sich gegen diese Übergriffigkeiten wohl verwahrt."

Von einem ähnlichen Skandal aus Hannover erzählt in der taz, wenn auch nicht mit dem gleichen Ausmaß an Empörung, Nadine Conti. Hier wird die SPD-Ratsfrau Hülya Iri verdächtigt, 1,2 Millionen Euro für den Verein "Integrationsarbeit Kronsberg e. V." eingeworben zu haben, "der überdies vor allem aus Familienmitgliedern zu bestehen scheint", und der dann pleite machte.

Eine auffällige Ballung extrem putinfreundlicher Aktivisten beobachtet FAZ-Niedersachsen-Korrespondent Reinhard Bingener in Braunschweiger Kirchen: "Aus der langen Liste mit Auftritten von Putin-Verstehern, die seither in Braunschweiger Kirchen auftraten, seien hier nur die prominenteren Namen genannt: Gabriele Krone-Schmalz in der Braunschweiger Pauluskirche, Sahra Wagenknecht in der Braunschweiger Magnikirche, Harald Kujat in der Martinikirche, Daniela Dahn und Petra Erler jeweils in der Magnikirche und Erlers Partner Günter Verheugen demnächst in St. Katharinen... Die Veranstaltungen zur Außenpolitik der Akademie oder einzelner Kirchengemeinden finden darum oft in Kooperation mit dem Braunschweiger 'Friedenszentrum' und dem Internetportal Braunschweig-Spiegel statt. Auf der Homepage dieses lokalen Onlinemediums prangt ein großes Werbebanner für die Nachdenkseiten, die als Plattform zur Verbreitung von Verschwörungstheorien und Kremlnarrativen gelten."