Die
Frankfurter Buchmesse soll stattfinden (unser
Resümee) Eine "
Messe auf Abstand" ist allerdings ein Widerspruch in sich,
konstatiert Richard Kämmerlings in der
Welt. Auf die Branchenpartys kann man noch verzichten, aber die Begegnungen in Verlagswesen und Buchhandel sind gerade jetzt wichtig, schreibt er: "Da genau das seit Monaten wegfällt und zusätzlich die
Vertriebskanäle verstopft sind, wächst der Druck im Kessel. Neuerscheinungen werden
massenhaft verschoben, mit Investitionen in Vorschüsse ist man in den Verlagen zurückhaltend. Der internationale Geschäftskreislauf erlebt eine
Arterienverkalkung, die Titelzahlen werden reduziert, potenzielle Bestseller für bessere Zeiten zurückgehalten. Man zieht den Kopf ein und wartet ab. Im Ringen um die Frankfurter Buchmesse bündeln sich all diese Entwicklungen. Fällt sie aus, wird die Verlängerung der Durststrecke manifest."
Sehr dramatisch klingt vor diesem Hintergrund allerdings die
Meldung im
Buchreport: "Die Entscheidung, die Frankfurter Buchmesse in diesem Herbst in deutlich abgespeckter Form auszutragen, wird
von großen deutschen Verlagen offenkundig nicht mitgetragen. So werden die marktführenden deutschen Publikumsverlage in diesem Herbst
keine Stände in den Messehallen aufbauen." Fehlen werden offenbar die
größten deutschen Verlage: die Verlagsgruppe
Randomhouse (unter anderen Goldmann, Heyne, Blanvalet, Penguin, Luchterhand, DVA, Der Hörverlag) und die Verlage der
Holtzbrinck-Gruppe (Rowohlt, S. Fischer, Droemer Knaur, Kiepenheuer & Witsch) sowie die deutschen
Bonnier-Verlage (Ullstein und andere).
Andreas Platthaus informiert in der
FAZ über einige interessante Hintergründe: Selbst bei einer Absage der Buchmesse müssten Verlage, die sich bis zum 31. Januar hatten anmelden müssen, fünfzig Prozent der Standmiete bezahlen. Die Messe hat auf diesen Anspruch dann zwar verzichtet: "Aber damit wurde es nun
existenzgefährdend für die Frankfurter Veranstaltung selbst. Das wird ein
wichtiger Faktor gewesen sein bei der nun verkündeten Entscheidung, die nächste Buchmesse tatsächlich stattfinden zu lassen."