9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

351 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 36

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2020 - Kulturmarkt

Kleiner Streit in der Buchbranche. Die großen Gebrauchtbuchhändler wie Momox oder Amazon Marketplace werden zu einer Gefahr für die Branche meint Urs Erdle, ehemals Verkaufsleiter bei Verlagen wie Campus oder Dumont, im Börsenblatt: "Solche Giganten wie Momox oder reBuy sind zu dominanten Playern geworden, die jetzt auch der Buchbranche, vergleichbar mit der digitalen Disruption im Tonträgerhandel, deren Geschäftsmodell unterminieren. Denn Schaden entsteht nicht nur den Verlagen und Autoren, sondern auch dem Bucheinzelhandel vor Ort, der durch die Preisbindung von 'neuen' Büchern bislang - im Sinne des 'Kulturgutes Buch' - seine Konkurrenzfähigkeit wenigstens in Bezug auf den Preis bewahren konnte, was sich jetzt in einen Wettbewerbsnachteil verkehrt." Endle schlägte eine Beteiligung der Autoren an den Erlösen über Ausschüttungen der VG Wort vor.

Dem widerspricht recht trocken Susanne Barwick, stellvertretende Justiziarin des Börsenvereins: "Der Gebrauchtbuchverkauf, der im übrigen eine lange Tradition hat, ist gesetzlich geregelt: das Verbreitungsrecht des Autors erschöpft sich gemäß § 17 Abs. 2 UrhG, nachdem das Buch erstmalig in den Verkehr gebracht wurde. Der Urheber wurde für sein Werk mit dem ersten Verkauf vergütet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2020 - Kulturmarkt

Bei den Fans ist Joanne K. Rowling offenbar noch nicht unten durch. Der Online-Buchhändler Momox veröffentlicht (offenbar erstmals?) seine Bestsellerliste fürs erste Halbjahr, meldet das Börsenblatt:

"1. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz (Band 6)
2. Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Band 7)
3. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix (Band 5)
4. Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Band 2)
5. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch (Band 4)
6. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Band 3)
7. Wolfgang Herrndorf: Tschick"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2020 - Kulturmarkt

Ende Mai verzeichnete die Buchbranche einen Verlust von 17,5 Prozent, weiß Paul Jandl in der NZZ: "Aber schon 2019 hat es nicht rosig ausgesehen. Legten sich 2010 noch 36 Millionen Deutsche regelmäßig Bücher zu, fiel dieser Wert bis 2018 auf 29,9 Millionen, um 2019 noch einmal um eine Million abzusacken. Sollte es so weitergehen und das Medium Buch im gleichen Tempo an Bedeutung verlieren, dann ist die Corona-Krise womöglich wie ein Zeitraffer für das, was sich längerfristig tun könnte. Das Publikum wechselt zu anderen Angeboten. Die Verlage dünnen ihre Programme aus und müssen sparen."
Stichwörter: Corona, Coronakrise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2020 - Kulturmarkt

Eine Revolution im amerikanischen Verlagswesen verkünden Alexandra Alter und Elizabeth A. Harris in der New York Times. Eine Menge wichtige Posten sind im letzten Jahr neu besetzt worden. Viele davon von Frauen, viele von Schwarzen, und auf nicht wenige trifft beides zu, freuen sich die Autorinnen: "Einige der Personen... haben deutlich andere Vorlieben als ihre Vorgänger. Reagan Arthur und Amy Einhorn, die neuen Verlegerinnen von Knopf und Henry Holt, sind beide dafür bekannt, dass sie einen ausgeprägten Geschäftssinn haben, ein Auge dafür haben, was sich verkauft, und wissen, was Frauen lesen wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2020 - Kulturmarkt

Die Konzern-Verlage Randomhouse, Holtzbrinck (Kiepenheuer & Witsch, Rowohlt, Fischer) und Bonnier (Piper, Ullstein) trauen sich nicht auf die Frankfurter Buchmesse. Nun aber kann die Buchmesse auch Beteiligungen bekannt geben, meldet buchreport.de: "Die Verlage Aufbau, C.H. Beck, Klett-Cotta und Suhrkamp haben ihre Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Ein Konzept für einen gemeinschaftlichen Messestand sei in Kooperation mit der Buchmesse entwickelt worden."

Verleger "wollen ihr Geld", berichtet Georg Giersberg auf den Wirtschaftsseiten der FAZ und verweist auf einen offenen (aber offenbar nicht netz-öffentlichen) Brief wichtiger deutscher Verlage von Aufbau über Rowohlt bis C.H. Beck an Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Sie wollen einen Anteil aus den Ausschüttungen der VG Wort zurückhaben - diese Ausschüttung war zwar jahrzehntelang Praxis, aber deutsche und europäische Gerichte hatten geurteilt, dass Verlag kein Urheberrecht haben (Martin Vogel hatte dies erstritten, mehr hier). Innerhalb der EU-Urheberrechtsreform war es den Verlagen gelungen durchzusetzen, dass sie wieder einen Anteil bekommen, nur hapert es jetzt mit der Umsetzung in deutsches Recht, so Giersberg: "Für bekannte Publikumsverlage wie Rowohlt oder Piper geht es um einen mittleren sechsstelligen Betrag im Jahr, für viele Verleger kleiner Häuser geht es um den Unternehmerlohn des Inhabers. Seit der Aussetzung der Ausschüttungen hätten einige wenige Verlage aus diesem Grund ihre Existenz verloren, heißt es. Das kann aber nicht belegt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse zeigt, wie lang eingeübte Rituale und fest gefügte Institutionen durch die Coronakrise kräftig in Frage gestellt werden - Sandra Kegel dröselt das Choas im Leitartikel für die FAZ auf. Sämtliche großen Konzernverlage werden nicht mit Ständen auf der Messe sein. Bei anderen wichtigen Häusern wie Hanser, Suhrkamp oder Klett-Cotta stehe die Zusage noch aus: "Als wäre dies nicht genug, wurden dieser Tage Pläne publik, wonach die Buchmesse vom nächsten Jahr an gemeinsam mit der Musikmesse und Gaming-Anbietern in einem Kreativfestival nach dem Vorbild des Popkultur-Treffens 'South by Southwest' im texanischen Austin aufgehen sollte. Ein Aufschrei ging durch die Buchbranche, woraufhin die Pressekonferenz, bei der Oberbürgermeister Peter Feldmann die Pläne vorstellen wollte, wieder abgesagt wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2020 - Kulturmarkt

"Gut gezählt ist halb verwaltet", weiß Petra Kohse in der FR und blickt auf die von der Bundesregierung beauftragte Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt" (mehr hier), derzufolge es 719.106 selbstständig Tätige im Kulturbereich gibt, knapp die Hälfte sind Mini-Selbstständige, verdienen also nicht mehr als 17.500 Euro im Jahr, wie Kohse erklärt: "Rund 100.000 dieser Selbstständigen sind als Künstler und Publizisten in der KSK versichert. Was nicht heißt, dass es nur 100.000 Künstler und Publizisten im Land gäbe. Wer tatsächlich brotlos ist, darf hier nicht rein, wer das meiste Geld im Ausland verdient, auch nicht. Bestverdiener unter den KSK-Versicherten sind die Librettisten mit 49.000 Euro jährlich, also gut 4.000 Euro im Monat brutto. Am wenigsten verdienen die Konzeptkünstler, die kaum mehr als 900 Euro im Monat mit ihrer Arbeit einnehmen - und lediglich etwas weniger als diese Summe hinzuverdienen dürfen, wenn sie ihren Versichertenstatus als hauptberufliche Künstler nicht verlieren wollen. Librettistinnen übrigens bringen es nur auf etwa 1.125 Euro im Monat. Haben sie weniger Ideen, werden sie weniger beschäftigt oder von den Opernhäusern übers Ohr gehauen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2020 - Kulturmarkt

Bei Hachette  gibt es einen Aufstand wegen J.K. Rowling, berichtet Sam Greenhill in der Daily Mail (unsere Resümees zur Debatte). Mitarbeiter drohen mit Streik, um gegen J.K. Rowlings Kritik an Transgender-Diskursen zu protestieren: "Gestern morgen sollen einige Mitarbeiter, die mit Rowlings neuem Kinderbuch 'The Ickabog' befasst sind, ihre Rebellion in einem erregten Meeting koordiniert haben. Eine Quelle sagt: 'Das Team in der Kinderbuchabteilung hat angekündigt, nicht länger an dem Buch arbeiten zu wollen.' Sie seien gegen Rowlings Äußerungen und wollten ihre Unterstützung für die Trans-Lobby zeigen. Das Team sei sehr 'woke', meist zwanzig oder knapp dreißig Jahre alt und fühle sich durch das Thema stark berührt."

Wie sich die Coronakrise in Berlin auf freie Künstler auswirkt, schildert Kevin Hanschke in der FAZ unter anderem am Beispiel der Künstlerin Heidi Sill: "Sie lebt momentan von einem befristeten Stipendium im Rahmen einer Residency der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf. Dies sei ein großes Glück, sagt Sill, denn ihr sind durch den Lockdown viele Aufträge weggebrochen. Während sie in den letzten Jahren im Durchschnitt an fünfzehn Ausstellungen teilgenommen hat, konnten ihre Arbeiten in diesem Jahr nur bei einer Schau gezeigt werden. Nicht nur das Wegbrechen des Marktes bereite ihr Sorgen, sondern auch der Wegfall jeglicher Vernetzungsmöglichkeiten in der Kunstwelt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2020 - Kulturmarkt

Ab 1. Juli sollen die Mehrwertsteuersaätze von 7 auf 5 und von 19 auf 16 Prozent sinken. Die Maßnahme gilt bis 31. Dezember. Für die Buchbranche ist das allerdings eine höchst knifflige Aufgabe, unter anderem wegen der Buchpreisbindung, kommentiert das Börsenblatt. "Das offensichtliche Dilemma: Viel Aufwand, mutmaßlich keine verkaufsfördernde Wirkung einer Preissenkung um 20 oder 40 Cent, aber ein drohender politischer Schaden, wenn die ganze Buchbranche gut erkennbar den Mehrwertsteuer-Bonus für sich vereinnahmt. Der Freundeskreis der Preisbindung würde wohl nicht wachsen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2020 - Kulturmarkt

In seiner Not sollte Frankfurt zu Leipzig werden, meint FAZ-Literaturkiritiker Tilman Spreckelsen in einem im Leitartikel auf Seite 1 der Zeitung. Thema ist die Buchmesse, bei der die großen Verlage - zumindest die großen Konzernverlage - durch die Bank abgesagt haben. Da wird es vor allem auf eins ankommen, so Spreckelsen: "auf die Veranstaltungen in der Stadt, auf viele Lesungen vor einem sicherlich jeweils überschaubaren Publikum, die zusammen aber einem Hunger nach direkter Begegnung mit Autoren und Büchern Rechnung tragen, der sich nicht zuletzt nach den Absagen von Leipzig und Köln aufgebaut hat. Die Messe wäre gut beraten, sich in diesem Jahr als ein Lesefest zu verstehen."