9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2020 - Kulturmarkt

Existenziell ist die Coronakrise schon heute für die italienische Buchbranche, berichtet Gloria Reményi in der taz: "Vorerst ist in dem Corona-hilfspaket der Regierung kein spezifischer Fonds für die Buchbranche vorgesehen, anders als zum Beispiel für die audiovisuelle Sparte. Das lässt die Schätzungen des Verlegerverbands AIE noch besorgniserregender erscheinen: Im letzten Monat wurde ein Umsatzeinbruch in Höhe von 70 bis 75 Prozent erhoben; innerhalb eines Jahres sollen zudem rund 23.200 weniger Titel veröffentlicht werden."
Stichwörter: Coronakrise, Buchmarkt, Corona

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2020 - Kulturmarkt

Soloselbstständige, die auf Grundsicherung angewiesen sind und nicht in Berlin, Hamburg oder NRW leben, erwartet nach wie vor ein Martyrium, stellt Till Briegleb in der SZ haareraufend fest: "Wer die peinlichen Verhörmethoden der Hartz-IV-Bürokratie mit ihren zahllosen Nachforderungen absurder Belege und der nach wie vor praktizierten Vermögensprüfung auf sich nimmt, kann noch nach Wochen des Wartens abschlägig beschieden werden, wie es verbitterte Antragsteller vielfach berichten. Denn Personen, die für sich und ihre Mitbewohner mehr als 9.000 Euro in Werten wahrheitsgemäß angegeben haben, gelten weiterhin als 'erheblich vermögend' und erhalten keine Grundsicherung, selbst wenn diese 'Werte' aus einer privaten Altersversorgung, einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder berufsnotwendigen Objekten wie einem Auto oder einer Geige bestehen. Die, so berichten Kulturschaffende aus allen Bundesländern, sollen bitte erst aufgelöst oder verkauft werden. Dagegen darf man immerhin Widerspruch einlegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2020 - Kulturmarkt

Es hält sich unter deutschen Journalisten wirklich kein Klischee hartnäckiger als die Behauptung, es gebe die warme, persönliche Kultur auf der einen Seite und das kalte algorithemengesteuerte Digitale auf der anderen Seite. Auch SZ-Redakteur Felix Stephan scheint zu glauben, seine Zeitung werde noch mit der Handpresse hergestellt, wenn er den "prädigitalen Literaturbetrieb aus Verlagen, Kritik, Jurys, Buchhändlern und informierten Lesern" feiert, der die Buchbranchen durch die Corona-Krise trage. Was er meint ist, dass die Verlage ohne Amazon zwar leiden, aber doch irgendwie über die Runden kommen: "In der Krise erleben sich die deutschen Verlage und Buchhandlungen zum ersten Mal seit langer Zeit als resilient und belastbar: Verlage organisieren Kampagnen, in denen sie auf die Orte hinweisen, an denen auch jetzt Bücher verkauft werden. Unabhängige Buchhändler nehmen Bestellungen an und tragen sie zur Abholung zum nächsten Geschäft, das noch öffnen darf, zu Metzgern und Apotheken. Reihenweise fahren Buchhändler mit Fahrrädern und Kastenwagen ihre Bücher selbst zu den Kunden. Schriftsteller lesen aus ihren Wohnzimmern." Das ist ganz wunderbar, nur "prädigital" ist gar nichts mehr. Und die Auslieferung mit Fahrrädern und Kastenwagen dürfte schon in den Außenbezirken der Städte auf ihre Grenzen stoßen.

Stefanie Sippel fragt in der FAZ, wie weit die Hilfen der Bundesregierung für die Kulturbranchen reichen werden, und spricht mit Betroffenen: "Besonders hart trifft die Situation kleine Verlage. Mark Lehmstedt betreibt einen solchen, vier Mitarbeiter hat er in Leipzig. Der Lehmstedt-Verlag bringt vor allem Bildbände heraus. Wie so viele andere hat auch er neuntausend Euro Soforthilfe bekommen. Doch davon kann er nicht einmal für einen Monat seine laufenden Kosten decken: Miete, Versicherungen, Verlagsauslieferung, Lagerkosten, Gewerbesteuern. 'Wir haben einen Umsatzrückgang von 98 Prozent', sagt Lehmstedt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2020 - Kulturmarkt

Ist freien Autoren durch die öffentlichen Gelder wirklich geholfen worden? Der Buchreport zitiert ein Papier des zu Ver.di gehörenden "Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller" (VS), das Nachbesserungen fordert. "Die vom VS beklagten Punkte: Schriftstellern ist mit Liquiditätshilfen, die nur für Geschäftsmiete und Leasingraten gedacht sind, nicht geholfen. Die Umsetzung ist in vielen Bundesländern erratisch gewesen. Welche Bedingungen für Förderung im Rahmen der Corona-Hilfe gelten, ist an manchen Stellen täglich verändert worden. Anpassungen erfolgten meist zum Nachteil der freien und soloselbständigen Antragsteller. In den meisten Bundesländern fallen dadurch viele Schriftsteller durch das Netz der Unterstützungsfonds. Vielen von ihnen bleibt aktuell nur, das erleichterte Arbeitslosengeld II zu beantragen."
Stichwörter: Coronakrise, Corona, Corona-Hilfen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.04.2020 - Kulturmarkt

"Die Situation auf dem Buchmarkt und im Literaturbetrieb ist so ernst wie nie zuvor", warnt der Verleger und Autor Rainer Moritz in der NZZ. "Ja, es gibt Sofortmaßnahmen der Regierungen, den Selbständigen, also auch den frei schwebenden Künstlern, beizustehen. Nina George, die Präsidentin des European Writers' Council, hat in diesen Tagen einen verdienstvollen 'Handzettel für Autoren' veröffentlicht, der die bereitgestellten Hilfsgelder auflistet. Das alles darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ohnehin schwer absehbaren Folgen der Corona-Einschränkungen Autorinnen und Autoren nicht nur vorübergehend belasten werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Kulturmarkt

Der PEN-Club Deutschland hat seine einstige Bedeutung seit Jahrzehnten eingebüßt. Nun meldet er sich mal wieder und fordert laut Börsenblatt, dass Buchhandlungen und Bibliotheken öffnen. Im Aufruf heißt es: "Der Zugang zu Büchern und damit zu Wissen und Information darf in einer freiheitlichen Demokratie unter keinen Umständen eingeschränkt werden. Buchhandlungen und Bibliotheken müssen daher umgehend wieder geöffnet werden! Gerade in Zeiten von Schulschließungen ist die beratende Funktion des Buchhandels für Eltern unverzichtbar."

Literatur ist systemrelevant, schreibt Mely Kiyak auf Zeit Online, die ebenfalls die Wiedereröffnung der Buchläden fordert. Von den Verlagen wünscht sie sich mehr Mut: "Wie bezeichnend, dass Autoren auf eigene Faust das auf die Beine stellen, was eigentlich die Aufgabe der 'Branche' wäre. Die Schriftsteller sind im Moment vor allem agil und die Verlage vor allem bräsig. Staunend retweeten sie, was die Autoren mit wackeligen Kameras und miesem Ton auf die Beine stellen. Dabei hätten die Initiativen auch von den Verlagen ausgehen können. Schon allein deshalb, um den Ausfall der Lesehonorare aufzufangen. Denn was die Autoren jetzt veranstalten, veranstalten sie auf eigene Kosten und kostenlos." In der NZZ schildert auch Rainer Moritz die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Verlagsbranche.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2020 - Kulturmarkt

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Buchhandel und das Verlagswesen sind massiv, berichtet Michael Roesler-Graichen im Börsenblatt: "Von Berlin und Sachsen-Anhalt abgesehen, sind in 14 Bundesländern mindestens bis Ostern alle Buchhandlungen geschlossen, und der größte Online-Buchhändler Amazon kauft derzeit bei den Verlagen keine Bücher ein, weil er sich auf Waren des täglichen Bedarfs fokussiert, vorerst bis 5. April. Die Einbußen für Verlage und Buchhandel sind enorm: Unternehmen wie Bonnier Media sprechen von einem Umsatzeinbruch von 80 Prozent. In einigen Häusern wurde Kurzarbeit abgeordnet oder in Erwägung gezogen."

Amazon geht es dagegen prima, notiert das Amazon-Watchblog: "Wenn es derzeit für jemanden ziemlich gut läuft, dann ist das Amazon. Während Unternehmen weltweit quasi kollektiv rote Zahlen schreiben, steigert Amazon seinen Wert in nicht einmal zwei Wochen um 100 Milliarden Euro - Tendenz wahrscheinlich steigend. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass Amazon seine Marktmacht in den kommenden Wochen weiter steigern wird und gestärkt aus der Krise kommen könnte."

Zur Frage, wie sich die Krise auf die Literatur und Kulturschaffende auswirkt, mehr in unserem heutigen Efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2020 - Kulturmarkt

Isabella Caldart hatte für 54books über die boomende Independent-Buchhändlerszene in Amerika und besonders New York schreiben wollen - nun muss sie darüber schreiben, dass diese Szene tot ist: "Dass die USA in jeder Hinsicht instabilere Sozialsysteme haben, wissen wir. Und so kam es, wie es kommen musste; die Buchhandlungen, die wegen Corona schließen mussten, entließen von einem Tag auf den nächsten reihenweise ihre Mitarbeiter*innen, es blieb ihnen gar nichts anderes übrig. Schrecklich für die Entlassenen, die zumeist nur bis zum Ende der jeweiligen Woche bezahlt werden."

Im Welt-Gespräch mit Richard Kämmerlings äußert sich Klett-Cotta-Verleger Tom Kraushaar noch recht gelassen über die Lage: "Solange die Buchhandlungen geschlossen bleiben, wird es sicherlich ein schwieriges Geschäft, Bücher zu verkaufen, aber für den Herbst planen wir normal weiter. Natürlich müssen wir die Situation beobachten und nötigenfalls reagieren."

Wenn jemand kostenlos ein Konzert auf seiner eigenen Website streamt, um dem Corona-geschädigte Publikum etwas Gutes zu tun, sollte er mit der Gema rechnen, falls Komponisten oder Texter sich von ihr vertreten lassen, berichtet Birgit Walter in der Berliner Zeitung. Die Gema vertritt zwar einerseits Urheber, aber eine sympathische Veranstaltung ist sie deshalb nicht: "Die Gema bevorzugt in der Verteilung ganz einseitig die Spitzenverdiener unter den Mitgliedern. Schlimmer, das System ist so aufgebaut, dass auch nur diese 6.000 ordentlichen Mitglieder über die Ausschüttungen an die insgesamt 78.000 Gema-Mitglieder entscheiden können, also auch über den strittigen Verteilungsschlüssel. Oder über die exorbitanten Ausgaben für die Verwaltung. Die Gema-Einnahmen stiegen im letzten Jahrzehnt von gut 800 Millionen auf über eine Milliarde Euro, davon fließen 150 Millionen in die Verwaltung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2020 - Kulturmarkt

Die Buchhandlungen haben geschlossen, und Amazon schränkt den Buchverkauf ein, um die höhere Nachfrage nach anderen Gütern zu bedienen. Die Verlage sehen ihre Absatzwege also doppelt blockiert. Der Autor und Literaturagent Thomas Montasser richtet einen Offenen Brief an die Branche, mit der Aufforderung, Amazon stärker die Stirn zu bieten. Er ist zum Beispiel bei buchmarkt.de veröffentlicht: "Amazon, entlarve dich doch nicht selbst als Lügner! Du hast Tausende Sortimentsbuchhandlungen weggebissen. Jetzt nutzt du deine Marktmacht schamlos aus, um das E-Book durchzusetzen. Die Läden sind dicht, die Alternativen beschränkt. Mach es den Leuten so schwer wie möglich, ein Printbuch zu erwerben, dann nehmen sie schon das E-Book. Ist ja auch fein: Dafür brauchst du nämlich keine Mitarbeiter, die bezahlt werden müssten, keine Zulieferer, die ihren Anteil bekommen, du hast keine Lagerkosten und keine Lieferkosten - großartig! Am besten, du drängst die Kunden so intensiv wie möglich ins E-Book-Streaming!"

Dass Amazon heute eine so gewaltige Marktposition im deutschen Markt hat, ist auch die Schuld von Bertelsmann, sagt Perlentaucher Thierry Chervel, der im Tagesspiegel von Markus Ehrenberg zu zwanzig Jahren Perlentaucher befragt wird: "Als wir anfingen, war Thomas Middelhoff noch Chef bei Bertelsmann und posaunte, dass er Amazon schlagen will. Immerhin wurde BOL zweitgrößter Online-Buchhändler in Deutschland und hätte diese Position wohl heute noch, wenn die Bertelsmann-Manager den Laden nicht zugemacht hätten, als sie Middelhoff feuerten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2020 - Kulturmarkt

Die Corona-Krise trifft auch kleine Buchhandlungen und Verlage hart. Die Verlegerin Britta Jürgs von der Kurt Wolff Stiftung skizziert im Gespräch mit Jens Uthoff die Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre, die sich nun noch verschärfen: "Viele Buchhandlungen sind in dieser Zeit weggebrochen, gerade die, die sich für unabhängige Verlage starkgemacht haben. Es gab einerseits eine Entwicklung hin zu größeren Buchhandelsketten und zu den Onlineversendern, andererseits ist jedoch zunehmend eine Gegenbewegung entstanden, kleinere Verlage haben sich zusammengeschlossen. Wir tun heute mehr dafür, das Bewusstsein dafür herzustellen, dass es einen Unterschied macht, ob Bücher aus einem Konzernverlag kommen oder aus einem unabhängigen Verlag."