9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

335 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 34

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse wird sich "dauerhaft verändern", erklärte Buchmessen-Direktor Juergen Boos der dpa, wie der Tagesspiegel meldet. "Volle Messehallen, Gedränge in den Gängen, Besucherrekorde - 'das werden wir so schnell nicht wieder erleben'." In der Berliner Zeitung befürchtet Cornelia Geißler, dass damit das Ende der Buchmesse überhaupt eingeläutet wird. Denn: "Wer einmal ausgesetzt hat, wird sich hinterher fragen, ob der Verzicht teurer war als der ansonsten zu zahlende Messestand sowie Reise- und Hotelkosten. Nicht diskutiert wird dabei bisher die Bedeutung der Buchmesse als politischer Ort. Immerhin fehlt nun auch der direkte Kontakt zu Autoren und Verlagsleuten aus Ländern mit Zensur. Es fehlen Podiumsdiskussionen zu brennenden Fragen und andere Formen der Themensetzung."

Auch Gerrit Bartels fragt sich im Tagesspiegel, ob man die Frankfurter Buchmesse noch braucht, wenn sie nicht mehr Messe, sondern Literaturfestival ist: Denn "wie unterscheidet sich ein Literaturfestival in Frankfurt von anderen in Deutschland? Zum Beispiel von dem Internationalen Literaturfestival in Berlin, das trotz Corona immer noch noch ein internationales ist. ... Dass das ursprüngliche Messegeschehen, das, bei dem es ums Geschäft geht, um Verträge, um Abschlüsse für neue Bücher, ins Netz wandert, diese Entwicklung gibt es lange. Nur könnte es sein, dass es nun noch weniger Gründe gibt, eben auf eine 'Buchmesse' nach Frankfurt zu fahren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2020 - Kulturmarkt

Mit der späten Absage rächt sich der frühe Mut der Frankfurter Buchmesse (mehr hier) erkennt Andreas Platthaus in der FAZ, aber er sieht darin auch das Ergebnis eines Machtspiels: "Im Vorfeld der Entscheidung für die Durchführung hatte sich die Frankfurter Messeleitung auf Absprachen mit den vier in Deutschland dominierenden Buchkonzernen beschränkt - Holtzbrinck, Random House, Bonnier und Droemer-Knaur -, die aber alle gar nicht selbst zur Messe wollten. Seltsamerweise dachte man in Frankfurt, das Fernbleiben all der in diesen Konzernen vereinten Verlage machte nichts aus, solange man deren Zusicherung hatte, sich am virtuellen Messeprogramm zu beteiligen. Das war ein Affront gegen die kleineren Verlage. Die reagierten anders als in Frankfurt erwartet: Statt sofortiger Standbuchungen kamen Absagen."
Stichwörter: Frankfurter Buchmesse, Drone

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.08.2020 - Kulturmarkt

Vermutlich liegt der aktuelle Erfolg des Sachbuchs daran, dass die lesefreudige Generation der Babyboomer in den Ruhestand geht, glaubt C.H. Beck-Verleger Jonathan Beck im Welt-Gespräch mit Marc Reichwein. Konkurrenz durch die Wikipedia für seine von anderen Verlagen kopierte, kompakte Reihe "C.H. Beck Wissen" sieht er nicht: "Für eine besondere Zugangsweise und einen methodischen roten Faden steht ein einzelner Autor besser ein, als es eine Faktensammlung je könnte, zumal sich die kollektive Autorschaft manchmal in Gefechten verliert. Bei Wikipedia habe ich Deutungskämpfe, bei einem 'Wissen'-Buch die Deutung und die Fakten, die eine führende Expertin oder ein führender Experte für ein Thema für relevant hält - und die er oder sie mir verbindlich präsentiert."
Stichwörter: Verlage, Beck, Jonathan, Wikipedia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2020 - Kulturmarkt

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse wird wohl zu einer recht bescheidenen Veranstaltung, berichtet das Branchenblatt Buchreport: "Bis zum vergangenen Wochenende konnten Standbuchungen kostenlos storniert werden. Mittlerweile sollen offenbar noch 750 Aussteller verblieben sein. Das sind nur 10 Prozent der sonst üblichen Ausstellerzahl. Anfang Juni hatte Messechef Juergen Boos noch 30 Prozent der üblichen Ausstellerzahl als Hausnummer für die 'Sonderedition' ausgegeben und von einer 'europäischen Buchmesse' gesprochen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2020 - Kulturmarkt

Kleiner Streit in der Buchbranche. Die großen Gebrauchtbuchhändler wie Momox oder Amazon Marketplace werden zu einer Gefahr für die Branche meint Urs Erdle, ehemals Verkaufsleiter bei Verlagen wie Campus oder Dumont, im Börsenblatt: "Solche Giganten wie Momox oder reBuy sind zu dominanten Playern geworden, die jetzt auch der Buchbranche, vergleichbar mit der digitalen Disruption im Tonträgerhandel, deren Geschäftsmodell unterminieren. Denn Schaden entsteht nicht nur den Verlagen und Autoren, sondern auch dem Bucheinzelhandel vor Ort, der durch die Preisbindung von 'neuen' Büchern bislang - im Sinne des 'Kulturgutes Buch' - seine Konkurrenzfähigkeit wenigstens in Bezug auf den Preis bewahren konnte, was sich jetzt in einen Wettbewerbsnachteil verkehrt." Endle schlägte eine Beteiligung der Autoren an den Erlösen über Ausschüttungen der VG Wort vor.

Dem widerspricht recht trocken Susanne Barwick, stellvertretende Justiziarin des Börsenvereins: "Der Gebrauchtbuchverkauf, der im übrigen eine lange Tradition hat, ist gesetzlich geregelt: das Verbreitungsrecht des Autors erschöpft sich gemäß § 17 Abs. 2 UrhG, nachdem das Buch erstmalig in den Verkehr gebracht wurde. Der Urheber wurde für sein Werk mit dem ersten Verkauf vergütet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2020 - Kulturmarkt

Bei den Fans ist Joanne K. Rowling offenbar noch nicht unten durch. Der Online-Buchhändler Momox veröffentlicht (offenbar erstmals?) seine Bestsellerliste fürs erste Halbjahr, meldet das Börsenblatt:

"1. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz (Band 6)
2. Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Band 7)
3. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix (Band 5)
4. Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Band 2)
5. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch (Band 4)
6. Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Band 3)
7. Wolfgang Herrndorf: Tschick"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2020 - Kulturmarkt

Ende Mai verzeichnete die Buchbranche einen Verlust von 17,5 Prozent, weiß Paul Jandl in der NZZ: "Aber schon 2019 hat es nicht rosig ausgesehen. Legten sich 2010 noch 36 Millionen Deutsche regelmäßig Bücher zu, fiel dieser Wert bis 2018 auf 29,9 Millionen, um 2019 noch einmal um eine Million abzusacken. Sollte es so weitergehen und das Medium Buch im gleichen Tempo an Bedeutung verlieren, dann ist die Corona-Krise womöglich wie ein Zeitraffer für das, was sich längerfristig tun könnte. Das Publikum wechselt zu anderen Angeboten. Die Verlage dünnen ihre Programme aus und müssen sparen."
Stichwörter: Corona, Coronakrise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2020 - Kulturmarkt

Eine Revolution im amerikanischen Verlagswesen verkünden Alexandra Alter und Elizabeth A. Harris in der New York Times. Eine Menge wichtige Posten sind im letzten Jahr neu besetzt worden. Viele davon von Frauen, viele von Schwarzen, und auf nicht wenige trifft beides zu, freuen sich die Autorinnen: "Einige der Personen... haben deutlich andere Vorlieben als ihre Vorgänger. Reagan Arthur und Amy Einhorn, die neuen Verlegerinnen von Knopf und Henry Holt, sind beide dafür bekannt, dass sie einen ausgeprägten Geschäftssinn haben, ein Auge dafür haben, was sich verkauft, und wissen, was Frauen lesen wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2020 - Kulturmarkt

Die Konzern-Verlage Randomhouse, Holtzbrinck (Kiepenheuer & Witsch, Rowohlt, Fischer) und Bonnier (Piper, Ullstein) trauen sich nicht auf die Frankfurter Buchmesse. Nun aber kann die Buchmesse auch Beteiligungen bekannt geben, meldet buchreport.de: "Die Verlage Aufbau, C.H. Beck, Klett-Cotta und Suhrkamp haben ihre Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Ein Konzept für einen gemeinschaftlichen Messestand sei in Kooperation mit der Buchmesse entwickelt worden."

Verleger "wollen ihr Geld", berichtet Georg Giersberg auf den Wirtschaftsseiten der FAZ und verweist auf einen offenen (aber offenbar nicht netz-öffentlichen) Brief wichtiger deutscher Verlage von Aufbau über Rowohlt bis C.H. Beck an Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Sie wollen einen Anteil aus den Ausschüttungen der VG Wort zurückhaben - diese Ausschüttung war zwar jahrzehntelang Praxis, aber deutsche und europäische Gerichte hatten geurteilt, dass Verlag kein Urheberrecht haben (Martin Vogel hatte dies erstritten, mehr hier). Innerhalb der EU-Urheberrechtsreform war es den Verlagen gelungen durchzusetzen, dass sie wieder einen Anteil bekommen, nur hapert es jetzt mit der Umsetzung in deutsches Recht, so Giersberg: "Für bekannte Publikumsverlage wie Rowohlt oder Piper geht es um einen mittleren sechsstelligen Betrag im Jahr, für viele Verleger kleiner Häuser geht es um den Unternehmerlohn des Inhabers. Seit der Aussetzung der Ausschüttungen hätten einige wenige Verlage aus diesem Grund ihre Existenz verloren, heißt es. Das kann aber nicht belegt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse zeigt, wie lang eingeübte Rituale und fest gefügte Institutionen durch die Coronakrise kräftig in Frage gestellt werden - Sandra Kegel dröselt das Choas im Leitartikel für die FAZ auf. Sämtliche großen Konzernverlage werden nicht mit Ständen auf der Messe sein. Bei anderen wichtigen Häusern wie Hanser, Suhrkamp oder Klett-Cotta stehe die Zusage noch aus: "Als wäre dies nicht genug, wurden dieser Tage Pläne publik, wonach die Buchmesse vom nächsten Jahr an gemeinsam mit der Musikmesse und Gaming-Anbietern in einem Kreativfestival nach dem Vorbild des Popkultur-Treffens 'South by Southwest' im texanischen Austin aufgehen sollte. Ein Aufschrei ging durch die Buchbranche, woraufhin die Pressekonferenz, bei der Oberbürgermeister Peter Feldmann die Pläne vorstellen wollte, wieder abgesagt wurde."