9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2016 - Kulturmarkt

Zu Beginn der Frankfurter Buchmesse skizziert Andreas Platthaus in der FAZ die Lage am Markt: "Der vielfach vorhergesagte Siegeszug der E-Books ist nicht eingetreten; außer in den Vereinigten Staaten hat das elektronische Publizieren nirgendwo dreißig Prozent des Umsatzes im Buchhandel überschritten, und dieser Anteil wurde schon vor zwei Jahren erreicht, seitdem sind die Zahlen in Amerika rückläufig. Auf dem deutschen Markt machen E-Books nicht einmal fünf Prozent aus. Mehr gedruckte Bücher werden trotzdem nicht verkauft, der Konzentrationsprozess in der Branche ist in vollem Gange."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2016 - Kulturmarkt

Von wegen Freihandel und freier Austausch der Ideen. Buchmessenchef Juergen Boos desillusioniert die FAZ-Redakteure Jürgen Kaube und Andreas Platthaus im Gespräch: "Im Gegenteil, die Welt wird immer verschlossener. Auch von den Inhalten her. Selbst hier in Europa, in Italien zum Beispiel, ist es in der Regel so, dass Verleger auch Buchhändler sind. Die großen Verlage kontrollieren in Italien jeweils ein Drittel des Buchhandels. Und in den Läden führt man dann nicht unbedingt die Bücher der Konkurrenz. Die italienischen Verlage sind in der Regel auch an Tageszeitungen beteiligt, so dass sie in gewisser Weise die Promotion der Bücher gleich mitsteuern können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2016 - Kulturmarkt

In einem jetzt online gestellten Artikel aus der Zeit liefert der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich eine kleine Verteidigung des Kunstmarkts: Es wäre falsch, meint er, "den Kunsthandel als Übel anzusehen, als das er in der Moderne häufig galt, als viele Künstler und Kunstfreunde die Werke bildender Kunst - in der Fortsetzung der Logik des Museums - gerne vom Schicksal erlöst hätten, Waren zu sein. Während sie befürchteten, jeder Preis würde die Kunst profanieren, muss man im Gegenteil anerkennen, dass die Bemühung um Exklusivität vonseiten des Handels die Kunstwahrnehmung derer, die Werke kaufen und besitzen können, entscheidend geprägt und oft sogar erst Wertschätzung für einzelne Kunstrichtungen geschaffen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2016 - Kulturmarkt

(Via turi2) Der Börsenverein stellt Ende des Jahres seine Buchhandelsplattform buchhandel.de ein, berichtet buchreport.de. Buchhandel.de war zugleich die öffentliche zugängliche Version des "Verzeichnisses lieferbarer Bücher" (VLB): "Wirkliche Marktgängigkeit hat die Verbandslösung über die Jahre nie erreicht: Es wurden zuletzt laut MVB-Geschäftsführer Ronald Schild nur minimale Umsätze in der Größenordnung von 600.000 Euro im Jahr erzielt, also deutlich weniger als 1000 Euro pro angeschlossener Buchhandlung."
Stichwörter: Börsenverein, Buchhandel.de

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2016 - Kulturmarkt

In der FAZ denkt Kolja Reichert über die Kunstwelt nach, die nicht mehr das Werk, sondern das Ereignis zelebriert. Die Membran zwischen Kunst und Welt, schreibt er, verläuft heute "zwischen den Angehörigen der Kunstwelt und den anderen. Und da wollen immer mehr rein: junge Menschen, die auf lukrative Chancen und Sicherheiten in der Wirtschaft verzichten, um Künstler oder Kuratoren zu werden, genauso wie Luxusmarken oder Modehersteller, die den gestiegenen Kurswert von 'Kunst' als Massenlieferant von Einzigartigkeit verstanden haben. Und Städte."
Stichwörter: Kunstmarkt, Kunstwelt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2016 - Kulturmarkt

Die Zeit entsandte ihren Kunstredakteur Hanno Rauterberg nach Katar, wo ihm "Ihre Exzellenz" Scheicha al-Majassa bint Hamad bin Chalifa alThani eines ihrer seltenen Interviews gewährte. Die Schwester des Emirs ist von Künstlern und Kuratoren nur so umschwärmt, denn sie gilt als die größte Käuferin der ganzen Welt. Im nächsten Jahr will sie deutsche Künstler ausstellen. Zu Kunst hat sie nicht allzuviel zu sagen, aber in drei Punkten wird sie im Interview sehr deutlich: 1. Bei der Abwehr "übertriebener" Kritik an der Behandlung der Bauarbeiter im Emirat, die schließlich von Privatfirmen angestellt seien. 2. Bei der Verteidigung des Kopftuchs: "Man muss mit dem Begriff der Freiheit vorsichtig sein. Einige Frauen wollen ihr Gesicht verbergen, wer hat das Recht, das zu verbieten?" 3. Bei der Ansage an die deutschen Künstler: "Es gibt keine Restriktionen, die Künstler sind frei. Aber wenn wir sie einladen, und sie wollen etwas zeigen, das in unserer Kultur als heikel empfunden wird, dann sagen wir nein. Das kann man als Zensur verstehen, doch wir nennen es nicht Zensur, wir sprechen von Editieren." Hauptsache ist doch, es lohnt sich!
Stichwörter: Katar

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2016 - Kulturmarkt

Die Antiquare leiden unter der vom Internet geschaffenen Transparenz des Markts -. auch unter dem von Amazon betriebenen Internetdienst Abebooks, schreibt Tilman Spreckelsen in der FAZ und zitiert Albert Sellner, der sein Antiquariat hat schließen müssen: "'Außer in einigen Nischen sind die Preise am antiquarischen Buchmarkt im Sinkflug', schreibt Albert Sellner, 'wir müssen heute dreimal so viel verkaufen wie vor zehn Jahren, um allein den Umsatz zu halten.' Von einer 'Preisspirale nach unten' sprechen dann Antiquare auch einmütig, und jeder Kunde kann das leicht überprüfen: Wer sucht, findet den 'Zauberberg' im Taschenbuch zum Preis von einem Cent, und die hinreißend schönen Dünndruckklassiker aus dem Winkler Verlag sind zum Teil schon für fünf Euro zu haben - vor dreißig Jahren musste man dafür etwa dreimal so viel bezahlen." Hinzukommt ein Faktor, der mit dem Internet nichts zu tun hat: Die Büchersammler sterben aus - und ihre Bibliotheken landen bei den Antiquaren.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.07.2016 - Kulturmarkt

Der Archäologe Luca Giuliani, Leiter des Wissenschaftskollegs zu Berlin, prangert im Gespräch mit Martina Doering von der Berliner Zeitung die Raubgrabungen in Ländern wie Syrien an, deren Funde im scheinbar so seriösen Kunsthandel landen: "Dass der arme irakische Bauer in seiner Umgebung gräbt und die Fundstücke verkauft, um seine Familie zu ernähren, halte ich für Sozialkitsch. Hinter den Grabungen stehen vor allem professionelle Banden. Die Informationen, die dabei zerstört werden, gehören zu einem Wissensschatz, den wir bewahren sollten, genauso wie die Bibliotheken oder den Lebensraum von indigenen Völker im brasilianischen Urwald. Das trägt nicht zu meiner Identität bei, aber es gehört zu der Buntheit und Vielfalt menschlichen Lebens, zu unserem Welterbe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2016 - Kulturmarkt

Der Berlin Verlag - der immerhin Péter Esterházy und Petér Nádas, Ingo Schulze, Richard Ford, Jonathan Littell verlegte - wird zu zwei Dritteln abgewickelt. Zum Ende Juni müssen 13 der 21 Mitarbeiter gehen. Jens Uthoff recherchiert für die taz: "Der Berlin Verlag soll dann zur Marke nach dem Vorbild der Hauptstadt-Imprints Hanser Berlin und Rowohlt Berlin werden. Von Frühjahr 2017 sollen nur noch zehn bis zwölf Titel, ausschließlich Hardcover, pro Saison fertiggestellt werden, sagt die verlegerische Geschäftsführerin Felicitas von Lovenberg gegenüber der taz. Von Lovenberg, lange Jahre Literaturredakteurin der FAZ, ist seit März im Amt. Sie habe eine 'wirtschaftliche Baustelle vorgefunden, die man nicht länger ignorieren konnte', erklärt die 42-Jährige."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2016 - Kulturmarkt

Hannes Hintermeier unterhält sich in der FAZ mit der Verlegerin Antje Kunstmann, die interessant über ihre verlegerischen Entscheidungen spricht: "Wir machen alle unsere Bücher auch als E-Books, aber Bücher nur als E-Books, wie es Hanser und andere versuchen, das machen wir nicht. Denn das grundsätzliche Problem bleibt auch bei elektronischen Formaten erhalten: Wie macht man die Leser auf dieses Buch aufmerksam? In der Zukunft mag das anders sein, aber für die Autoren ist das gedruckte Buch nach wie vor unentbehrlich."
Stichwörter: E-Books, Kunstmann, Antje