9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2017 - Kulturmarkt

Nachrichten aus der gloriosen Berliner Startup-Welt: "Soundcloud braucht mehr Geld, oder einen Käufer", schreibt Peter Kafka bei Recode. Die Firma habe Schwierigkeiten weitere 100 Millionen Dollar an Kapital aufzunehmen: "Soundcloud ist nun an einem Punkt, wo es bereit ist, sich für wesentlich weniger als 700 Millionen Dollar zu kaufen, auf die es von Investoren eingeschätzt wurde. Eine Quelle denkt, man werde Gebote akzeptieren, die über den 250 Millionen Dollar liegen, die man bisher investiert habe."

Außerdem: In der Berliner Zeitung meldet Stefan Strauß, dass sich Anwohner der zugigen Brache, auf der Suhrkamp in Berlin-Mitte bauen will, gegen den Neubau wehren.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2017 - Kulturmarkt

Amazon wird von der Europäischen Kommission gezwungen, sein Geschäftsgebaren gegenüber Verlagen bezüglich Ebooks zu verändern, berichtet der Buchreport: "Unter dem Druck der wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission wird sich Amazon verpflichten 'keine Klausel durchzusetzen, die Verlagen abverlangt, Amazon vergleichbare Konditionen anzubieten wie jene, die den Wettbewerbern von Amazon angeboten werden, und keine Klausel durchzusetzen, die Verlagen abverlangt, Amazon über solche Konditionen zu informieren.'"  Das Börsenblatt freut sich übe diesen "großen Erfolg für die Verlage". Bisher hatte Amazon von Verlagen glatt verlangt, über die Konditionen der Wettbewerber informiert zu werden!
Stichwörter: Amazon, Ebooks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2017 - Kulturmarkt

"Das unabhängige Verlagswesen in Hongkong ist tot, ohne die Druckereien und Buchläden steht es auf verlorenem Posten. China hat fast alles unter seiner Kontrolle", erklärt der Verleger Bao Pu im Interview mit Spon. "Viele Druckereien haben Untergesellschaften in China, weil sie Maschinen benötigen, die dort gefertigt werden. Zudem gehören viele Buchläden chinesischen Investoren. Deswegen nehmen sowohl Druckereien als auch Buchläden Rücksicht auf politische Befindlichkeiten. Das nächste Problem ist, dass Hongkongs Buchketten Zugeständnisse machen, um Zugang zum chinesischen Markt zu gewinnen. Und nicht zuletzt filzt der Zoll immer strenger. Früher konnten chinesische Touristen in Hongkong ziemlich bedenkenlos Bücher kaufen und mit nach Hause nehmen. Das geht kaum mehr. Seit 2012 konfisziert alleine der Zoll in Peking bis zu 700.000 chinesische Bücher und Zeitschriften pro Jahr."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.01.2017 - Kulturmarkt

Offenbar steht der Tolino, die im deutschen Buchhandel verkaufte Alternative zum Amazon Kindle, vor dem Aus, meldet Johannes Haupt im lesen.net. Der japanische  E-Commerce-Konzern Rakuten, zu dem auch E-Reading-Spezialist Kobo gehört, scheint die Marke von der Deutschen Telekom zu übernehmen: "Die Deutsche Telekom, die die Tolino-Allianz vor knapp vier Jahren maßgeblich mitinitiierte, zieht sich offenbar komplett aus dem Projekt zurück. Damit sind wohl auch Tolino-Lesegeräte ein Auslaufmodell, Rakuten wird langfristig kaum zwei E-Reading-Linien mit eigener Hardware und eigener Firmware parallel entwickeln. In Zukunft werden Thalia, Weltbild, Hugendubel & Co. also wohl Kobo-Lesegeräte in ihren Regalen haben. Solche Partnerschaften mit Filialisten sind für Kobo Usus: In Großbritannien arbeitet das Unternehmen mit WHSmith zusammen, in Frankreich mit fnac."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2016 - Kulturmarkt

Im Interview mit Dirk Schneider von der taz erklärt der Popkünstler Frank Spilker, wie das mit den Musikverlagen und der Gema im Popbusiness funktioniert (die Verlage bekommen immerhin vierzig Prozent an den Rechten eines Songs, geben Künstlern aber auch Vorschüsse) und warum er die jüngsten Streitigkeiten und Prozesse um die Verwertungsgesellschaften begrüßt - auch gegen die Gema gab es eine Klage: "Eine Klage wie diese sollte nicht dazu führen, dass mühsam aufgebaute Strukturen jetzt den Bach runtergehen. Trotzdem: Letztendlich ist so ein Urteil dann ja auch ein Impuls, um tradierte Vorstellungen in der Gesetzgebung zu überdenken und zu reformieren. Das wird angesichts der technischen Entwicklung und der damit verbundenen Verschiebung der Machtverhältnisse immer häufiger nötig. Die Politik hinkt immer um Jahre hinterher."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2016 - Kulturmarkt

Jürgen Gottschlich berichtet in der taz von der Buchmesse in Istanbul: "Noch ist auf der Buchmesse vieles möglich, was in den türkischen Zeitungen oder im Fernsehen längst den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hätte. 'Der Buchmarkt ist von der Repression noch nicht in dem Maße betroffen wie der Mediensektor', sagt Müge Sökmen, Verlegerin von Metis. Die Messe ist von einem privaten Verlegerverband, ähnlich dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, organisiert. Staatliche Zensur fand bei der Auswahl der Verlage die sich auf der Messe präsentierten deshalb noch nicht statt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2016 - Kulturmarkt

Hanns-Georg Rodek gibt einen deprimierenden Einblick in das Filmgeschäft, das mittlerweile von Finanzinvestoren oder internationalen Konzernen beherrscht wird: Heute soll entschieden werden, ob die - ungeliebte, aber eigentlich sehr erfolgreiche - Produktionsfirma Constantin gegen ihren Willen verkauft wird: "Dies ist keine Belegte-Schnittchen-Hauptversammlung wie die meisten anderen. Vielmehr geht es darum, ob die letzte marktrelevante deutsche Filmproduktion, die sich ein Bewusstsein dafür bewahrt hat, dass sie auch ein verantwortlicher Teil dieser Gesellschaft ist, zum Renditeobjekt degradiert wird. So ändern sich die Zeiten. Wer hätte gedacht, dass man sich einmal für die Constantin in die Bresche werfen würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2016 - Kulturmarkt

Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag und der Kurt-Wolff-Stiftung stimmt in der taz nochmal die Klage über die in vier Instanzen durchgefochtene VG-Wort-Entscheidung des Bundesgerichtshofs an - da stellte sich heraus, dass die Gelder der VG Wort gemäß Urheberrecht (das die Verlage sonst immer so hochhalten) allein den Autoren gebührt . Durch den Prozess hätten kleinere Verlage das an sie ausgeschüttete Geld vorsichheitshalber ansparen müssen, was sie wohl nicht immer getan haben (mehr dazu in den Perlentaucher-Artikeln von Martin Vogel): "Dass einige Verlage keine ausreichenden Rücklagen gebildet haben, mögen Ökonomen belächeln, die Klagesituation war ja bekannt. Doch gerade unabhängige Verlage zeigen oft großen Enthusiasmus, und nicht selten investieren sie jenes Geld, das sie gemäß der BWL ansparen sollten, lieber in ein Projekt, bei dem nicht sicher ist, ob es Gewinn erwirtschaften wird. Das gerät der Literatur oft genug zum Vorteil."

Die VG Wort sucht unterdessen schon nach Wegen, um die Verlage zu schonen - auf Kosten der Autoren, berichtet irights.info und zitiert aus einem Papier der VG Wort, das zuerst von der Piratenpartei geleakt wurde: "Der 'einzige realistische Ausweg', um Rückzahlungen der Verlage zu verhindern, sei eine 'Verrechnungslösung', heißt es darin. Bei der sogenannten 'Verrechnung' sollen Autoren erklären, dass sie ihre Ansprüche gegenüber der VG Wort abtreten; die Verwertungsgesellschaft würde auf Rückforderung gegenüber den Verlagen verzichten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2016 - Kulturmarkt

Der PEN America hat einen Bericht über Zensur in China vorgelegt, über den Michael Forsythe in der New York Times berichtet. Fünf Buchhändler aus Hongkong, die Bücher mit politischem (nicht immer seriösem) Klatsch verkauften, waren schlicht verschwunden und sind nun aus Gefängnissen in Festlandchina zurückgekehrt - nun traut sich niemand mehr in Hongkong, politische Literatur egal welcher Art zu verkaufen: "Viele Läden, die die sogenannten 'verbotenen politischen Bücher' verkauften, die bei Besuchern von Festlandchina beliebt waren, haben geschlossen. Am Hong Kong International Airport, der als der größte Markt für diese Bücher galt, haben viele Geschäfte ebenfalls geschlossen. Manche wurden von Buchläden ersetzt, die dem chinesischen Staat gehören."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.11.2016 - Kulturmarkt

Die VG Wort ruft die Buchverlage auf, den Autoren zustehende Beträge an die Autoren zurückzubezahlen - der Bundesgerichtshof hat nach langen Prozessen so entscheiden: Britta Jürgs, Leif Greinus und Jörg Sundermeier von der Kurt-Wolff-Stiftung appellieren an die Politik: "Die Rückzahlungsforderungen, die nun anstehen, lassen bereits die größten deutschen Verlagsgruppen schwitzen. Sie werden einige unserer unabhängigen Kolleginnen und Kollegen jedoch derart treffen, dass sie wahrscheinlich in die Insolvenz gehen müssen. Die Rückzahlungsforderungen sind rechtens, das bestreiten wir nicht. Und die Rückzahlungen werden nun fällig. Das ist so."

Auch andere Verwertungsgesellschadten bewegen sich. "Heute ist ein großer Tag für die Musiklandschaft in Deutschland", meldet ein Google-Blog. Youtube und die Gema scheinen sich über die Konditionen für Musikvideos geeinigt zu haben - darum dürften einige bislang für deutsche Surfer gesperrte Inhalte zugänglich werden. Mehr dazu auf FAZ.Net: "Die Prozesse, die sie gegeneinander führten, haben die Gema und Youtube nach Informationen von FAZ.Net ad acta gelegt. Sie schließen eine freiwillige Vereinbarung, mit der sich Youtube verpflichtet, Abgaben an die Gema zu zahlen."