9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2335 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 234

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2024 - Medien

In der SZ wendet sich Philipp Bovermann gegen die Annahme, düstere Warnungen in der Berichterstattung seien kontraproduktiv. In Zeiten der überregionalen Verbreitung und teilweise Verharmlosung rechtsnationaler und rechtsextremer Aussagen hält Bovermann es aber für notwendig, die Schattenseiten unserer Gegenwart zu beleuchten: "In Italien regiert eine Faschistin. Vielleicht bald auch in Frankreich. In Österreich vielleicht bald ein 'Volkskanzler'. Ein Geschichtslehrer, der 'Alles für Deutschland' ruft, vielleicht bald in Thüringen. Man darf solche Dinge ruhig wieder und wieder und wieder festhalten, auch auf die Gefahr hin, langweilig und verbissen zu wirken, und vielleicht interessieren sich viele Menschen dann eher für Fußball und die schönsten Gummibootstrecken - aber das sind halt nun mal die Fakten. Das ist der Rahmen für alles andere."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2024 - Medien

Fünf Kilo Papier - 1026 Seiten umfasst der Untersuchungsbericht zur "Schlesinger-Affäre" (unsere Resümees), den Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke gestern präsentierte, staunt Jan Heidtmann in der SZ: "Der Bericht ist vor allem eine ziemlich schonungslose Abrechnung mit der 'organisierten Verantwortungslosigkeit' beim RBB. Die wichtigsten Kontrollgremien des Senders hätten sich immer wieder hinter der Allmacht der Intendantin versteckt, heißt es, eine 'Selbstmarginalisierung des Verwaltungsrates', der obersten Kontrollbehörde, die sich 'mit Informationsbrocken begnügt' habe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2024 - Medien

In Frankreich herrscht nach der Ankündigung von Neuwahlen der Nationalversammlung durch Emmanuel Macron Chaos - und dies besonders auch in der bürgerlichen Rechten, denn Eric Ciotti, Chef der Republikaner will, eine Allianz mit dem Rassemblement national, aber der Rest seiner Partei hat sich mehr oder weniger von ihm losgesagt. In Le Monde stellen Ariane Chemin et Ivanne Trippenbach den bretonischen und superrechten (und nebenbei erzkatholischen) Tycoon Vincent Bolloré als Strippenzieher hinter dem Projekt einer solchen Allianz dar - ihm gehören Medien wie der Fernsehsender CNews, der Radiosender Europe 1 und das Journal du Dimanche. "Vincent Bolloré und Eric Ciotti essen oft zusammen zu Mittag - auch vor Kurzem noch. Der bretonische Industrielle hat sich in den USA als eine ähnliche Figur etabliert wie der Fox-News-Chef Roger Ailes, der 2016 die Kandidatur von Donald Trump lancierte und ihn bei seinen Fernsehdebatten beriet. Um die rechtsextreme Partei auf seine Seite zu ziehen, holte sich Eric Ciotti zuerst den Segen Bollorés. Nicolas Sarkozy war nicht einmal informiert worden."

Außerdem: In der SZ schildert Reymer Klüver die schwere Krise in der Washington Post. Ihr jetziger Chef William Lewis, stammt aus dem Hause Murdoch und soll Recherchen zu seiner Vorgeschichte erschwert haben. Und laut New York Times macht die Post 100 Millionen Dollar Verlust, so dass selbst Nabob Jeff Bezos, der die Post besitzt, die Geduld verlieren könnte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2024 - Medien

Vor zehn Jahren starb FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der letzte große Zampano des deutschen Feuilletons, ein Berserker, dem seine Zeitung und der deutsche Kulturbetrieb viel zu klein waren, vor dem die gesamte Kollegenschaft in Angst erstarrte (auch mit dem Perlentaucher gab es Scharmützel), und der doch nach seinem plötzlichen Tod erstaunlich gründlich vergessen wurde. Seitdem ist Routine eingekehrt. Die FAZ verliert über ihn heute kein Wort. In der SZ erinnert der einstige FAZ-Redakteur Nils Minkmar. "Die Leute sollten, wenn sie sein Feuilleton lesen, am besten vom Stuhl fallen. Vor Verblüffung, vor Entzückung oder vor Entsetzen - egal. Das Blatt sollte diese großartige, auch gefährliche, in jedem Fall aber neue Welt an jedem Tag feiern, verdammen und hinterfragen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2024 - Medien

In der FAZ schaut sich Mina Marschall den von der Bildungsstätte Anne Frank veröffentlichten Report über die Verbreitung rechtsextremer Inhalte auf Tiktok an. "Es sei eine neue, bedrohliche Dimension des Antisemitismus, die auf der Plattform zu beobachten sei, schreiben die Autorinnen des Reports. (…) Die AfD setzt beispielsweise auf 'Masse statt Klasse', wie es in dem Report heißt. Demnach produziert die Partei einen kontinuierlichen Strom an Videos, der von unzähligen Accounts geteilt wird. 'In nur wenigen Stunden konnten wir über 50 Accounts mit jeweils über 40.000 Followern ausfindig machen, die nur solche Schnipsel posten', sagt Eva Berendsen, Leiterin des Bereichs Kommunikation der Bildungsstätte und Mitautorin des Reports. Reden von AfD-Politikern seien dabei teils schon im Manuskript darauf angelegt, sich in einminütige Clips schneiden zu lassen. Der Erfolg der Partei in den sozialen Netzwerken baue deshalb weniger auf perfider Manipulation oder lang geplanten Kampagnen auf, sondern vielmehr auf reinem Spam."

Die FR berichtet mit epd, wie China seinen Einfluss auf die Medien in Lateinamerika verstärkt, und das mit großen Erfolg, wie der Sinologe Igor Patrick vom Wilson Center in Washington feststellen kann: "Viele Medien in Lateinamerika kämpfen Patrick zufolge mit finanziellen Schwierigkeiten. Für sie seien die Vereinbarungen mit den chinesischen Staatsmedien deshalb ein Rettungsanker. Viele Medienunternehmen hätten aufgehört, kritisch über China zu berichten. Nirgendwo sonst auf der Welt ist laut 'Reporter ohne Grenzen' die Konzentration von Medienunternehmen so groß wie in Lateinamerika. Oft werden diese von Familien-Dynastien geführt, die noch in anderen Wirtschaftsbereichen tätig sind, wie im Agrarsektor und im Bergbau. Somit sind die Abkommen mit China für die Medieneigentümer auch Türöffner für neue Absatzmärkte."

 Im Tagesspiegel berichtet Anna Pannen, dass 17 Autor:innen des Herder-Verlags in einer Stellungnahme eine "zunehmend rechtspopulistische Ausrichtung" des Verlag-Programmes anprangerten. Es geht unter anderem um die Zusammenarbeit mit dem Magazin "Cicero" sowie Publikationen der Ethnologin Susanne Schröter.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2024 - Medien

Das KI-generierte Bild von einer Zeltlandschaft mit der Aufschrift "AllEyesonRafah" wurde auf Instagram 40 Millionen Mal geteilt. Nadine A. Brügger geht in der NZZ dessen Ursprung auf den Grund und stößt auf den User @shahv4012. "Die Adresse auf seiner Website verortet Chaa in Malaysia, einem Land, das die islamistische Hamas seit Jahren unterstützt. Selbst nach dem Terrorangriff auf Israel blieb Malaysia der Hamas treu. Malaysias Haltung scheint auch jene von Chaa zu sein. Der Fotograf generierte mittels KI nicht nur das Bild der Zeltstadt, sondern auch weitere Bilder. Eines zeigt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu mit blutverschmierten Händen und der Überschrift 'Terrorist. Kindermörder'. Ein anderes Bild zeigt Netanyahu in einer Gefängniszelle, 'Kriegsverbrecher' und 'Kindermörder, Genozid, Satanyahu' steht darüber. Die Bilder bedienen sich eines alten antisemitischen Stereotyps, wonach Juden rituelle Kindermorde begehen würden."
Stichwörter: Hamas, Instagram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.05.2024 - Medien

Das ausländerfeindliche Sylter Gegröle hat zu seltsamen medialen Konstellationen geführt, die Michael Hanfeld in der FAZ aufspießt. Besonders eifrig dabei, die Namen der Gröler aufzudecken, waren Jan Böhmermann und die Bild (seltsamer Weise erklärt Hanfeld dann aber doch lieber die sozialen Medien zu den eigentlichen Orten des Bösen). Einige haben ihren Job verloren. Dabei gilt: "Vom Tatbestand der 'Volksverhetzung' könne man so einfach nicht ausgehen, die identifizierende Berichterstattung sei rechtswidrig, sagte der Medienanwalt Felix Damm im Gespräch mit der FAZ... Doch was schert das Böhmermann und die Bild? Die Moralwächter sind sich ihrer Sache sicher. 'Bild berichtet darüber und nennt die Schande beim Namen', teilte das Boulevardblatt dem Fachdienst Kress mit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2024 - Medien

Seit zwanzig Jahren ist Giovanni di Lorenzo Chefredakteur der Zeit, die NZZ schenkt ihm ein zweiseitiges Interview, in dem es unter anderem um die Ausrichtung der Zeit geht. "Wir bilden zu wenig den Alltag der Menschen ab, die uns lesen, besonders wenn sie nicht in großen Städten leben", räumt Lorenzo ein: "Und wir haben manchmal eine gewisse Scheu, uns zum Beispiel mit den problematischen Seiten der Migration auseinanderzusetzen - aus der Angst heraus, dass man dafür Applaus von der falschen Seite bekommen könnte, also rechte Narrative bedient. Da bin ich absolut gegenteiliger Meinung. Gefährlich ist es, wenn man diese Themen nicht behandelt."
Stichwörter: Lorenzo, Giovanni Di

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.05.2024 - Medien

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Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, erläutert im FR-Gespräch mit Lisa Berins, wie Algorithmen bei TikTok und Instagram die Verbreitung von Hassbotschaften und Verschwörungstheorien begünstigen. In ihrem Buch "Code und Vorurteil" beschreibt sie unter anderem, wie die sozialen Medien antisemitische Narrative nach dem 7. Oktober verbreiteten: "Für unseren Report 'Die TikTok-Intifada', haben wir den Selbstversuch mehrmals gemacht: Wenn wir uns bei TikTok als ganz frischer User, frische Userin anmelden und den Suchbegriff 'Gaza' eingeben, suchen der Algorithmus und die dahinterliegende KI - die uns noch nicht kennt - für uns Videos raus, die zu diesem Begriff gerade trenden. Es kommen erst internationale Videos, die sich auf die humanitäre Lage in Gaza beziehen, und dann das erste deutsche Video, von einer Influencerin. Sie verbreitet die Verschwörungserzählung, dass der 7. Oktober ein Inside-Job gewesen wäre, dass also die israelische Regierung von dem Anschlag der Hamas gewusst habe. Dieses Video wird als relevant ausgewählt und im Feed platziert, obwohl es keine sachliche Information ist. Wenn man sich einen jungen Endnutzer vorstellt, der sich ohne Vorwissen zum Nahost-Konflikt informieren will, ist das sehr bedenklich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2024 - Medien

Der Datenjournalist Benjamin Strick, einst BBC, legt auf Twitter ein ziemlich brillantes Stück Datenjournalismus vor: Er betrachtet eine CNN-Reportage, die den Reporter des Senders zum haitianischen Gang Leader mit dem malerischen Namen Vitel'homme Innocent führt. Anhand einiger Details von der Fahrt des CNN-Journalisten kann er den Ort identifizieren, wo das Gespräch stattgefunden hat und der Gang Leader offenbar wohnt - gegen den Mann gibt es einen internationalen Haftbefehl.