Das bisschen Licht

Arnaud Desplechins "Roubaix, une lumière" und Ben Wheatleys Remake von "Rebecca". Kino im Stream

Die Staatsgewalt will Keile

Erich Plamondons "Taqawan" über den großen Lachskrieg und Denise Minas Glasgow-Krimi "Götter und Tiere". Mord und Ratschlag.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Das Fanatische fehlt komplett

02.12.2020. Solange Wien so viele Zumutungen aushalten muss, wird Katharina Cibulka die Stadt schonen, erfährt der Standard von der Interventionskünstlerin. Der Tagesspiegel reist mit dem Omniversal Earkestra durch Mali. Die FAZ erkundet mit Tomohiko Itôs Animationsfilm "Hello World" die Liebe in Zeiten des Quantencomputers. Die stets kunst- und sachverständige Literaturredakteurin Angela Schader verabschiedet sich in edito.ch von der NZZ mit einem besorgten Blick auf die Zukunft der Kritik und der freien Mitarbeiter. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die unzähligen vorgeschobenen Argumente

02.12.2020. Im Perlentaucher kritisiert Peter Mathews das "Wehrhafte-Demokratie-Fördergesetz", mit dem die Bundesregierung Rechtsextremismus bekämpfen will - und nebenbei einen bestimmten Antirassismusbegriff instituiert. Allein schon die Debatte um die Erhöhung der  Rundfunkgebühren ist ein Erfolg der Rechtsextremen, meint Leonhard Dobusch in Netzpolitik. In der taz will sich Charlotte Wiedemann ihren Abscheu vor den Mohammedkarikaturen nicht untersagen lassen. In der NZZ will der Kulturtheoretiker Homi Bhabha den Begriff der Staatsbürgerschaft neu definieren. Mehr...

INTERVENTION

Lohn der Angst

02.12.2020. Über eine Milliarde Euro stellt die Bundesregierung für einen Maßnahmenkatalog gegen Rechtsextremismus und Rassismus zur Verfügung. Aber es drängt sich beim näheren Lesen des Katalogs der Verdacht auf, dass es gar nicht so sehr um Rechtsextremismus geht als um die Rückgewinnung der Deutungsmacht über gesellschaftliche Prozesse. Eine bestimmte Szenerie der Migrationsforschung und ein problematischer Begriff des Rassismus und Antirassismus werden dabei quasi zur Staatsdoktrin erhoben. Von Peter Mathews. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Immer radikal, niemals konsequent

01.12.2020. Als herrlich schrulliges Amerika-Epos feiert die FAZ den "Volkswagen Blues" des Kanadiers Jacques Poulin. Der DlfKultur erkundet mit Helon Habilas "Reisen" den Transitraum Berlin. Auch Germano Almeidas kapverdischer Roman "Der treue Verstorbene" gefällt ihm gut. Die taz empfiehlt Kaska Brylas Debütroman "Roter Affe", der um eine Gefängnispsychologin der JVA Moabit kreist. Die FR ballt die Faust beim Blick auf den Atlas der Weltwirtschaft. Die Welt feiert Enrico Marinis Germanen-Comic "Die Adler Roms", der drastisch, aber nicht eindimensional die Geschichte der Hermannschlacht erzählt. Mehr...

EICHENDORFF21

Elena Ferrante empfiehlt

06.03.2020. Elena Ferrante hat für bookshop.org ihre vierzig liebsten Autorinnen zusammengestellt. Wir haben die Liste gern für Eichendorff21.de übernommen. Klassiker sind wiederzuentdecken, etwa von Ingeborg Bachmann oder Elfriede Jelinek, aber auch moderne Werke wie Mieko Kawakamis "Brüste und Eier" oder Sheila Hetis "Mutterschaft". Stöbern Sie durch unsere neue Liste und lernen Sie die Frau, die sich hinter Ferrante versteckt, über ihre Lektüren kennen.
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MAGAZINRUNDSCHAU

Oma war musikalisch, arm, komisch und bockig

01.12.2020. In Magyar Narancs empört sich der Schriftsteller Dénes Krusovszky über den Missbrauch von Kertesz-Zitaten für die antisemitische Agenda der Orban-Regierung. Keine Demokratie ist stark durch ihre Güte, verkündet in Atlantic der Historiker Peter Turchin. Der Merkur analysiert den Trend zum Ausschlusswort "Pöbel". Deník Referendum deckt die bis zum Premierminister Andrej Babiš reichenden Hintergründe einer ökologischen Katastrophe in Tschechien auf. Guernica zeichnet das weibliche Bild der Appalachen. Mehr...

MEDIENTICKER

Schlange im Wolfspelz

01.12.2020. Streit über Rundfunkgebühren: Haseloff zieht die Notbremse - Was Denker in der Corona-Krise raten würden - Gleichstellung: Wie sinnvoll ist das Gendersternchen? - DDR-Bürgerrechtler: Vom SED-Gegner zum Corona-Leugner - Kunstraub in der DDR: Beschlagnahmt zur Beschaffung von Devisen - Wahrheit: Gespräch mit Markus Gabriel - Ethnische Minderheiten verdienen weniger + Glückwunsch: Bette Midler wird 75. Mehr...

FOTOLOT

Große stochastische Multiprojektilität

27.11.2020. Welchen Sinn hat der Deutsche Fotobuchpreis, wenn er dem Publikum so gut wie unbekannt ist? Sollte man ihn nicht besser in "Fotobuchpreis der Stuttgarter Hochschule für Medien" umbenennen? Wie auch immer: einige FotografInnen wurden zurecht ausgezeichnet und dürfen sich freuen, andere eher zu Unrecht und dürfen sich ebenfalls freuen. Ein kleiner Streifzug. Von Peter Truschner. Mehr...

IM KINO

Das bisschen Licht

25.11.2020. Arnaud Desplechin erzählt in "Roubaix, une lumière" von einem sinnlosen Mord an einer alten Frau im armen und grauen Norden Frankreichs. Ben Wheatleys Remake von Daphne du Mauriers "Rebecca" setzt weniger auf Grusel als auf sentimentale Umdichtung. Von Rajko Burchardt, Thekla Dannenberg. Mehr...

INTERVENTION

Medien am Tropf?

23.11.2020. 220 Millionen Euro will die Bundesregierung den Zeitungen geben. Eine einseitige Subventionierung, um die Zeitungen im Wahlkampf bei Laune zu halten, wäre ein Skandal, gegen den sich Online-Publisher wehren sollten. Was wir eigentlich brauchen, ist eine Selbstverständigung über die demokratische Öffentlichkeit in digitalen Zeiten. Von Thierry Chervel. Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Die Staatsgewalt will Keile

16.11.2020. Erich Plamondon erzählt in "Taqawan" mit allen Mitteln der Poesie vom großen Lachskrieg, als die kanadische Regierung den Indianern verbieten wollte, in ihrem Reservat mit Netzen zu fischen. Denise Mina legt in "Götter und Tiere" die Arterien des Verbrechens frei, die Glasgow durchziehen. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

INTERVENTION

Teufel, die sich als Engel verkleiden

13.11.2020. Die SZ hat Monika Maron vorgeworfen, viele ihrer Aussagen hätten "die Grenze zum völkischen Denken mühelos überschritten". Erstaunlich, wie eindeutig sich die KritikerInnen von SZ, FAZ und taz plötzlich gegen "rechts" positionieren. Neulich hat die SZ noch Peter Handke verteidigt, der sich ostentativ mit völkischen Kriegsverbrechern solidarisierte. Von Anja Seeliger. Mehr...

ESSAY

Eva hinter Gittern, im Sträflingsanzug, mit Victory-Zeichen

13.11.2020. Die Frauen, die im Sommer 2020 unverhofft die politische Bühne und später die Straßen und Plätze von Belarus betraten, sind in mehrfacher Hinsicht symbolhaft. Ihr Aufstand ist eine Auflehnung gegen Lukaschenkos Patriarchat, in dem Frauen dazu bestimmt sind, Kinder zu gebären und in der Küche am Herd zu sein. Ihr Aufstand steht aber auch für das Erwachen der Nation - einer vermeintlich "schwachen Frau", die ihre eigene Courage neu entdeckt. Ein Vorabdruck aus dem Buch "Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution". Von Marina Scharlaj. Mehr...

INTERVENTION

Ein neuer Multilateralismus

13.11.2020. Donald Trump hat auch in Europa antiliberalen Kräften massiven Auftrieb gegeben. Ohne eine funktionierende Demokratie in den USA haben auch die europäischen Demokratien kaum eine Überlebenschance. Joe Bidens Idee eines "Gipfels der Demokratien" ist zu begrüßen. Von Richard Herzinger. Mehr...

TAGTIGALL

mit höhlen und zickzacknähten

11.11.2020. "Mad Ireland hurt you into poetry", schrieb Auden über Yeats: "Narr Irland quälte dich zur Dichtung", übersetzte Ernst Jandl. Gedichte ereignen sich inmitten der Gefangenschaft unserer Tage und doch in einem Raum fernab von Politik und Gesellschaft. Wer braucht Lyrik, obwohl sie nichts bewirkt? Zwei Beobachtungen Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Potenziale realisieren

11.11.2020. Joe Biden und Kamala Harris haben sich in ihren ersten, weltweit beachteten Reden große Mühe gegeben, mit einer Stimme zu sprechen, und doch hat Biden eine "republikanische", Harris eine "demokratische" Rede gehalten. Dem einen ging's um "opportunities", der anderen um "possibilities". Keine Finesse, sondern Symptom eines gespaltenen Landes. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

FOTOLOT

Seit dem Wirken der Puritaner

09.11.2020. Die These, dass Annie Leibovitz, Gregory Crewdson oder Andreas Gursky einen "neoliberalen Ralismus" bedienen und eine marktförmige Fotografie repräsentieren, ist eigentlich nicht neu, wird aber in Jörg Colbergs Buch "Photography's Neoliberal Realism" als neu präsentiert. Unangenehm ist, wie aus der an sich fälligen Kritik an diesen Fotografen die Versatzstücke der heutigen akademisch-korrekten Diskurse nur so herauspurzeln. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSENZEN

Geruchlich ziemlich anders

29.10.2020. 1934 verpasste Caron seinem ersten speziell den Herren gewidmeten Duft den Zusatz "pour homme", und das Trugbild "Herrenduft" war geboren. Inzwischen sind die Gendergrenzen auch bei den Düften wesentlich unschärfer geworden. Paul Divjak widmet den Herrenparfums ein ganzes Buch - und begibt sich auf die Suche nach dem Animalischen. Mehr...

EICHENDORFF21

Für die Meinungsfreiheit

21.10.2020. Am 16. Oktober 2020 hat ein islamistischer Attentäter den Lehrer Samuel Paty enthauptet, weil er mit seinen Schülern über Meinungsfreiheit diskutiert hatte. Der Mord fand in den Tagen des Prozesses um das Charlie-Hebdo-Massaker und um den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt statt. Er zeigt, dass der islamistische Extremismus in Europa nach wie vor aktiv ist. Nach dem Charlie-Anschlag sind einige Bücher von Überlebenden erschienen, die ihr Trauma aufarbeiten und einige Reflexionen über den Terror in Frankreich und Europa. Eine Auswahl.
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ESSAY

Terra X antwortet nicht

01.10.2020. Es gibt hervorragende Tier-, Natur- und Georeportagen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber warum muss jede Landschaft mit aufgedonnerten Streichertapeten zugekleistert, jede Spannungslücke mit psychagogischen Klangmodulen gefüllt und jedes Beute schlagende Tier von gezupften Bässen in einen Mörder verwandelt werden? Das entwertet nicht nur die Reportagen, sondern derealisiert auch unser Bild vom nichtmenschlichen Leben auf der Erde. Und es verschenkt die einzigartige Chance des virtuellen Tourismus. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...