Vom Zernuen

Marcel Beyers "Dämonenräumdienst" kräftigt Atem-, Klang- und Erkenntniswege. Tagtigall. Von Marie Luise Knott

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Rebellischer Universalismus

24.09.2020. Die FAZ liest Nadia Terranovas Roman "Der Morgen, an dem mein Vater aufstand und verschwand" als Geschichte einer Depression. Der FR imponiert, wie leichthändig Sara Sligar die Psychothrillerelemente ihres Romans "Alles, was zu ihr gehört" behandelt. So gern die SZ Sonja Hildebrands Buch über den Architekten Gottfried Semper gelesen hat, so froh ist sie, nie mit dem alten Griesgram zu tun gehabt zu haben. Dlf Kultur liest mit Eva von Redeckers "Revolution für das Leben" Kapitalismuskritik auf höchstem philosophischen Niveau. Mehr...

MEDIENTICKER

Beachtliche Unterschiede

24.09.2020. Branchen-Monitor Buch: Stationäre Buchhändler machen Boden gut - Streit um Urheberrechtsreform - Pandemie: Amartya Sen kommt nicht zur Friedenspreis-Verleihung - Hacker attackieren Home-Offices mit RDP-Angriffen - Bundesregierung will Ausgaben für Kultur+Medien um mehr als 120 Millionen Euro steigern - Historische Krimis boomen: Alle wollen wie Volker Kutscher sein - Liste der aktuellen Belletristik-Bestseller & Sachbuchbestenliste Oktober + Grande dame de la chanson  est morte. Mehr...

IM KINO

Verbitterte Ichs aus der Zukunft

24.09.2020. Auch Bill & Ted, die zwei Luschen, die 1989 in MTV, Bowling und Shopping Malls das Paradies sahen, bevor sie durch Zeit und Raum reisten, sind älter geworden. Ihre Ambitionslosigkeit sollte einst die Welt retten, doch jetzt zehrt der Misserfolg an ihnen: "Bill & Ted Face the Music" und sie klingt hässlich.  Elsa Kremser und Levin Peter setzen in ihrem Dokumentarfilm "Space Dogs" den Raumfahrthündinnen Belka, Strelka und Laika ein Denkmal, aber auch den Moskauer Straßenhunden. Von Olga Baruk, Robert Wagner. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Eine gewisse Historizität des Dancefloors

24.09.2020. In der Welt erzählt der Schriftsteller Colson Whitehead, wie schwer es für einen schwarzen Vater in den USA ist, einen positiven Ort für seine Kinder zu finden. Die Berliner Zeitung kann sich gar nicht satt sehen an den Bildern des kenianischen Künstlers Michael Armitage im Münchner Haus der Kunst. Die Zeit lernt mit Armitage sogar Paviane, Alligatoren und Schlangen lieben. Die SZ stellt anlässlich von Corona-Infektionen beim Gallery Weekend in Berlin fest: Künstler sind auch nicht besser als Fußballfans. Die Musikkritiker trauern um Juliette Greco, die Filmkritiker um den Schauspieler Michael Gwisdek. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die sogenannte Realität

24.09.2020. In Belarus protestieren die Frauen mit Mut und Würde. Aber wo bleibt der solidarische Aufschrei der westlichen Feministinnen, fragt Elke Schmitter in Spiegel online. Atlantic wirft einen düsteren Blick auf "die Wahl, die Amerika zerreißen könnte". In Zeiten, da sich Journalismus immer schwieriger refinanzieren kann, ist es Zeit ihn neu zu denken, meint der Medienprofessor Leonard Novy im Tagesspiegel. In Zeit online analysiert Claus Leggewie Donald Trumps Kulturkämpfe. Mehr...

EICHENDORFF21

Die neue Klassenfrage

17.09.2020. Didier Eribons Aufsteigergeschichte "Rückkehr nach Reims" löste auch in Deutschland einen Boom aus. In diesem Herbst hat es Deniz Ohde, die in ihrem Roman "Streulicht" das Ausgeschlossensein des "abgehängten Prekariats" analysiert, auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Wir haben in unserer neuen Bücherliste auch einige Sachbücher zum Thema zusammengestellt: Im Band "Vom Arbeiterkind zur Professur" schildern ProfessorInnen ihren eigenen steinigen Weg nach oben.
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MAGAZINRUNDSCHAU

Ein Faible für Satire und Demokratie

22.09.2020. Die London Review erinnert an die Siebziger, als sich die Putzfrauen von London gewerkschaftlich zu organisieren begannen. Ohne Organisation geht gar nichts, lernen auch Aktivisten in Chicago, die Obdachlose in ein Sheraton Hotel einquartierten, erzählt Harper's, das außerdem die Synthesizer-Pionierin Wendy Carlos vorstellt. Pitchfork erzählt, wie Enyas Balladen aus den Achtzigern Melodiker wie Weyes Blood ebenso beeinflusst haben wie die Death Metal Band Blood Incantation oder den Avantgardisten Oneohtrix Point Never. Atlantic warnt die Qualitätspresse: Lügen sind nicht einfach andere Fakten. Das sollte auch Facebook kapieren, meint Bloomberg. Der Guardian spuckt seinen genveränderten Lachs aus. Mehr...

FOTOLOT

Die Botschaft ist das Medium

21.09.2020. Roger Eberhards Band "Human Territoriality" über Grenzzäune, Migration und den Kampf um natürliche Ressourcen und Damian Heinischs "45" über eine Zugreise, die den Migrationswegen seiner Familie nachfährt, gewinnen Bedeutung nur über den Kontext, den sie illustrieren. Anders die Fotografien von Julia Steinigeweg, die den Punkt suchen, an dem das Virtuelle und das Reale ineinander übergehen. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSAY

Mitnichten antidemokratisch

21.09.2020. Die Anschuldigung, dass die Linke den öffentlichen Diskurs mithilfe ihrer "Cancel-Kultur" strategisch zu ihren Gunsten formen wolle, entlarvt sich bei genauem Betrachten selbst als versuchtes Cancelling: Wer Kritik an Einzelentscheidungen von Veranstalter*innen oder Redakteur*innen zum Beleg für eine neulinke Diktatur aufbauscht, möchte vor allem linke Identitätspolitik diskreditieren. Von Anna Huber. Mehr...

INTERVENTION

Wie war das in Syrien?

11.09.2020. Es könnte sein, dass Wladimir Putin im Fall Belarus sein Erfolgsmodell der Repression neu erprobt: Festhalten an einem Diktator um jeden Preis, wie bei Maduro oder Assad. Indem der Kreml angeschlagenen Despoten die Haut rettet, macht er sie sich zu willfährigen Marionetten. Ein Lukaschenko, der die Fortsetzung seiner Herrschaft dem Kreml verdankt, wird damit für Putin zu einem idealen Vollstrecker seiner großrussisch-imperialen Ambitionen. Von Richard Herzinger. Mehr...

EICHENDORFF21

Die Longlist für den Buchpreis

25.08.2020. Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 ist bei der Kritik gut angekommen, die nominierten Romane verheißen thematische und erzählerische Vielfalt. Es sind aufregende Titel darunter:  Deniz Ohdes "Streulicht" , Valerie Fritschs "Herzklappen von Johnson und Johnson" oder Christine Wunnickes "Die Dame mit der bemalten Hand", aber auch Romane von bewährten Erzählern wie Thomas Hettche, Bov Bjerg und Frank Witzel.
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BÜCHERBRIEF

Furchtlose Nestflüchterin

06.09.2020. Deniz Ohde erzählt fragil-schön und mit leiser Wucht von einem schmerzhaften Aufstieg aus dem Industrieproletariat, Mieko Kawakami vermisst mit subtilem Humor Brüste und Rolle der postmodernen Japanerin, Jeremy Tiang blickt klar und nüchtern auf die gewaltvolle Geschichte Singapurs und Malaysias zurück und Eliot Weinberger zerpflückt mit Biss das pralle Desaster von Trumps Amtszeit. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats September.
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ESSAY

Wie sonst das Zeugen Mode war

20.08.2020. Die heutige Linke gibt sich ökologisch sensibel, aber Geschlecht ist  für sie ein reines Konstrukt. Nun ist der Begriff der "Konstruktion" von jeher ein genuin technischer Begriff, der im Spannungsverhältnis zum Konzept "Natur" steht. Wir konstruieren, was wir in der Natur nicht vorfinden, etwa Geräte, Gebäude und Maschinen. Dazu brauchen Menschen natürliche Ressourcen, die sie "Rohstoffe" nennen. Konstruktionen brauchen und verbrauchen Natur. Über eine Theorie-Paradoxie und ihre Tabus. Von Jochen Hörisch. Mehr...

ESSENZEN

Du riechst nach Macchia

21.08.2020. Auf Korsika scheint die Immortelle derart präsent zu sein, dass sie für die Insel zu einer Art Duftstempel wurde, vergleichbar dem Lavendel für den Süden Frankreichs. Der aus Korsika stammende und in Marokko aufgewachsene Parfumeur Marc-Antoine Corticchiato kombiniert in "Immortelle Corse" die krautige Würze dieser Blume mit der Aprikose und ein paar anderen Noten und schafft damit etwas ganz eigenes, das doch auch an das berühmte Parfum "Mitsouko" von Guerlain erinnert. Von Claus Brunner. Mehr...

ESSAY

Aufgeplusterte Empörung

18.08.2020. Der "menschenverachtende" Skandal, der den "Offenen Brief" von sechzig Intellektuellen an die Bundeskanzlerin auslöste, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Der Autor Arye Sharuz Shalicar hat den Autor Reiner Bernstein angegriffen. Bernstein hat sich dagegen vor Gericht gewehrt und verloren. Die Gruppe um Wolfgang Benz und andere macht daraus eine Aktion der israelischen Regierung, der sich deutsche Gerichte angeblich unterwerfen und deren schärfste Waffe der Antisemitimusvorwurf sei. Rekonstruktion einer Jagd nach Hirngespinsten. Von Matthias Küntzel. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Uta Ruge: Bauern, Land - eine Leseprobe

13.08.2020. Uta Ruge verwebt in "Bauern, Land - Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang" die Erinnerung an das Leben auf dem Lande in den fünfziger Jahren mit der genauen Beobachtung der Veränderungen in der Landwirtschaft heute, mit der Chronik des Dorfes, den welthistorischen Zusammenhängen und der Kulturgeschichte, die das Leben der Bauern geprägt haben und prägen. Sie greift auch kontroverse Themen auf: den Streit um die Wölfe, den Streit um die moderne Landwirtschaft. Von Uta Ruge. Mehr...