BÜCHERSCHAU DES TAGES

Frohes Neues Scheusal, liebe Genossen

29.07.2021. Jean Genet ließ in Essays und Interviews seinem Hass auf die westliche Welt freien Lauf: Die FAZ muss bei der Lektüre ganz schön schlucken. Lew Rubinstein ging die Sache in seinem Kalender anders an: Er kommentierte die Ereignisse seiner Zeit mit Witz und in Form einer Collage. Außerdem wirft die FAZ mit Nadine Schneiders Roman "Wohin ich immer gehe" einen gründlichen Blick auf Rumänien. Die FR lässt sich von Alida Bremers Roman "Träume und Kulissen" eine Brücke nach Kroatien bauen. Mehr...

EICHENDORFF21

Fünf nach Zwölf

30.07.2021. Die Folgen der Klimakatastrophe sind offenkundig, aber Politik und Gesellschaft ignorieren die Warnungen, klagte kürzlich der Wissenschaftsjournalist Toralf Staud im SZ-Interview. Einen Wegweiser durch Alarmismus auf der einen und Ignoranz auf der anderen Seite bietet unsere Leseliste mit Büchern zum Klimawandel: Bernhard Kegel blickt differenziert und sachlich in die Zukunft des Klimawandels und der Klimaforscher Mojib Latif überlegt in seiner Streitschrift "Heißzeit", wie wir die Klimakatastrophe noch verhindern können.
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MEDIENTICKER

Virtuose Niedertracht

29.07.2021. Kunst & Handwerk: Vom Büchermachen in Deutschland - Die Göttliche Komödie: Dantes meisterhafte Prosa & Bilderwucht - Witzig! Was kann und darf Humor heute? - Jerusalem am Rhein, Unesco-Weltkulturerbe: Ein klares Zeichen gegen Antisemitismus - DDR: Die Welt der Brigaden - Nachruf auf ZZ Top-Bassist Dusty Hill ist tot. Mehr...

IM KINO

Spiel mit der Kausalität

29.07.2021. Dominik Molls "Die Verschwundene" untersucht die Todestriebe des globalen Spätkapitalismus von einem Kaff im französischen Zentralmassiv bis ins ivorische Abijan. Queer und im besten Sinne voller kultureller Aneignungen ist Tetsuro Takeuchis "Wild Zero" von 1999, eine irre Mischung aus Rock'n'Roll, Splatter, Liebe und dem Spiel mit sexuellen Identitäten. Von Nicolai Bühnemann, Janis El-Bira. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Hier brauche er Schwarz oder da Gelb

29.07.2021. Niemand findet das persönliche Drama im Popsong so gut wie Xavier Dolan, der mit seinem Film "Matthias & Maxime" zu alter Form aufläuft, freut sich der Tagesspiegel. Die Zeit schaudert vor dem autoritären kulturhygienischen Programm der Filme von Amazon Prime. Wann war Kunst je so kompatibel mit dem medialen Diskurs, stöhnt die Welt in der Badener Ausstellung "State and Nature". NZZ und SZ besuchen Hermann Nitsch, der in Bayreuth carte blanche für eine Performance der "Walküre" bekommmen hat. Van warnt vor dem seelenzerstörenden Klassikgeschäft.
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9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Es war keine Frage von rechts oder links

29.07.2021. Warum interessiert sich der westliche Feminismus eigentlich so wenig für die so weiblich geprägte belarussische Opposition, fragt Alice Bota in der Zeit. Ebenfalls in der Zeit antwortet Götz Aly der Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin, die von einem legitimem Erwerb des Luf-Bootes sprach. Egal welche Debatte: In Deutschland kann man sich eigentlich immer darauf verlassen, dass es um "Schuld" geht, diagnostiziert Reinhard Mohr in der Welt. Margaret Sullivan fordert in der Washington Post ein neues Selbstverständnis von Big Journalism: Weg von der "falschen Äquivalenz". Und in Polen wird Journalismus abgeschafft, konstatiert Gabriele Lesser in der taz. Mehr...

FOTOLOT

So ticken nun mal sehr viele

27.07.2021. Sommerliche Reise von Arles nach Marseille, wo Sarah Piegay Espenon und Lewis Chaplin in Marseille den Verlag Loose Joints gründeten. In der Buchhandlung "Ensemble" kann man ihre Bücher besichtigen - zum Beispiel von Mark McKnight oder Gabby Laurent. Besonders aber von Jack Davison, dem vielleicht besten aktuellen Magazin-Fotografen. Von Peter Truschner. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Ein Sprengkopf, eine Stirn

27.07.2021. Das New York Magazine porträtiert den Whistleblower Daniel Hale, der das Drohnen-Tötungs-Programm Barack Obamas publik machte. Magyar Naranc kommentiert den Einsatz der Pegasus-Spionagesoftware gegen ungarische Journalisten und Oppositionelle. Der Guardian macht uns bekannt mit der Neuen IRA. Himal blickt mit einer Bande Affen auf die Ungleichheit in Delhi. In Eurozine erinnert Slavenka Drakulic an die Schriftstellerin Irena Vrkljan und ihre écriture féminine. Ceska pozice erklärt, wann die weibliche Namensendung -ová feministisch ist und wann nicht. Die New York Times ermuntert zu Gen-Food, das uns bald vor Krebs schützen soll. Mehr...

VORWORTE

Für euresgleichen reicht ein Hühnerstall

23.07.2021. Chinesen als Feindbild - das ist Amerika kein neues Phänomen. Allerdings wurde die im 19. Jahrhundert einsetzende Geschichte der Immigranten aus Fernost über lange Zeit weitgehend ausgeblendet. Die Schriftstellerin C Pam Zhang wagt es nun, sie auf so eigenwillige wie literarisch überzeugende Weise ins mythische Herzland der USA vorzutragen. Wir geben Einblick in ihren Debütroman "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" und bringen eine Leseprobe aus dem Buch, das am 28. Juli erscheint. Von Angela Schader. Mehr...

INTERVENTION

Blumen an Stalins Grab

22.07.2021. "Patria y vida" (Vaterland und Leben) ruft die neue Protestbewegung in Kuba und trifft das "Patria o Muerte" der versteinerten kubanischen Revolution ins Herz. Die allseits beliebte Kuba-Folklore kaschiert nun schon seit Jahrzehnten den menschenverachtenden Charakter dieses Regimes. Eine große Chance hat die Protestbewegung wohl leider nicht. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSAY

Queer - oder die Einebnung von Unterschiedlichem

14.07.2021. Die Entschwulung der Sprache zugunsten des Wörtchens "queer" bedeutet, alles in allem, nicht nur die Entkörperlichung der Bilder, die mit "schwul" aufgerufen werden; in "queer" ist alles getilgt, was an Begehren eben im Sexuellen unhintergehbar, mit Freud gesprochen, triebschicksalhaft ist. Die Vokabel "queer" macht aus dem Schicksal eine Lifestyle-Option - und zugleich eine neue Normierung: In "schwul" war lediglich ein antinormativer und antihomophober Impetus geborgen, nicht jedoch ein moralischer Anspruch, dass ein homosexueller Mann in allen Aspekten anders zu sein habe. Von Jan Feddersen. Mehr...

ESSAY

Historikerstreit 2.0 - eine Chronologie

20.06.2021. Von der Mbembe-Debatte über das Papier der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" bis zur "Jerusalem Declaration" und A. Dirk Moses' Spott über den "Katechismus der Deutschen": Die Saison 20/21 wird nicht nur als die der Coronakrise in die Geschichte eingehen, sondern auch als Moment eines (zumindest eifrig betriebenen) Paradigmenwechsels in der Debatte über den Holocaust. Im ersten Historikerstreit hatte Ernst Nolte den Holocaust als "asiatische Tat" relativiert. Die Protagonisten des zweiten Historikerstreits stellen die Bedeutung des Holocaust von links, aus der Warte des Postkolonialismus, in Frage. Ein Überblick über die wichtigsten Texte der Debatte. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Der Kampf des Narrativs gegen die Geschichte

07.06.2021. Jedes Ereignis ist singulär, nur beim Holocaust wird die Singularität in Frage gestellt. Bei jedem Ereignis dienen Vergleiche dazu, die Singularität herauszuarbeiten, aber auch Verbindungen zu anderen Ereignissen offenzulegen. Am Ende bleiben einige Besonderheiten, sonst wäre das Ereignis keins. Warum ich nicht an A. Dirk Moses' alternativen Katechismus glaube. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Sogar des Kommunismus fähig

15.04.2021. In einem Punkt herrscht zwischen den meisten rechts- und linksradikalen Parteien in Europa nahtlose Übereinstimmung: in ihrer unterwürfigen Nähe zu Putins Russland. Diese Affinität hat eine lange Tradition in Deutschland. Erinnerung an den Politiker und Publizisten Ernst Niekisch. Von Richard Herzinger. Mehr...

EICHENDORFF21

Wahlen 2021

08.07.2020. Bücher von PolitikerInnen. Bücher über sie. Zwei Angela-Merkel-Bilanzen. Und einige wichtige Themen: Bildungspolitik, die Bundeswehr, Klimapolitik, Wirtschaft. Wer sind die Grünen? Zerfallen die Volksparteien? Hilft Identitätspolitik? Was blüht der Bundesrepublik nach den Wahlen im September? Eine Auswahl aktueller Bücher zum Wahljahr 2021 finden Sie bei Eichendorff21.de
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