Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Am Beispiel des Hummers: Mark Jenkins "Bait" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Von der ersten Sekunde an weiß man, woran man bei Mark Jenkin ist: Sein Schwarzweiß-Film, in 16-Millimeter gedreht und von Hand entwickelt, lässt an Cornwalls Küste nicht sanft den britischen Spirit von 1945 durchs Bild wehen, der Film ist sozialrealistisches Kino reinsten Wassers: Keine Inszenierung, keine langen Einstellungen, keine Kamerabewegung. Stattdessen Nahaufnahmen und suggestive Montagen. So viel Offenheit ist selten. Von Thekla Dannenberg

Monströs: Fatih Akins "Der Goldene Handschuh" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019 Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke, bekommt ihn nicht weg gewuchtet, dann schleppt er den Sack wieder die Treppe bis zu seiner Mansarde hoch und beginnt die Leiche zu zersägen. Was in den Koffer passt, wird auf den Sperrmüll geworfen, der Rest landet, klatsch, im Wandschrank. Dazu läuft Adamos Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen". Um den Lärm zu übertönen, aber auch weil es einen krassen Effekt setzt. Von Thekla Dannenberg

Allein mit Vater: "Pferde stehlen" von Hans Petter Moland (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Würden heute noch Western gedreht werden - der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wäre ihr Held. Er ist vielleicht der letzte männliche Schauspieler, den man noch an seiner Haltung und seinem Gang erkennt. Auch kann er sich jederzeit ganz in sich zurückziehen, so dass nur noch eine Außenhülle zurückzubleiben scheint. Das alles kommt ihm auch in dieser Rolle eines alten Mannes zurück, der fühlt, dass sein Leben zu Ende geht und der sich in ein kleines Dorf an der norwegisch-schwedischen Grenze zurückzieht. Trond, so heißt der Mann, hat hier den letzten Sommer allein mit seinem Vater verbracht, der die Familie dann aus Liebe zur Nachbarsfrau verließ. Ein Verlust, den der Junge auch als alter Mann offenbar nie verwunden hat. Von Anja Seeliger

Schweigen bei den Krokodilen: Thomas Heises "Heimat ist ein Raum aus Zeit" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Thomas Heise war schon immer der verstörendste Dokumentarfilmer unter den Chronisten der untergegangenen DDR: In "Stau" erkundete er das Elend junger Neonazis in Halle, in "Imbiss Spezial" den Horror vacui der Wende, in "Material" spürte er dem verlorenen utopische Moment von 1989 nach. Für seinen neuen Film "Heimat ist ein Zeit aus Raum" kompiliert er über drei Generationen die Hinterlassenschaften seiner Familie - Fotos und Filmaufzeichnungen, Briefe und Tagebücher - zu einer Collage, die nicht unbedingt eine Familienbiografie ergibt, sondern eher eine Reflexion über Familie und Biografie. Von Thekla Dannenberg

Da lachen die Key Account Manager: Marie Kreutzers "Der Boden unter den Füßen" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Was für ergiebige Filmfiguren Unternehmensberaterinnen abgeben, hat Maren Ade mit ihrem "Toni Erdmann" bewiesen. Sandra Hüller haute einen mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem muskulösen Intellekt einfach um. Seitdem wagt niemand mehr, Witze über Frauenabende zu machen (Und worüber habt Ihr Schönes geredet?  Frauenquote, Paygap, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.) Von Thekla Dannenberg

Absolut modern: Die Viehhirten in "Öndög" von Wang Quan'an (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Dieser Film tut so, als könnte er kein Wässerchen trüben, als wäre er einer dieser chinesischen Breitwandfilme mit rotbackigen Mongolen, die ihr Vieh, ihre Familie und das traditionelle Bogenschießen hochhalten. Auch hier endlose Weiten, die endlose Minuten lang durchquert werden müssen. Lange schaut die Kamera immer wieder auf die goldgelbe Steppe unter einem riesigen blauen Himmel. Wir sehen beim Schlachten eines Schafs zu und bei der Geburt eines Kalbs - jedesmal in Echtzeit. Von Anja Seeliger
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