Außer Atem: Das Berlinale Blog

621 Artikel - Seite 35 von 52

Anarchy in the UK: Meryl Streep ist 'The Iron Lady' (Wettbewerb Sonderführung)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2012

Good girls go to heaven, bad girls kommen ins Irrenhaus. Zumindest heißt ein alter Konservativer Margaret Thatcher (Meryl Streep) entsprechend willkommen, als sie erstmals Abgeordnete das Parlament betritt: "Welcome to the madhouse!" Repräsentative Demokratie als Nervenanstalt: Es wird geschrien, gekreischt, gestampft, geklopft. Und spätestens mit Thatchers Regierungsantritt 1979 als Premierministerin scheint das Land ringsum ohnehin in Flammen aufzugehen, während Punks defätistisch ihre Liebe zur 'Eisernen Lady' bekunden.
Von Thomas Groh

Duvall auf Acid: Billy Bob Thorntons 'Jayne Mansfield's Car' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012 "Manchmal muss man einen Film eben etwas anders verpacken, um seine Botschaft an den Mann zu bringen", sagt Billy Bob Thornton in der Pressekonferenz zu seinem Wettbewerbsbeitrag "Jayne Mansfield's Car" und weiter: "Man könnte zwar einen Film gegen Krieg drehen und diesen dann "Anti-War" nennen, dann schauen ihn aber eben auch nur jene, die eh schon gegen Krieg sind." Von Thomas Groh

Ein eingelöstes Versprechen: Ly Bun Yims '12 Sisters' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012

Es war von Anfang an ein großes Versprechen: Drei Filme aus der klassischen Phase des kambodschanischen Kinos hat das Forum dieses Jahr in seinem Programm. Drei Filme aus einem Kino, das kaum überliefert ist, weil die Roten Khmer nach der Machtübernahme in den Siebzigern mit dem filmischen Erbe so gründlich aufgeräumt hatten, dass die Archivlage dort heute noch verheerender ist als in anderen südostasiatischen Ländern. Die Kopien (in einem Fall leider nur eine DVD-Kopie) gelangten unter abenteuerlichen Bedingungen nach Berlin, vorgeführt werden können sie nur ein einziges Mal, da eine Restaurierung und Sicherung der kostbaren Rollen noch aussteht.
Von Lukas Foerster

Fraktionen des Bösen im Nazihauptquartier: Volker Schlöndorffs 'La mer à l'aube' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012

"La mer a l'aube", eine Fernsehproduktion von Volker Schlöndorff, die, was Ausstattung und filmische Mittel angeht, auch so aussieht, erzählt von der Hinrichtung 150 französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Anordnung Hitlers als "Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag auf einen deutschen Offizier im Oktober 1941 von den deutschen Besatzern in Zusammenarbeit mit französischen Hilfstruppen geplant und durchgeführt wurde.
Von Lukas Foerster

Flirrendes Gespensterhaus: Guy Maddins 'Keyhole' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012 Jeder, der es ernst meint mit der Berlinale, wird diesen Zustand kennen: Nach einigen Tagen blenden die Filme ineinander über, eine leicht fiebrige Müdigkeit überfällt einen im Kino, das Gefühl für Zeit, die Fähigkeit, einem Plot zu folgen, wird fragil: Stattdessen Lichtreflexe, denen man mit den Augen folgt. Wenn man so will hat Guy Maddin mit "Keyhole" den Film zu diesem Zustand gedreht: Doppelbeleuchtungen, schummriges Licht, oft totes Schwarzweiß, ein Soundtrack, der so wabert wie es im Innern eines betrunkenen Seemanns nachts auf Deck klingt, eine assoziative Montage, die die Geschehnisse nicht so sehr in Zeit anordnet, sondern die Dinge aufeinander schichtet. Von Thomas Groh

Porträtiert die Skaterszene in Ostberlin: Marten Persiels 'This Ain't California' (Perspektive Deutsches Kino)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012 Es sieht so aus, als sei 2012 die Berlinale, die die DDR, zumindest filmisch gesehen, in ein neues Licht rückt. Zuerst präsentierte Christian Petzold seinen neuen Film "Barbara" im Wettbewerb - "Ich wollte, dass die DDR Farbe hat", so Petzold in der taz - und jetzt läuft in der Perspektive Deutsches Kino "This Ain't California" über die Skaterszene im Ostberlin der 80er Jahre. Von Elena Meilicke

Kein Entrinnen aus der Eskalationsmaschine: Radu Judes 'Everybody in Our Family' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012

Marius Vizereanu ist ein netter Kerl, Ende dreißig, etwas depressiv und heillos unerwachsen. Solche Männer haben jahrelang Berlin bevölkert, jetzt sind sie offenbar in Bukarest. In seiner Wohnung hängt noch ein Poster von Che Guevara, aber für sein Handy braucht er schon die Lesebrille. Seine Frau hat sich von ihm getrennt, die kleine Tochter darf er fünfzehn Tage im Jahr sehen. Jetzt will er mit ihr ein Wochenende zum Zelten nach Constanta ans Schwarze Meer. Mehr Urlaub bekommt er nicht, mehr Geld hat er nicht. Der Mann hat alle Sympathie, aber man weiß auch: Er hat keine Chance.
Von Thekla Dannenberg