Warum lassen wir es nicht einfach? Sex ist großartig. Jedenfalls theoretisch. Wenn aber von der Praxis die Rede ist, dann bleibt es meist dunkel. Misstände und Unglück, Missbrauch und Unzufriedenheit - aller Aufklärung zum Trotz scheint Sex im 21. Jahrhundert nur noch eines zu sein: ein Problem. Passt die menschliche Triebnatur einfach nicht mehr in unsere schöne neue Welt? Wäre da nicht eine Schwierigkeit... Bettina Stangneth stellt die ganz einfache Frage, was Sex überhaupt ist. Wenn doch bisher noch jede Verbotskultur gescheitert ist, braucht es offensichtlich eine klarere Vorstellung von dem, was wir voneinander wollen. Vor allem aber braucht es den Mut positiv über Sex zu sprechen. Es braucht ein Hohelied der leidenschaftlichen Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020
Rezensentin Andrea Diener ist angetan von Verständlichkeit, Humor und selbst einem gewissen "Sarkasmus", mit dem sich die Autorin ihrem Thema und seiner bisherigen Aufarbeitung widmet. Dabei kriegt vor allem die "Natürlichkeit" ihr Fett weg und auch "Scham und Schuld" haben ihren Auftritt. Der Autorin geht es um eine Betrachtung von Sexualität, die mehr ist als nur eine Turnübung, so die Kritikerin, sondern anerkennt, dass Berührung auch mit Gefühlen zu tun habe. Die Bedeutung von Sex brauche, so stimmt Andrea Diener der Autorin zu, ein "öffentliches Gespräch", um Sexkultur zu werden.
Rezensentin Maja Beckers bemüht sich, die möglichen Fallen, in der die Autorin sich hätte fangen können - Mystizismus und angestrengte Neutralität - selbst zu vermeiden. Sie folgt also Bettina Stangneth und ihrem besonderen, philosophischen Blick auf den Sex, findet aber, dass auch diese sich oft im "Zeitgeist" bewegt, den sie ansonsten als angeblich so frei und doch so ignorant kritisiert. Die These von gleichzeitiger Tabulosigkeit und Berührungsangst findet die Kritikerin nicht so überzeugend und manche Wertung - etwa gegen einen promiskuitiven Lebensstil - überzeugt sie nicht. Aber ihr gefällt, wie Sex hier mit philosophischer Würde ausgestattet als "Befreiung" von festgefahrenen Selbst- und Fremdwahrnehmungen existieren darf. Dies ist jedenfalls ein "kluges Buch", meint Beckers. Die Philosophin könnte uns davon überzeugen, dass es sinnvoll und schön ist, Sex als Kultur zu begreifen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…