Lars Brandt

H. C. Artmann

Ein Gespräch. Mit 1 CD.
Cover: H. C. Artmann
Residenz Verlag, Salzburg 2001
ISBN 9783701712656
Gebunden, 176 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Im Zentrum dieses Buches steht ein über neun Nachmittage laufendes Gespräch, das Lars Brandt vor der Kamera mit H. C. Artmann führte, als er im letzten August einen Film über ihn drehte. Der von schwerer Krankheit gezeichnete Dichter sammelte noch einmal seine Kräfte und begab sich mit Brandt auf eine Art geistigen Spaziergang. Eine Auswahl von Textpassagen aus Arbeiten Artmanns, die Lars Brandt zusammengestellt hat, wird ebenfalls dokumentiert. Sie in einem Buch zu veröffentlichen geht auf eine Anregung Artmanns zurück. Wie er sie am Ende seines Lebens vortrug, ist auf der CD zu hören, die dem Buch beiliegt. Ein Text von Lars Brandt über seine Begegnungen mit H. C. Artmann, eine Porträt-Fotoserie von Renate Brandt und Bilder aus dem Drehmaterial für den Film "momente des glücks" komplettieren das Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2002

Ruhiger ist es um H. C. Artmann nicht geworden, auch nicht ein Jahr nach seinem Tod, stellt Rezensent Klaus Siblewksi fest, doch es wäre an der Zeit, von den landläufigen "Legenden" Abstand zu gewinnen. In zwei von drei Büchern, die 2001 erschienen sind und sich mit Artmann beschäftigen, wächst sich diese unkritische Heiligenverehrung geradezu zum Problem aus, bemängelt der Rezensent. Dass alle drei Bücher sich - in überraschender Einhelligkeit - aus Gesprächen, Bildern und Werkauszügen zusammensetzten, sei in Artmanns Fall noch zu rechtfertigen, da dieser aufgrund seiner Krankheit nicht mehr in der Lage war, schriftliche Auskunft über sich zu geben. Dennoch sei es unverzichtbar, beharrt Siblewksi, Artmanns Äußerungen über sich und sein Werk mit "größerem Misstrauen" zu begegnen. Dies gelingt seiner Meinung nach allein Lars Brandt. In seiner Montage, die sich durch "literarisches Geschick" auszeichnet, vermag Brandt, unter der "auratisch polierten Oberfläche" den "unheroischen" Subtext hervorscheinen zu lassen, so Siblewski. Dadurch entpuppe sich das Bild des "Dichterfürsten Artmann" als "Klischee". Der Teufel, so der Rezensent, steckt auch hier im Detail: je "beiläufiger" die Äußerung, umso "spannender" die Erkenntnis. Hier, so Siblewski, erscheint Artmann als einer, der sich der Sprache mit "unspektakulärem, handwerklichem Ethos" genähert hat. So wie in Brandts Buch sollte auch zukünftig die Auseinandersetzung mit Artmann aussehen, lobt der Rezensent abschließend: fruchtbar "pietätlos".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2002

Der Filmemacher Lars Brandt hat mit dem Dichter H.C. Artmann Gespräche geführt und diese im vorliegenden Band im Wortlaut veröffentlicht. Das mäandert so dahin - aber ganz angenehm, findet die Rezensentin Christiane Zintzen -, nur grob thematisch geordnet. Dadurch, dass immer wieder auch die Fragen abgedruckt sind, ergibt sich für den Leser eine Art "Beziehung zwischen den Personen", die vor allem dann interessant ist, wenn Artmann ausweicht, sich nicht äußern will, zu "abstrakten ästhetischen Themen" etwa. Geschickt, so Zintzen, der Ausweg Brandts: er hat Artmann mit der Vorführung des Stummfilms "Nosferatu" aus der Reserve und zu Äußerungen über das Lieblingsthema "Vampire" gelockt. Auch von der Tugend des "Wartenkönnens", die Brandt an den Tag lege, ist die Rezensentin angetan, sie lobt den Gesprächsband als "leises, uneitles Buch". Zintzen, die mehrere Bände über Artmann bespricht, hebt als besten Band jedoch Wieland Schmieds Essaysammlung über Artmann hervor.
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