Aus dem Englischen von Tobias Gabel. Mit einem Nachwort von Aleida Assmann. Von Polen in den Iran ist es ein weiter Weg von mehr als 20 000 km. Kaum vorstellbar, dass fast 900 polnisch-jüdischen Kindern diese Route bewältigen mussten. Doch genau auf diesen verschlungenen Pfaden entkam der Vater der Autorin der Judenverfolgung durch die Nazis. Zeit seines Lebens sprach er nicht darüber, was er im 2. Weltkrieg durchlebte: Flucht, Todesangst und die Hoffnung auf einen Neuanfang in einem unbekannten Land. Seine Tochter zeichnet in berührender Weise den Weg des kleinen polnischen Flüchtlingsjungen nach - stellvertretend für die über eine Million Juden aus Polen, die über die Sowjetunion vor den Naziverbrechen flohen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2021
Rezensentin Franziska Davies wünscht dem Buch von Mikhal Dekel über ihren Vater und seine Flucht über Russland und Usbekistan nach Iran und Palästina viele Leser. Das Buch ist für Davies ein literarisches Denkmal für den Vater der Autorin, zugleich Erinnerung an das Schicksal der zwangsumgesiedelten Polen und Juden und universelle Fluchtgeschichte. Das Persönliche geht im Buch immer wieder in größeren Zusammenhängen auf, so Davies. Beeindruckend findet die Rezensentin die Rechercheleistung der Autorin und wie Dekel das Vergangene an die Gegenwart anzuschließen weiß, indem sie ihre Spurensuche und die weiterhin bestehende Trennung zwischen der polnischen und der jüdischen Leidensgeschichte thematisiert.
Rezensent Klaus Hillenbrand will sich nicht festlegen über das Genre, das Mikhal Dekel mit ihrem Buch bedient. Kein Roman ist es, weiß er, vielleicht eine Reisebeschreibung von Haifa, New York, Polen, Russland, Usbekistan? Ganz sicher ist das Buch fesselnd, meint Hillenbrand. Wie die Autorin die Geschichte ihres Vaters im Jahr 1939 erzählt, öffnet laut Hillenbrand zugleich den geschichtlichen Horizont auf Hunderttausende Juden auf der Flucht vor den Nazis in die Sowjetunion. Dazu passen die Quellenangaben und Fußnoten, meint er. Was Dekel über die Flüchtlinge und ihr Schicksal herausfindet und in "ganz eigener" Prosa aufschreibt, scheint dem Rezensenten lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.05.2021
Rezensent Carsten Hueck ist von Mikhal Dekels "Die Kinder von Teheran" richtiggehend begeistert. Dekel erzählt die Geschichte ihres 1940 aus Polen nach Palästina geflohenen Vaters, informiert der Rezensent, und in einem zweiten Strang vom Entstehungsprozess des Buches des. Mithilfe von intensiver Recherche und "subjektiven Erlebnissen" beleuchtet das Werk ihm zufolge einen bisher wenig veranschaulichten Aspekt der Holocaustforschung, nämlich die Flucht. Der Rezensent erwähnt die Reise der Autorin an jene Orte, die ihr Vater auf seiner Flucht erleben und erleiden musste und erkennt an, dass sie in ihrem Buch dennoch anderen Zeitzeugen und Geschichten Raum gibt, die ihr auf der Reise begegneten. Das Buch sei "hervorragend und ungemein beeindruckend geschrieben" und ist somit mindestens "Sonderklasse", schließt der Rezensent.
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