Die aktuellen Konflikte, bei denen Befürworter von Aufrüstung und Pazifisten aufeinanderstoßen oder Ostdeutsche und Westdeutsche - sie werden oft von tief verwurzelten Einstellungen und Überzeugungen, kurz: Mentalitäten, angetrieben. In diesem sehr persönlichen Essay spürt Peter Neumann ihnen nach. Geboren in der ostdeutschen Provinz, hat er die DDR nicht mehr bewusst erlebt, und doch merkt er, da ist etwas, das nicht vergeht. Wie wirksam sind Prägungen wie diese? Welche Rolle spielen sie in den Kulturkämpfen, etwa um den neuen Bellizismus oder im Konflikt zwischen Stadt und Land? Oft, so zeigt Peter Neumann, geht es dabei nicht um Argumente, sondern um Erfahrungen. Wer so streitet, verteidigt nicht bloß eine Haltung - er verteidigt sich selbst. Wenn wir die Macht von Mentalitäten begreifen, können wir besser verstehen, was uns trennt und was uns eint.
Ein kluges Buch über die Haltung zu Streitfragen unserer Zeit hat Peter Neumann für Rezensent Ralph Gerstenberg geschrieben. Der Philosoph Neumann ist, lesen wir, der Ansicht, dass sich gesellschaftliche Konflikte letztlich weniger auf Kategorien wie Identität oder Ähnliches zurückführen lassen - sondern vielmehr auf die Mentalitäten des Titels. Gemeint sind damit oft schwer zu fassende Konglomerate aus unbewussten, übernommenen Denkmustern, ritualisierten Handlungen und Vergleichbarem. Neumann wählt als Beispiel immer wieder sich selbst und zeigt auf, wie sein Aufwachsen im Ostdeutschland der Nachwendezeit sein eigenes Denken prägt. Philosophisch schließt Neumann dem Rezensenten zufolge insbesondere bei Johann Gottfried Herder an, der sich dafür interessierte, wie die Ideale der Aufklärung von einer begrifflich-abstrakten Ebene in den Alltag der Menschen übersetzt werden können, weshalb bei ihm keine formalen Leitsätze, sondern Stimmungen im Zentrum stehen. Wichtig ist Neumann in Gerstenbergs Beschreibung außerdem, dass Mentalitäten nicht statisch, sondern dynamisch sind, dass sie, anders als Identitäten, Menschen also nicht nur trennen, sondern auch verbinden können. All das wird, freut sich der sehr angetane Rezensent, vom Autor schlüssig und anschaulich dargestellt.
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