Wolfram Eilenberger

Geister der Gegenwart

Die letzten Jahre der Philosophie und der Beginn einer neuen Aufklärung 1948 - 1984
Cover: Geister der Gegenwart
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783608986655
Gebunden, 496 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Vom Wagnis, selbst zu denken Welche Philosophie kann uns heute noch leiten? Auf den Spuren von Theodor W. Adorno, Susan Sontag, Michel Foucault und Paul K. Feyerabend entwirft "Geister der Gegenwart" ein großes Ideenpanorama der westlichen Nachkriegszeit. Wolfram Eilenberger erzählt vom Aufbruch in eine neue Aufklärung, die einen Ausgang aus der Verlorenheit unserer Zeit verspricht. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2024

Rezensent Guido Kalberer liest dieses Buch mit Gewinn. Es widmet sich vier Denkern des 20. Jahrhunderts, die sich, wie Kalberer mit Eilenberger zusammenfasst, der Differenz verschrieben haben. Par excellence ein Differenzdenker ist insbesondere Theodor Adorno, legt Kalberer entlang der Lektüre dar, sein Werk erhebt Einspruch gegen eine instrumentelle Vernunft, die alles auf einen einzigen Begriff bringen will. Die anderen drei behandelten Denker - Susan Sontag, Paul Feyerabend und Michel Foucault - sind sich zwar untereinander und mit Adorno in vielem uneins, aber auch sie betonen stets den Wert der Differenz, sowie, insbesondere gilt das für Feyerabend und Foucault, des Pluralismus. Ein kluges Buch über eine wichtige intellektuelle Traditionslinie, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2024

Mit dem jüngsten Teil seiner ideenhistorischen Trilogie ist Wolfram Eilenberger ein durchaus erhellendes Buch gelungen, findet Rezensent Jörg Später. Die Parallelschau von Theodor W. Adorno, Michel Foucault, Paul Feyerabend und Susan Sontag ist laut Später begründet in der These, dass alle vier DenkerInnen einem erstarrten Wissenschaftsbetrieb einen erneuerten Imperativ der Aufklärung entgegenhielten: im Falle Adornos als Frage nach einer möglichen Moral nach Auschwitz, bei Foucault als Hinterfragung des historisch Denkmöglichen sowie in Gestalt von Feyerabends Kritik des Logischen Empirismus und Sontags provokativer Antihermeneutik. Mit dieser Konstruktion gelingen Eilenberger, so der Rezensent, spannende Erkenntniseffekte. Allein die zeitliche Eingrenzung (1948 bis 1984) und der nicht weiter erläuterte Gegenwartsbezug im Titel leuchten Später nicht ein und der strukturierende Streit von akademischer und öffentlicher Philosophie erscheint ihm etwas anachronistisch. Dennoch erreicht Eilenberger, wie Später festhält, mit seiner gewitzten Darstellung ein großes Publikum. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2024

Rezensent Peter Laudenbach ist begeistert von Wolfram Eilenbergers neuem Buch über die vier DenkerInnen Theodor W. Adorno, Michel Foucault, Paul Feyerabend und Susan Sontag. Im dritten seiner biographisch unterfütterten ideengeschichtlichen Rekonstruktionen folgt er, wie Laudenbach resümiert, diesen Größen von 1948 bis 1984: einer Zeit, in der Adorno von Kalifornien wieder nach Deutschland aufbricht, Foucault an seinen Archäologien der Gegenwartskultur tüftelt, Feyerabend den "Methodenzwang" der Wissenschaften kritisiert und Sontag ihre klugen, essayistischen Analysen der Popkultur verfasst. Der Rezensent lobt besonders Eilenbergers spannende Erzählweise und die oft verblüffenden Querverbindungen, die er herstellt. Als kleinen Makel des Buchs nennt er den Kitsch, dem der Autor bei seiner auf Lektüreeffekte bedachten und das biographische Material dahingehend ausstellenden Dramaturgie nicht ganz entkommt. Für Laudenbach ein verzeihbarer Nachteil, zumal Eilenberger Ideengeschichte treffend die Tiefendimensionen heutiger Problemlagen freilege.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.09.2024

Rezensent Rüdiger Safranski findet es äußerst erhellend, dass Wolfram Eilenberger im neuen, dritten Band seines philosophiehistorischen Projekts Theodor W. Adorno, Susan Sontag, Michel Foucault und Paul Feyerabend unter einen Hut bringt. Vier geschickt miteinander verknüpfte Porträts sind das, gemeinsam ist den Ausgewählten, dass der Ausgangspunkt ihres Denkens ein Bruch mit dem Konsens ist. Im Anschluss geht Safranski entlang des Buches die vier Geister der Gegenwart durch, und arbeitet sich dabei jeweils sowohl durch die Biografie als auch durch das intellektuelle Werk. Bei Adorno steht der Blick auf eine dem Schrecken zum Trotz mit sich versöhnte Nachkriegsgesellschaft der BRD im Zentrum, resümiert Safranski, bei Sontag um die Faszination für Avantgarde und Massenkultur, bei Foucault um den Abschied vom Ich, Machtkritik und die finale Hinwendung zur Antike, bei Feyerabend um Rationalitätskritik und freigeistigen Widerstand gegen Expertokratien. Insgesamt ein tolles Buch über tolle Denker, heißt es abschließend.

Buch in der Debatte

9punkt 14.09.2024
Im großen FR-Interview, dass Michael Hesse mit Wolfram Eilenberger anlässlich des Erscheinens von Eilenbergers "Geister der Gegenwart" über die Rebellion im Denken von Foucault, Sontag, Adorno und Feyerabend geführt hat, bezeichnet der Philosoph Habermas als "kühl kalkulierenden Machtkarrieristen", der die Frankfurter Schule zerstört habe. Auch über diese Einschätzung Eilenbergers dürfte sich nicht nur Habermas freuen. Unser Resümee

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