Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

1671 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 168

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.02.2025 - Architektur

Ugo Rondinone, our magic hour, 2003. PoMo Collection. © Ugo Rondinone. Photo: Terje Trobe

Ganz neidisch blickt FAZ-Kritiker Stefan Trinks ins norwegische Trondheim, wo mit dem PoMo, abgekürzt für "Posten Moderne" auf 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein neues Museum für moderne und zeitgenössische Kunst eröffnet hat - und was für eins! Verantwortlich zeichnet die Architektin und Designerin India Mahdavi, bekannt für ihre "integrale Verschränkung von Farbe, Raum und Kunst": "Von Stockwerk zu Stockwerk" habe Mahdavi "ein Konzept 'progressiver' Farbe entwickelt, je nachdem, welche Kunst dort jeweils ausgestellt ist. Das räumlich großzügige Foyer (…) bleibt strikt weiß, weil schon die hier präsentierten Großskulpturen des österreichischen Anarchen Franz West wie auch die grellgelbe Madonna Katharina Fritschs oder die mintgrünen Ballons Philippe Parrenos unter dem Oberlicht starke Farben einbringen. Eine Wendeltreppe in leuchtendem Orange, das überraschenderweise an warmes Postgelb erinnert und deren Stufen den hellen und im norwegischen Jugendstil häufig zu findenden Terrazzoboden des Foyers fortsetzen, verbindet fließend das Straßenniveau der Eingangshalle mit dem Oben der Ausstellungssäle." (Mehr dazu bei Wallpaper.)

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Steven Holl - Drawing as Thought" im Berliner Museum für Architekturzeichnung (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.02.2025 - Architektur

Nikolaus Bernau spaziert für den Tagesspiegel über die Baustelle des Berliner Pergamonmuseums und stellt Spekulationen darüber an, wie dieses nach dem umfangreichen Umbau wohl aussehen wird. Zufrieden ist er - im Großen und Ganzen - mit der Neugestaltung des Altarsaals: "Die Sonne strahlte satt auf die gigantische Glasdecke - bis zum Bau des Saals für den Dendur-Tempel im New Yorker Metropolitan Museum in den frühen 1980er-Jahren war diese Halle der bei weitem größte Museumssaal der Welt. Die nachgebaute Hauptfassade des Altars schimmerte geradezu, vor der wieder blasshellblau gestrichenen Wand schienen die Figuren auf dem Gesims zu schweben, die muskelschwellenden Figuren der Reliefs schienen sich zu bewegen." Andere Entscheidungen der Verantwortlichen gefallen ihm weniger. Fazit: abwarten!
Stichwörter: Pergamonmuseum

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.02.2025 - Architektur

Friedrich Kiesler, Raumstadt, Exposition internationales des Arts Décoratifs et Industriels Modernes, 1925, Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung, Wien. Foto: unbekannt.

Der Architekt Friedrich Kiesler und der Künstler Walter Pichler waren beides Visionäre der Raumgestaltung, erklärt Regine Müller in der taz. Während Kiesler in den 1920er Jahren mit seiner 'Raumstadt' für Aufregung sorgte ('ein riesiges rechtwinkliges Gebilde, das nach allen Seiten hin offen ist'), erntete Pichler Jahrzehnte später mit seinem Konzept der 'Kompakten Stadt' nur Hohn und Spott. Zum Glück zeigt eine Ausstellung im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld die beiden Pioniere nun im Dialog miteinander, freut sich Müller, bereichert durch Installationen des Architekturkollektivs raumlaborberlin: "Da gibt es beispielsweise Walter Pichlers 'Glücksanzug', eine utopische Maschine, die den menschlichen Körper umgibt, etliche futuristische Sitzmöbel im Geiste der Popart, biomorphe Möbel der 1930er Jahre, mit denen Kiesler die Nierentisch-Ära schon vorausahnte. In vielfacher Ausführung und sogar in einem alten Film ist Kieslers 'Endless House' zu sehen, das er seit 1950 in diversen Zeichnungen und Plastiken darstellte, jedoch wiederum nie im Maßstab 1:1 bauen konnte. Die eiförmige Architektur experimentiert mit Licht, Raumfluss und organischen Texturen. Berührungspunkte zwischen Kiesler und dem 46 Jahre jüngeren Walter Pichler gab es nicht nur in ihrer Durchlässigkeit zwischen Stadt, Wohnen und Skulptur, sondern auch in ihrem gemeinsamen Interesse für Sensorik, Performance, für spirituelle Themen, organische Materialien, Morphologien und ihrem gewitzten Sinn für Funktionalität."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.02.2025 - Architektur

2003 begannen die Architekten Mirma AlWareh und Ahmad Salah aus Damaskus, die Architektur der Moderne in Syrien zu erforschen und ihre Ergebnisse in einem Online-Archiv zu dokumentieren, wie sie im wochentaz-Gespräch erzählen. Vor dem Fall des Assad-Regimes waren sie in ihrer Arbeit sehr eingeschränkt - nun hoffen sie auf bessere Umstände. Dennoch gelang es ihnen, wichtige Architekten der Moderne in ihre Archiv aufzunehmen, wie zum Beispiel Bourhan Tayara, der 1970 ein Zentrum für Meeresforschung in Latakia gebaut hat: "Die ungewöhnliche Gebäudeform ist auch funktional, die angewinkelten Außenwände vermitteln Stabilität am stürmischen Meer. Bourhan Tayara ist eine bedeutende Figur für die Moderne Syriens, wir konnten über ihn auch viel in Architekturmagazinen finden, die eine weitere Quelle für uns sind. Bis in den 1960er Jahren die erste Ingenieurschule in Syrien gegründet wurde, studierten die meisten Architekten an einer École des Beaux-Arts im Libanon oder in Frankreich. Tayara aber studierte in den USA, arbeitete eine Zeit lang in Texas. Das merkt man seiner Architektur an. Einer seiner wichtigsten Bauten war die Architekturhochschule in Damaskus. Er kehrte kurz in die USA zurück, war dann auch in Saudi-Arabien und den Emiraten tätig."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2025 - Architektur

Auch wenn Mossul angesichts der vielen getöteten und geflohenen Menschen nie wieder sein wird, was es einmal war, ist es eine gute Nachricht, die Unesco-Generalsekretärin Audrey Azoulay gestern verkünden konnte, freut sich Moritz Baumstieger in der SZ: Nach sechs Jahren sind einige der Wahrzeichen in der Altstadt wieder aufgebaut worden. "Der Wiederaufbau der Nuri-Moschee, bei dem 45 000 Originalziegel verwendet werden konnten, der Wiederaufbau der gleich daneben liegenden Kirchen al-Tahira und Unserer Lieben Frau, die Restaurierung alter Handelshäuser im Zentrum ist fast abgeschlossen. Insgesamt 115 Millionen Dollar hat die Unesco dafür einsammeln können, die größten Summen spendeten die Europäische Union und die Vereinigten Arabischen Emirate, 7700 Menschen konnte durch den Wiederaufbau in den vergangenen sechs Jahren Arbeit gegeben werden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.02.2025 - Architektur

Eine gelungene Restaurierung eines Hauses aus der Zeit der "Weißen Moderne" der 1920er Jahre ist in Berlin Zehlendorf geglückt, freut sich Falk Jaeger im Tagesspiegel. Das "Haus Niemeyer", benannt nach dessen Architekt Johannes Niemeyer, war einst im Besitz einer argentinischen Familie. "Mehr als damals in Deutschland üblich wollten die aus Südamerika kommenden Bewohner möglichst im Freien leben. Die Terrasse der oberen Etage ließ sich zum Teil mit Vorhängen gegen Sonne und Einblicke schützen und als Sommerschlafzimmer nutzen. Gefeiert wurde auf der oberen Terrasse vor dem Studio, wo es einen gedeckten Cateringplatz und eine betonierte Eiswanne zum Kühlen der Getränke gab. Dort kann man heute wieder feiern, denn die Eiswanne wurde ebenso restauriert wie die filigranen Geländer, die gemauerten Brüstungen und der zeichenhafte Schornstein, der in die skulpturale Baukomposition einbezogen ist."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2025 - Architektur

Im Jahr 2002 wurde der Grundstein gelegt, nun ist es zumindest in Teilen eröffnet: Das Grand Egyptian Museum in Kairo, eine Milliarde Dollar hat es gekostet, während das Land nahe am Bankrott steht, weiß Bernd Dörries, der sich das nach einem Entwurf des irischen Studios Heneghan Peng Architects gestaltete Haus für die Seite 3 der SZ angesehen hat: "Der Eingang ist ein aus dem Gebäude herausragendes Dreieck, eine kleine Pyramide, eine Reminiszenz an die großen da draußen in der Wüste, die sich auch in der Fassade wiederfindet. Etwa 30 000 Kunstwerke sollen hier zum ersten Mal gezeigt werden, sagt der stellvertretende Minister Abbas. 'Bisher hat man uns immer beschuldigt, nicht alle Artefakte zu zeigen, die wir haben', sagt Abbas. (…) Die Besucher, sagt er, werden alles sehen, was sein Land zu bieten habe. Sie werden aber auch die Leerstellen sehen, die vielen Schätze, die noch im Ausland sind, von denen die Museumsdirektoren in Deutschland und England so lang behauptet hätten, sie seien dort besser aufgehoben. Die Nofretete-Büste in Berlin, der Stein von Rosette im British Museum oder die Ramses-Statue in Turin, um nur ein paar zu nennen. Am wichtigsten ist den Ägyptern die Nofretete. 'Natürlich wollen wir sie zurück', sagt der Minister."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.01.2025 - Architektur

Welt-Redakteur Marcus Woeller trifft die drei Architekten Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit, die ihr heute in Berlin sitzendes Büro GRAFT 1998 in Los Angeles gegründet haben, um mit ihnen über die Feuer zu sprechen, die die Stadt heimgesucht haben. Für Putz ist die Stadt "architektonischer Sehnsuchtsort" und "Experimentierfeld der Moderne, auch weil kaum Geschichte vor Ort war." Sein Kollege Willemeit erklärt, wieso die Bauten so brandanfällig sind: "Betonbau war in L.A. immer doppelt so teuer wie woanders. Deswegen hat man immer versucht, möglichst wenig Beton zu verwenden. Holz wurde standardisiert und industriell in großem Maßstab verfügbar gemacht. Es brennt zwar leicht, aber Holzbau ist resilient gegen die andere drohende Katastrophe in Kalifornien: Erdbeben. Biegsames, leichtes Holz bietet eine viel höhere Widerstandsfähigkeit, wenn die Erde wackelt." Auch einen Lösungsvorschlag hat er parat: "Eine Baumethode, die erdbebenresistent und feuerresistenter ist, wäre zum Beispiel sehr leichter Stahlbau. Der steht auf jeden Fall viel länger. Eine höhere Widerstandskraft könnte man auch erreichen, indem man ein Haus mit mehreren Wandschichten aufbaut."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2025 - Architektur

Die Feuer in Los Angeles haben einiges an berühmter Architektur zerstört, aber anstatt alles sofort wieder aufzubauen, spricht sich der Architekt Friedrich von Borries im Spiegel-Interview mit Ulrike Knöfel und Marianne Wellershoff dafür aus, sich erst einmal zu fragen, ob das wirklich so nachhaltig ist. Wie er sich vorstellt, wo die nun Obdachlosen unterkommen sollen, wenn nicht wieder aufgebaut wird, verrät er nicht, aber für ihn befindet sich die Architektur an einem Wendepunkt: "Es gibt diese Epochenübergänge, man spürt, dass gewisse Dinge nicht mehr zeitgemäß sind, aber man hat bislang nicht den Weg aus der Problemlage gefunden, ist auf der Suche. Ende des 19. Jahrhunderts, als man in den USA die ersten Hochhäuser baute, hatten die noch ganz altmodische Fassaden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine architektonische Sprache, die den technischen Möglichkeiten des Hochhauses gerecht wurde - und heute wiederum wissen wir, dass derartige Hochhäuser nicht zukunftsfähig sind. Trotzdem bauen wir noch welche. Manche nutzen dazu Holz, damit es nachhaltig ist, dabei wissen wir längst, dass auch das keine Lösung ist. Denn so viele Bäume können gar nicht wachsen, um den ganzen Beton zu ersetzen, der auf der Welt verbaut wird."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2025 - Architektur

Einladungskarte, Haus-Rucker-Co, 1972
© Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona, SKD, Foto: Herbert Boswank

Ganz begeistert ist FAZ-Kritiker Bernhard Schulz von der Ausstellung "Welten bauen. Visionäre Architektur im 20. Jahrhundert" im Dresdner Archiv der Avantgarden, das wieder einmal zeigt, dass es "unabdingbar notwendig" ist, so Schulz: "Im Strom der Achtundsechziger finden sich in Wien die Kollektive von Coop Himmelb(l)au und Haus-Rucker-Co zusammen. Von Letzteren stammt die kugelrunde Wohn-Blase, die sich während der legendären Documenta 5 aus dem Kasseler Fridericianum herausstülpte, Zimmerpalmen inbegriffen. In England ist es die Gruppe Archigram um die gleichnamige, pop-bunte Zeitschrift, die sich an allgegenwärtigen Raumfahrt-Visionen orientierte und Städte ersann, die als 'Plug-in Cities' aus zusammensteckbaren Teilen bestehen oder als 'Walking Cities' über die Landschaft hinwegwandern sollten. In Japan verfolgten die Metabolisten einen vergleichbaren, aus den Naturwissenschaften abgeleiteten Ansatz des Stoffwechsels von Architektur und ihrer Umgebung."