Seit den Neunzigerjahren soll der
Berliner Molkenmarkt bebaut werden, ab Januar 2025 dürfen sich Architekturbüros europaweit endlich bewerben, um
acht neue Häuser auf Berlins ältesten Platz zu setzen, weiß Boris Pofalla in der
Welt und fragt: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um drei Blocks zu bauen? "Ein Grund sind die
archäologischen Ausgrabungen ... Aber Archäologie ist nicht der wichtigste Grund, warum hier ein Plan den anderen auslöscht. Es sind die enormen, teils
widersprüchlichen Anforderungen, die an das neue Quartier gestellt werden - und die viel davon erzählen, wie Deutschland im Jahr 2024 tickt. Der Molkenmarkt erinnert an das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und an den Flughafen BER. Im alten Herzen der Hauptstadt, zwischen Spreeufer, Rotem Rathaus, Nikolaiviertel und dem letzten Rest der Stadtmauer soll nämlich etwas entstehen, wovon man als Mensch des 21. Jahrhunderts nur träumen kann, 'ein lebenswertes und zukunftsfähiges Quartier mit nutzungsflexiblen Gebäuden,
klimaresilienten Freiräumen, innovativem Mobilitätskonzept, vielfältigen Kulturangeboten und einem hohen Anspruch an die architektonische und gestalterische Qualität'. 'Das Quartier', so heißt es in der vom Senat online publizierten 'Charta Molkenmarkt', 'wird sich zu den Baudenkmalen der Umgebung positionieren, deren Individualität unterstreichen, die Entwicklung von Geschichte ablesbar machen und
sensibel darauf reagieren.'"
Die alte
Hamburger Oper ist in die Jahre gekommen und wird nur notdürftig "spielfähig" gehalten, Bedarf nach einer neuen Oper sehen die Hamburger allerdings nicht - mit einer Ausnahme: Der Milliardär
Klaus-
Michael Kühne träumt davon, auf dem westlichen Zipfel des Baakenhöfts, dem letzten unbebauten Part der Hafencity, einen gigantischen Prestigebau zu schaffen, ob die Stadt will oder nicht, berichtet Florian Zinnecker in der
Zeit. Bis zu
350 Millionen Euro könnte der Spaß kosten, die Größenordnung hält Kühne für denkbar. Aber: "Er bliebe
Eigentümer der Oper und würde sie an die Stadt vermieten; überdies bekäme er im Gegenzug die alte Oper in der Innenstadt, dürfe das denkmalgeschützte Gebäude abreißen und auf dem Grundstück ein Investorenprojekt entwickeln. Letzteres im Übrigen zusammen mit dem österreichischen Immobilientycoon
René Benko, mit dem Kühne bereits ein benachbartes Innenstadt-Grundstück bestellte, auf dem bis dahin eine Einkaufspassage stand. Unter anderem mit Geld von Kühne begann Benko außerdem, einen von David Chipperfield entworfenen, 245 Meter hohen Wolkenkratzer in der HafenCity zu bauen, den sogenannten Elbtower. Heute ist Benko pleite, das Grundstück neben der Oper eine Brache, und auf der Elbtower-Baustelle tut sich seit mehr als einem Jahr nichts mehr. In der Insolvenz versenkte Kühne nach eigenen Angaben etwa eine
halbe Milliarde Euro."
Weitere Artikel: Seit 2009 wird in Berlin das "
House of One" geplant, in dem
Juden,
Muslime und
Christen in den Dialog treten sollen, Geld ist eingeworben, die Grundpfeiler stehen, aber bis heute fehlt eine Baustelle,
seufzt Claudius Prösser in der
taz: "Stiftungs-Sprecherin Kerstin Krupp verweist gegenüber der
taz auf die stark gestiegenen Gesamtkosten: Wurden 2014 zum Start des Crowdfundings knapp 44 Millionen Euro veranschlagt, rechnet man nun aufgrund explodierender Preise in der Baubranche mit fast 70 Millionen." In der
FAZ bewundert Ulf Meyer das von
Shigeru Ban aus Tokio entworfene Städtische Museum in Toyota.