Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

1671 Presseschau-Absätze - Seite 18 von 168

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2025 - Architektur

Begrüntes Dach. Bild: aera.berlin.

Das im Berliner Westen errichtete "Aera"-Haus lässt Niklas Maak in der FAZ vermuten, dass Bürogebäude doch noch nicht tot sind - auf Innovationsgeist kommt es an und darauf, die Öffentlichkeit mitzudenken: "Armand Grüntuch und Almut Ernst, die Architekten des Neubaus, argumentieren, dass das Arbeiten sich ändert und Bürobauten, wenn sie Erfolg haben sollen, den Mitarbeitern in Zukunft mehr und andere Räume als bisher bieten müssen. Aber welche? Ihr 'Aera' genanntes, vom Immobilienentwickler Bauwens beauftragtes Projekt an der Darwinstraße soll es zeigen. Auf 12.000 Quadratmetern sollen gut tausend Arbeitsplätze Raum finden, das Achsraster von 5,40 Metern erlaubt flexible Räume und bringt mit großen Fenstern viel Licht von allen Seiten in den Betonbau, ein sechs Meter hohes Foyer soll wie ein kollektives Wohnzimmer nutzbar sein. Die eigentliche Pointe dieses Gebäudes ist aber die kaskadenartig ansteigende, mit dem Büro Capatti Staubach entwickelte begrünte Landschaft oben auf dem Gebäude: Ein fast einen halben Kilometer langer 'Wanderweg' führt an den sechs Etagen empor bis auf das ebenfalls terrassiert ansteigende, mit bis zu zwölf Meter hohen Bäumen bepflanzte Dach. Dort wartet nicht nur auf die Angestellten, die hier arbeiten, ein 2.200 Quadratmeter großer Park. Das Dach ist öffentlich zugänglich."
Stichwörter: Neues Bauen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2025 - Architektur

Hudson's Bay Company store in Montréal. Foto: Montrealais,
Lizenz: CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikipedia.

Marc Zitzmann spaziert in FAZ-Auftrag durch die Ausstellung "La Saga des grands magasins" in der in der Cité de l'architecture et du patrimoine, Paris. Die "grands magasins", große, prunkvolle Kaufhäuser, schienen in der Nachkriegsära ihre Glanzzeit bereits hinter sich zu haben - aber erleben nun schon seit Jahrzehnten ein Comeback: "Seit 1980 steigt die Güte der Warenhäuser in einem Maß, dass viele von ihnen der ursprünglichen Zielgruppe - die untere Mittelklasse - den Rücken zuzuwenden scheinen. Wie einst in Gestalt von Breuer, Dudok, Horta, Mendelsohn, Mies van der Rohe und Sullivan werden wieder große Namen mit Neu- oder Umbauten betraut: Foster, Fuksas, Libeskind, Moneo, Nouvel, Piano, die Büros BIG, Future Systems, OMA, SANAA und andere. Zugleich besinnen sich historische 'grands magasins' auf ihr Bauerbe zurück, auf Treppen, Kuppeln, Marquisen, Fassaden- und Wanddekors, die - wie im Fall der Samaritaine - in jahrzehntelanger Detailarbeit restauriert beziehungsweise rekonstruiert werden."
Stichwörter: Kaufhaus, Piano

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2025 - Architektur

Wie feministische Architektur- und Stadtplanung aussehen kann, erfährt Beate Scheder (taz) in der Ausstellung "Dessauer Straße und andere Geschichten vom emanzipatorischen Wohnungsbau" im Berliner DAZ, die ihr Einblicke in den für die Internationale Bauausstellung 1984/87 geplanten und 1993 fertiggestellten Block 2 gibt, eines der Neubauprojekte der IBA: "Als Architektinnen beteiligt waren Zaha Hadid, Myra Warhaftig und Christine Jachmann sowie Landschaftsarchitektin Hannelore Kossel. Myra Wahrhaftig orientierte die Grundrisse flurloser Wohnungen rund um eine zentrale 'Wohn-Raum-Küche'. Christine Jachmann setzte auf helle, gleichwertige Räume mit einem atriumähnlichen 'Grünen Zimmer' für mehr Luft und Licht in der Mitte. Zaha Hadid konzipierte hinter keilförmiger Fassade barrierefreie Wohnungen, zugänglich mittels eines vom Hof aus sichtbaren Aufzugsturms. Hannelore Kossel entwarf kinderfreundliche Innenhöfe als Kommunikationsräume."

Weitere Artikel: Für die FAZ besucht Ulf Meyer das von dem Berliner Architekten Volker Staab entworfene Seminarzentrum für das Haus der Wannseekonferenz in Berlin.
Stichwörter: Wohnungsbau, Stadtplanung

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.01.2025 - Architektur

Die FR berichtet mit Bezug auf die dpa auch noch einmal über die Pläne, die der Speditions-Milliardär Klaus-Michael Kühne für einen von ihm finanzierten Neubau der Hamburger Oper hat (unsere Resümees).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.01.2025 - Architektur

"AUFbrüche" lautet das Motto, unter dem Chemnitz sich dieses Jahr als Kulturhauptstadt präsentiert. In der taz erinnert Michael Bartsch an die zwei historischen Zäsuren, die neben den rechtsextremistischen Ausschreitungen zum schlechten Image der einstigen führenden deutschen Industriestadt beitrugen: "Die Nazis hatten die Stadt des Automobil- und Maschinenbaus schon vor dem Überfall auf Polen 1939 zu einem Schwerpunkt der Rüstungsindustrie ausgebaut. Die britisch-amerikanischen Bombardements Anfang 1945, am schwersten in der Nacht des 5. März, folgten der britischen Strategie, damit die Moral der Bevölkerung brechen zu wollen. Etwa 4.000 Menschen kamen bei diesen Angriffen ums Leben. Zerstört wurden nicht nur zahlreiche Betriebe, sondern auch die Innenstadt zu 80 Prozent und ein Viertel des Wohnungsbestands. Diese Wunde ist bis heute sichtbar. Weder der versuchte Aufbau einer sozialistischen Großstadt noch Solitäre simulierter Wohlstandsarchitektur nach 1990 haben Chemnitz ein Zentrum und eine organische Struktur zurückbringen können."

Der Bel-Air-Turm in Lausanne. Foto: Aramini Michael - Travail personnel, CC BY-SA 4.0


In der NZZ erzählt Werner Huber die Geschichte der 1932 eröffneten und nun frisch sanierten Cité Bel-Air Métropole in Lausanne, gestaltet von dem Architekten Alphonse Laverrière, der aber vor allem den Wünschen des Zürcher Investors Eugen Scotoni folgen musste. "Die Konstruktion hat ihre Vorbilder in den USA: ein Stahlskelett, das mit Mauerwerk ausgefacht und mit Naturstein verkleidet ist. Die Entwicklung dieser Skelettkonstruktion gehörte - zusammen mit der Erfindung der Zentralheizung und des absturzsicheren Lifts - zu den drei Voraussetzungen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Chicago den Bau der ersten Wolkenkratzer ermöglichten. (...) So groß die Einflüsse aus den USA auch waren, die Topografie des Bauplatzes hätte lausannerischer kaum sein können. 14 Meter beträgt die Höhendifferenz zwischen der Rue de Genève im Flon-Quartier und der höher gelegenen Place Bel-Air. Das Flon-Quartier, wo heute das Leben pulsiert, war damals ein als minderwertig geltendes Lager- und Gewerbequartier. Dementsprechend gestaltete Laverrière den Sockelbau wie ein Gewerbehaus: schmucklos, mit eng aneinandergereihten Fenstern in einer grauen Putzfassade."

Weitere Artikel: Andreas Hergeth ist ebenfalls in der taz guter Dinge nach einem Baustellenbesuch beim Berliner Kino International, dessen aufwändige Restaurierung voraussichtlich 2026 abgeschlossen sein soll.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.12.2024 - Architektur

Nationaler Kulturpalast Sofia. Foto: Wikicont007 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0


Bernhard Schulz ist für die taz nach Bulgarien gereist, wo er erstaunliche Architektur findet, wie zum Beispiel das ufoartige Denkmal für die Bulgarische Kommunistische Partei auf dem Berg Busludscha, das langsam verfällt. Plattenbausiedlungen und viel Neoklassizismus prägen die Architektur Sofias. In den siebziger Jahren dann "hatte sich die bulgarische Architektur vom klassizistischen Kanon gänzlich befreit, ohne doch auf Monumentalität zu verzichten; breite Treppenaufgänge zu symmetrisch gestalteten Bauten blieben bevorzugt. Ein schönes Beispiel ist der 1981 eröffnete Nationale Kulturpalast in Sofias Süden. Vor dem annähernd viereckigen Bauwerk tut sich ein weiträumiges Untergeschoss auf, das die Besucher aus der angrenzenden Metrostation aufnimmt und eine reiche Gestaltung an Wasserspielen und Wandreliefs zeigt, Beispiel für die Synthese von Architektur und künstlerischer Gestaltung, die für die Spätzeit des Sozialismus kennzeichnend ist. Die Foyers mit ihren Kaskaden an Deckenlampen rufen den DDR-Palast der Republik in Erinnerung; gleiche Zeit, gleiche Haltung - und tadellos erhalten und genutzt. Es sind unscheinbare Bauten oder vielmehr deren Reste, die ungeschönt von der kommunistischen Herrschaft sprechen. Im ehemaligen Straflager Belene, gelegen auf einer schwer zugänglichen Donauinsel, stehen nur noch die steinernen Bauten der Verwaltung; die elf hölzernen Baracken für jeweils drei- bis vierhundert Häftlinge sind verschwunden. ... Den Prachtbau und das Lager muss zusammendenken, wer die sozialistischen Jahrzehnte Bulgariens in einem architektonischen Bild fassen will."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.12.2024 - Architektur

In der SZ verabschiedet Gerhard Matzig wehmütig das Esszimmer, das nicht nur aufgrund veränderter Essgewohnheiten, sondern auch auf aufgrund veränderter Geschlechternormen aus den Grundrissen verschwand: "Die Hausarbeit fiel den Frauen zu. Getrennte Esszimmer und Küchen verstärkten die Zuschreibung von männlichen und weiblichen Räumen. Das Esszimmer, in dem der Patriarch vor Kopf sitzt und auf sein Bürgermeisterstück wartet, das von der Frau in einer kleinen Fabrik namens Küche zubereitet wird, ist insofern auch ein Opfer angemessen moderner Gesellschaften. Anderseits spräche nichts dagegen, wenn die Männer, die sich dauernd Kochshows reinziehen, die Kaffeebohnen nur akzeptabel finden, wenn sie von der südostasiatischen Schleichkatze ausgeschieden wurden, und die wochenlang nach einem wirklich exzellenten Küchenmesser zum Preis einer Rolex fahnden, wenn solche Männer der vor Kopf sitzenden Chefin mal was schön Veganes auftischten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.12.2024 - Architektur

Innenansicht Čoarvemátta. Bild: Snøhetta.


Snøhetta, zu deutsch Schneekuppe, heißt das Architekturbüro, das nicht nur die Osloer Oper, sondern nun auch die erste Heimstatt für samisches Theater in Kautokeino in Nordostnorwegen entworfen hat, Ulf Meyer berichtet für die FAZ: "Der Neubau trägt den Namen 'Čoarvemátta' (Horn-Wurzel), womit der Wuchsansatz des Rentiergeweihs bezeichnet wird. Hintergrund dieser zunächst ungewöhnlich anmutenden Namenswahl ist der Umstand, dass in dem Theaterbau auch ein Gymnasium beheimatet ist, das sich auf die Ausbildung von Rentierhirten spezialisiert hat. (…) Das geschwungene Holzgebäude hat im Grundriss die Form eines Rentiergeweihs: Ein Foyer mit sichtbar belassener tragender Holzkonstruktion trennt und verbindet die Schule auf der einen mit dem Theater auf der anderen Seite." Dabei war Improvisationsgeist gefragt: "Die postmoderne Idee, dass es keinen International Style geben dürfe, sondern der genius loci den Ansatz der Architekten beim Entwurf bilden soll, wird im Werk einer neuen Architektengeneration transformiert: Die indigene Kultur der Sámi wird in dem Neubau architektonisch weitgehend abstrakt porträtiert, weil sie keine vernakuläre Baukunst hervorgebracht hat."

Weiteres: Annegret Erhard besichtigt für die NZZ den von Phifer and Partners entworfenen Neubau des Warschauer Museums für Gegenwartskunst, ein "ultramoderner Vorzeigebau."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.12.2024 - Architektur

Seit den Neunzigerjahren soll der Berliner Molkenmarkt bebaut werden, ab Januar 2025 dürfen sich Architekturbüros europaweit endlich bewerben, um acht neue Häuser auf Berlins ältesten Platz zu setzen, weiß Boris Pofalla in der Welt und fragt: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um drei Blocks zu bauen? "Ein Grund sind die archäologischen Ausgrabungen ... Aber Archäologie ist nicht der wichtigste Grund, warum hier ein Plan den anderen auslöscht. Es sind die enormen, teils widersprüchlichen Anforderungen, die an das neue Quartier gestellt werden - und die viel davon erzählen, wie Deutschland im Jahr 2024 tickt. Der Molkenmarkt erinnert an das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und an den Flughafen BER. Im alten Herzen der Hauptstadt, zwischen Spreeufer, Rotem Rathaus, Nikolaiviertel und dem letzten Rest der Stadtmauer soll nämlich etwas entstehen, wovon man als Mensch des 21. Jahrhunderts nur träumen kann, 'ein lebenswertes und zukunftsfähiges Quartier mit nutzungsflexiblen Gebäuden, klimaresilienten Freiräumen, innovativem Mobilitätskonzept, vielfältigen Kulturangeboten und einem hohen Anspruch an die architektonische und gestalterische Qualität'. 'Das Quartier', so heißt es in der vom Senat online publizierten 'Charta Molkenmarkt', 'wird sich zu den Baudenkmalen der Umgebung positionieren, deren Individualität unterstreichen, die Entwicklung von Geschichte ablesbar machen und sensibel darauf reagieren.'"

Die alte Hamburger Oper ist in die Jahre gekommen und wird nur notdürftig "spielfähig" gehalten, Bedarf nach einer neuen Oper sehen die Hamburger allerdings nicht - mit einer Ausnahme: Der Milliardär Klaus-Michael Kühne träumt davon, auf dem westlichen Zipfel des Baakenhöfts, dem letzten unbebauten Part der Hafencity, einen gigantischen Prestigebau zu schaffen, ob die Stadt will oder nicht, berichtet Florian Zinnecker in der Zeit. Bis zu 350 Millionen Euro könnte der Spaß kosten, die Größenordnung hält Kühne für denkbar. Aber: "Er bliebe Eigentümer der Oper und würde sie an die Stadt vermieten; überdies bekäme er im Gegenzug die alte Oper in der Innenstadt, dürfe das denkmalgeschützte Gebäude abreißen und auf dem Grundstück ein Investorenprojekt entwickeln. Letzteres im Übrigen zusammen mit dem österreichischen Immobilientycoon René Benko, mit dem Kühne bereits ein benachbartes Innenstadt-Grundstück bestellte, auf dem bis dahin eine Einkaufspassage stand. Unter anderem mit Geld von Kühne begann Benko außerdem, einen von David Chipperfield entworfenen, 245 Meter hohen Wolkenkratzer in der HafenCity zu bauen, den sogenannten Elbtower. Heute ist Benko pleite, das Grundstück neben der Oper eine Brache, und auf der Elbtower-Baustelle tut sich seit mehr als einem Jahr nichts mehr. In der Insolvenz versenkte Kühne nach eigenen Angaben etwa eine halbe Milliarde Euro."

Weitere Artikel: Seit 2009 wird in Berlin das "House of One" geplant, in dem Juden, Muslime und Christen in den Dialog treten sollen, Geld ist eingeworben, die Grundpfeiler stehen, aber bis heute fehlt eine Baustelle, seufzt Claudius Prösser in der taz: "Stiftungs-Sprecherin Kerstin Krupp verweist gegenüber der taz auf die stark gestiegenen Gesamtkosten: Wurden 2014 zum Start des Crowdfundings knapp 44 Millionen Euro veranschlagt, rechnet man nun aufgrund explodierender Preise in der Baubranche mit fast 70 Millionen." In der FAZ bewundert Ulf Meyer das von Shigeru Ban aus Tokio entworfene Städtische Museum in Toyota.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.12.2024 - Architektur

In der Architekturausstellung "Wohltemperiert. Für klimagerechte Architektur!" im Jahrhunderthaus des Freilichtmuseums Molfsee kann Esther Geißlinger für die Taz lernen, wie man umweltfreundlicher bauen kann, wenn man sich an Altbewährtem aus vergangenen Jahrhunderten orientiert: "Nicht alles passt noch ins Hier und Heute: Sich das Haus mit dem Vieh teilen oder im Winter in einem Raum zusammenrücken, stieße vermutlich auf wenig Begeisterung. Aber Naturmaterial wie Seegras oder Stroh als Dämmung zu verwenden - warum nicht."
Stichwörter: Klimafreundliches Bauen