2009 musste
Christian Lacroix in Folge der Wirtschaftskrise sein Haute-Couture-Haus schließen. Vor einigen Tagen jedoch konnte man in einem Betonkeller unter der Bastille-Oper einer kleinen Auferstehung beiwohnen: Zu sehen war dort die Pret-a-Porter-Kollektion für den Sommer 2020 von
Dries van Noten, der sich dafür mit Lacroix
zusammengetan hatte. Susannah Frankel vom
AnOther Magazine war
vollkommen hingerissen und bat die beiden zu einem
Gespräch, das sie mit einer
kleinen Hommage an die Kollektion einleitet: "Alle Lacroix-Merkmale sind da:
walzende Polka Dots, breite Streifen, Rüschen, Matadorjacken, Gigot-Ärmel, Seide, in die
größere und leuchtendere Blumen gewebt sind als die Natur je vorgesehen hat, Pouf-Röcke,
Herzoginnensatin und Ripsbänder - aufgestickt, aufgedruckt oder von Hals- und Taillenlinien, Kragen und Manschetten flatternd. ... Das Vokabular von Dries Van Noten ist durchweg mit dem von Christian Lacroix verschmolzen: Die
Jacquards wurden gescannt und erscheinen als Drucke auf Baumwolle und Organza; leichte Polyester aus
recycelten Kunststoffflaschen und beschichteten Papieren knistern neben edlen französischen Seiden; sich wellende Schleppen schmücken nichts Feineres als einen Parka, wenn auch
in Gold. Weiße Unterhemden sind mit einem einzelnen aufgeplusterten bestickten Ärmel dekoriert, Jeans auf einem Bein mit Federn oder Federprint verziert." Die ganze Kollektion findet man
bei der Vogue.
Im Gespräch dann bekennt der aus der
Provence stammende Lacroix, dass die Zusammenarbeit mit dem
Belgier van Noten erst mal ein
Kulturschock für ihn war: "Für mich war der schwierigste Moment das
erste Treffen mit dem Team, einem Team, das an seine Zusammenarbeit gewöhnt war, und ich war wie ein Außerirdischer, mit meinem schlechten Geschmack, meinem
südkatholischen schlechten Geschmack, der in dieses sehr elegante, nordeuropäische Unternehmen kam. Ich hatte Angst davor, weil ich sie nicht kannte. Was denken sie darüber? Am Anfang wagte ich es nicht, ich selbst zu sein, ich war sehr, sehr schüchtern, ich sagte
kein einziges Wort. Schritt für Schritt wurde ich Teil des Teams. Ich hatte nicht erwartet, dass ihre Art zu sein oder zu arbeiten mir so vertraut sein würde. Auch ihre Entscheidungen wie die Wahl der französischen Seiden, die meine eigene Wahl gewesen wären, haben mich beruhigt, und die Idee, die Ripsbänder auf Basics zu drucken - von Sweat- und T-Shirts bis hin zu Jeans - war genial, etwas, auf das ich nie selbst gekommen wäre. Ich liebe es, dass diese Kollektion mich nicht nur im Detail erfasst, sondern auch
den Geist dessen, was ich getan habe." Auch in der britischen
Vogue gab's ein
Interview mit den beiden, dass von einem sehr schönen Foto der zwei gekrönt wird,
ebenso in der
New York Times. "Sometimes, seeing the familiar from
someone else'
s perspective makes all the difference. Sometimes, engaging in
negotiation with a different point of view gives you the best possible result. It's a truism that applies to a lot more than fashion",
schreibt dazu Vanessa Friedman in der
NYT.