Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2014 - Design

In einem sehr schönen Essay für The Atlantic erklärt Deborah Cohen anlässlich zweier Modeausstellungen in New York - "Elegance in an Age of Crisis" im Fashion Institute of Technology und "Charles James: Beyond Fashion" im Metropolitan Museum of Art - warum die Kleider aus den 20ern heute wie historische Kostüme aussehen, die aus den 30ern - mit ihren fließenden, figurbetonenden Linien dagegen ganz und gar von heute sind: "A timeless obsession took root, too. The elegantly simple creations inspired by this convergence of social tensions and taste disguised wealth, or the lack of it, but revealed an awful lot else. There was no hiding the figure under these clothes. The toned and exercised body became a marker of privilege, a status signal that has become only more glaring since. We have the 1930s to thank for a by-now-familiar paradox: Americans' clothes became more similar even as their bodies diverged along class lines."

Anlässlich einer Ausstellung der "Facades"-Serie des Fotografen Bill Cunningham im New York Historical Museum bringt die Zeit eine Strecke mit Fotografien historischer Kostüme vor Gebäuden aus der jeweiligen Epoche in New York. In der NZZ betrachtet Martin Meyer mit Stilaugen die Freiheiten heutiger Moden, die "häufig nur als eigenverantwortlich scheußlich zu bezeichnen" wären.

Besprochen wird eine Retrospektive des niederländischen Designers Marcel Wanders im Stedelijk Museum in Amsterdam. (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.04.2014 - Design

Jörg Häntzschel besucht für die SZ die Weilheimer Ausstellung der von Konstantin Grcic gestalteten Möbel. Außerdem hat er sich mit dem Designer unterhalten. Auf die Frage, wie der für seine abstrakte Gestaltung bekannte Grcic das Production Design eines Science-Fiction-Films gestalten würde, antwortet dieser: "Dieses durchgestaltete Zukunftsbild hat mich nie interessiert. Was wir machen, ist eher ein punktuelles Ausbrechen nach vorn. Wie hätte es vor zehn Jahren hier ausgesehen? Genau wie heute! Nur dieses schwarze Ding (zeigt auf das iPhone): Wir hätten nicht gewusst, was das ist. In zehn Jahren sitzen wir wahrscheinlich immer noch hier. Nur liegt dann dort ein anderes seltsames Gerät."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.04.2014 - Design

Die Geschäfte gehen gut, da traut man sich wieder was auf der Mailänder Möbelmesse, berichtet Andrea Eschbach in der NZZ: "Der italienische Hersteller Magis verfolgt beispielsweise weiter konsequent sein Konzept als 'Design-Labor'. So präsentiert er am Stand nicht nur den Prototyp eines Freischwingers von Konstantin Grcic, der Holz- und Kohlenstofffaser-Folien kombiniert, sondern auch ein Materialexperiment von Ronan & Erwan Bouroullec. In ihrer Tisch-Kollektion 'Officina' wird die Tischplatte von einem schmiedeeisernen Gestell getragen. 'Wir wollten einen modernen, zeitgemäßen Ausdruck für Schmiedeeisen finden', sagt Ronan Bouroullec." Ob das gelungen ist, kann man bei beiden Objekten hier überprüfen. (Bild: domus.it)

Thomas Steinfeld stößt in Mailand vor allem ein Widerspruch auf, und zwar den "zwischen dem Privaten und der Marke. Denn wenn die Wohnung ganz das Eigene sein soll, nach eigenem Geschmack und Bedürfnissen gestaltet, so dass der Mensch wahrlich zu sich kommt - warum geht das nur unter dem Zeichen von Minotti, Vitra, Knoll, Carl Hansen, Thonet, Hästens, B & BItalia, Cassina?"

Für die Jungle World hat Astrid Eichstedt die Ausstellung "Glanz und Grauen" über Mode im "Dritten Reich" in Euskirchen besucht. Diese räumt mit vielen Klischee-Vorstellungen von der Mode in Nazi-Deutschland auf, so etwa auch mit der "Annahme, dass die Nazis generell das brav bezopfte und bedirndlte Gretchen mit gebärfreudigem Becken zum Ideal stilisierten. Zwar war die bis dato angesagte Androgynität schon Ende der zwanziger Jahre passé, doch das Schönheitsideal, das sich langsam vom mädchenhaft-romantischen Puffärmeltyp der frühen dreißiger Jahre zur strengen, schulterpolsterbehafteten Dame der Kriegszeit wandelte, blieb bis zum Schluss die überschlanke, elegante und längst nicht immer blonde Frau. Das zeigen auch die Modelle in den Modezeitschriften."

Vergessen Sie den Spargel, jetzt ist Rhabarberzeit, ruft Samuel Herzog in der NZZ. Er beschreibt das Gemüse als gutaussehenden Verführer, der uns am Ende mit unseren Erwartungen sitzen lässt: "Zwischen den runzligen Pastinaken und den bärtigen Steckrüben machen die blassgrünen, vor Kraft strotzenden Stangen eine jugendfrische Figur - und die eigentümliche Röte, die ihnen in die Haut geschossen ist, lässt sie noch juveniler erscheinen, freudig entflammt, voller Erwartung, kussbereit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.04.2014 - Design

Joachim Güntner besucht für die NZZ die Ausstellung "Mythos Chanel" im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und lernt, dass nur eine "stilprägende Ästhetik" in der Mode für Langlebigkeit sorgt: "Ihr Ideal einfacher Eleganz hat sie zeitlebens kultiviert. Aus figurbetonten Kleidern, die von ihren Trägerinnen ein Korsett verlangten, wurden bei Chanel gerade geschnittene und zurückhaltende Modelle. Variable Rocklängen sorgten für mehr Bewegungsfreiheit. Bequemlichkeit war ihr so wichtig wie eine erstklassige, hochwertige Verarbeitung. In der ersten Schaffensphase wirkte sie damit entschieden modern, in der zweiten - nach der kriegsbedingten Auszeit von 1939 bis 1954 - konservativ. Kritiker mochten nörgeln, sie mache stets das Gleiche. Ein solches Urteil verkennt die Variabilität, die Chanels Entwürfen auch dort zukommt, wo sie einer gemeinsamen Linie folgen. Und es verkennt die Kraft, die darin steckt, gegen die Wechselfälle der Moden einen eigenen Stil zu behaupten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.04.2014 - Design

Angeregt wandert Paul Andreas durch die Retrospektive, die das Stedelijk-Museum in Amsterdam dem Werk des niederländischen Designers Marcel Wanders ausgerichtet hat. Als der 1963 geborene Wanders studierte, inspirierte ihn vor allem die italienische Gruppe Memphis, die ohne Skrupel wieder auf die Geschichte zurückgriff, erzählt Andreas: "Frei nach dem Motto 'Nichts ist so schnell veraltet wie das Neue' beginnt auch er auf Archetypen, Stil- und Ornamentvorlagen zurückzugreifen, interessanterweise - wohl seiner Exzentrik geschuldet - weniger auf klassizistische als auf barocke Vorbilder. Etwa in der Möbelserie 'New Antiques', deren Tische und Stühle nach einem Baukastenprinzip aus diversen Epochenelementen zusammengesetzt werden - nach den individuellen Geschmacksvorstellungen des Nutzers." (Bild: Marcel Wanders, New Antiques)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.03.2014 - Design



Paula Cocozza hat sich für den Guardian die Ausstellung "The Glamour of Italian Fashion 1945-2014" im Victoria & Albert Museum angesehen und stellt fest: In den 50ern und 60ern waren die Italiener ganz groß, aber heute sind sie - trotz Miuccia Prada - wieder konservativ. Kuratoren und Designer geben ihr Recht: "Was den italienischen Stil wirklich kennzeichnet, sagt Erika Ghilardi [Kuratorin des Foto Locchi Archivs], ist seine Sehnsucht, 'Farben zu vereinigen, Stoffe zu vereinigen', alle Elemente eines Looks in ein Modell der Kohärenz zusammenzufassen. Hemdkragen sitzen punktgenau über Qualitätsstrickware. Uhren funkeln unter einem teuren Hemdärmel hervor. Hosen liegen mit exakter Falte auf dem Leder auf. Gänzende Schuhe und schimmernde Sonnenbrillen suggerieren Übereinstimmung von Kopf bis Fuß. ... Sie hat eine Theorie dazu: 'Sozial hat die italienische Kultur ihre Wurzeln in den 30ern. Die Großmütter waren besessen von der Vorstellung, wie man aussah, wenn man aus der Tür trat. Reich oder arm, es war immer eine Frage des Decorums. Des persönlichen Decorums. Das bedeutet nicht Eleganz. Es bedeutet anständig auszusehen. Das waren faschistische Ideale. Wenn man das immer wieder hört, ändert es die Mentalität."

Wer die atemlose Begeisterung Ingrid Sischys aushält, dem sei noch in Vanity Fair ihr Porträt des Modedesigners Nicolas Ghesquières empfohlen, der ab dieser Saison für Louis Vuitton entwirft. Es ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, die man eigentlich eher in Amerika oder China für möglich hält, nicht in Frankreich (von Deutschland ganz zu schweigen).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.03.2014 - Design

Der Geliebte Führer möchte, dass die Männer seines Reiches künftig seinen Haarschnitt tragen, meldet Gawker. "Until now, there have been 28 government-approved hairstyles in North Korea - 10 for men and 18 for women. Long hair has been discouraged by North Korean state TV since 2005, when a campaign warned men that too much hair could consume vital nutrients, stunting brain development. The campaign recommended they schedule haircuts every 15 days. Now the state is going a step further, reducing men's hair options to one: Kim's famous center-parted 'do. If it weren't mandated, Kim's style wouldn't be particularly popular. Before it was known as the 'Dear Leader' haircut, Koreans mostly associated it with Chinese smugglers."
Stichwörter: Gawker, Kim Jong-Un, Korea, Nordkorea

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2014 - Design

Deike Diening porträtiert im Tagesspiegel den Produktdesigner Konstantin Grcic, der gerade eine Ausstellung mit drei Rauminstallationen - Life Space, Work Space, Public Space - im Vitra Design Museum in Weil am Rhein aufbaut: "Das Wohnen sei in Zukunft noch mehr 'plug and play'. Das Spiel: Sei Du selbst. Eine funktionstüchtige Einheit, eine Art Wohn-Aggregat liefert dafür die technischen Voraussetzungen Wärme, Licht, Abluft und einen Ausblick. In diesem Fall auf einen Flughafen, für Grcic 'der denkbar schlimmste Unort' für eine Wohnung. Vielleicht würde es aber auch jemand gern wählen, weil für ihn Erreichbarkeit zählt? Wer weiß, wie das sein wird, in der Zukunft? Und weil er Sofas als eine Art Kapitulation begreift, mit ihrer Aufforderung zur Erschlaffung, körperlich und geistig, hat er seine strenge Liege 'Karbon' hier in der Zukunft platziert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2014 - Design

Im Pariser Museum Les Arts Décoratifs kann man derzeit eine Ausstellung zur Arbeit des belgischen Modedesigners Dries Van Noten sehen, kündigt in der NZZ Marc Zitzmann an. Er ist ein bisschen enttäuscht, weil Ausstellung und Katalog wenig echte Informationen bieten (außer den Kleidern, versteht sich) und eine wesentliche Seite von van Noten fast ignoriert wird: "So liebt er es, seinen Grundstock, der mit traditioneller, mehr sportlich-legerer und gern auch leicht exzentrischer Eleganz aufwartet, durch profanere - wenngleich stets sublimierte - Zutaten aufzufrischen. In den letzten Jahren hat dieses Penchant prononciertere, wagemutigere, experimentellere Züge angenommen. 2007 begann Van Noten, Stoffe wie Azetat, Nylon und Polyester sowie Übergrößen, Neonfarben und grafische Motive zu veredeln, die aus der Hip-Hop- und der Raver-Szene stammen. Leider blendet die Schau diesen Entwicklungsstrang fast völlig aus. "

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2014 - Design

Die Russen haben quasi die Krim besetzt? Gerade deshalb, zitiert Jezebels Isha Aran die Organisatorin Iryna Danylevska, muss die Fashion Week in Kiew stattfinden: "'We thought of postponing Ukrainian Fashion Week but when the Crimea situation began we knew we had to do it now…We need to show the outside world that we're unbroken and that we're strong.' Some designers have taken inspiration from the wave of protests and unrest known as the Euromaidan and infused aspects of the crisis into their designs, incorporating bullet-proof vests, gas masks, and patriotic imagery." Auch die SZ berichtet.
Stichwörter: Gas, Krim, Fashion, Fashion Week, Euromaidan