Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.09.2024 - Film

Szene aus Azazel Jacobs "Drei Töchter".

An Anton Tschechows Stück "Drei Schwestern" muss Caroline O. Jebens auf Zeit Online bei der Netflixproduktion "Drei Töchter" denken. Und nicht nur wegen des Titels: Azazel Jacobs Film über drei Frauen, die sich in einem New Yorker Appartement um den sterbenden Vater kümmern, entspinnt sich zu einem psychologischen Kammerspiel, so die begeisterte Kritikerin: "Bei Tschechow werden bessere Zeiten für die Schwestern nie anbrechen. Und auch in 'Drei Töchter' ist klar: Der Vater wird sterben. So sehen wir den dreien beim Trauern zu, und ihre Reaktionen auf den nahenden Tod verweisen bereits auf die unterschiedlichen Modi der Trauer: Katies Aktionismus angesichts der Machtlosigkeit, Christinas Achtsamkeit gegenüber der Erbarmungslosigkeit, Rachels Rückzug angesichts der Ausweglosigkeit. Obwohl ihre Unterschiede unabdingbar sind für die Spannungen zwischen den Figuren, wirkt ihre Konstellation immer wieder auch eklektisch."

Im NZZ-Interview mit Andreas Scheiner unterhält sich Francis Ford Coppola über die Realisierung seines Films "Megalopolis" (unser Resümee), den er mit 125 Millionen Dollar komplett selbst finanzierte. Dass es in seinem Film um einen Architekten geht, sei kein Zufall: "Weil es mir um das Entwerfen der Welt der Zukunft ging. Wenn Sie einen Architekten anrufen, sagen Sie ihm, wofür er etwas entwerfen soll. Ich glaube, dass es kein Problem gibt, das der Mensch, diese geniale Spezies, nicht lösen könnte. Oder stimmen Sie mir nicht zu, dass der Mensch im Vergleich zu allen anderen Lebewesen außergewöhnlich talentiert und kreativ ist?" Andreas Busche bespricht den Film für den Tagesspiegel, Patrick Holzapfel schreibt für die NZZ.

Weiteres: Hanns-Georg Rodek trifft für die Welt die Regisseurin Yasemin Şamdereli, die in ihrem Film "Samia" das Schicksal der somalischen Leichtathletin Samia Yusuf Omar verarbeitet. In der NZZ beleuchtet Marion Löhndorf Federico Fellinis Liebe zu Rimini. Besprochen werden die Dokumentation "Trauma in Nahost - Der 7. Oktober und seine Folgen", zu sehen in der arte-Mediathek (SZ) und Klaus Sparwassers Klima-Doku "System Change" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.09.2024 - Film

Filmszene von Salvador Dali


Marc Zitzmann (FAZ) amüsierte sich diese letzten Sommertage in dunklen Kinosälen beim Pariser Festival für ungewöhnliche Filme, dem "Étrange Festival". Zu sehen gab es diesmal unter anderem "Sylvain Perrets 'étrange anthologie' von Exzerpten aus Kinowochenschauen der Gaumont. Man bestaunt da Champions des Auf-der-Stelle-Radelns, verheiratete Kinderpuppen, Kreuzritter wider den Voodoo, fernöstliche Exorzisten, boxende Braunbären, dreibeinige Stuten und stierische Einhörner, nicht zu vergessen einen schauderhaft schielenden Hypnotiseur und schräge Schöpfer wie Salvador Dalí, dessen künstlerische Kooperationen mit malenden Seeigeln, fliegenden Sardinen und Freudschen Langusten noch immer das Zwerchfell zum Beben bringen. ... Das Festival verklammert ein (Un-)Geist - jener der Wanderzirkusse von einst mit ihren Clown- und Akrobatennummern, ihren Geisterbahnfahrten und Freakshows. Setzten die frühen Ausgaben auf Themennächte mit Titeln wie 'Satan Superstar', 'Die Kannibalen' oder 'Bestialische Liebe', so mehrten sich später die Hommagen und 'Cartes blanches', das heißt die gerafften Werkschauen und Einladungen an Regisseure, fremde Filme vorzustellen."

Besprochen werden Kate Winslets Biopic "Lee - Die Fotografin" (Standard), eine Doku über Silly-Frontfrau Tamara Danz (BlZ) und eine Doku über Leonard Cohen (Tsp).
Stichwörter: Biopic

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2024 - Film

Adam Driver in "Megalopolis". Regie: Francis Ford Coppola

Der baldige Kinostart von Francis Ford Coppolas selbstfinanzertem Alterswerk "Megalopolis" wirft seine Schatten voraus. Mariam Schaghaghi und Peter Körte zeigen sich in der FAS auch Monate nach der zwiespältig aufgenommenen Cannes-Premiere (siehe hier) wenig begeistert von dem Film, in dem Adam Driver als Cesar Catilina eine Stadt der Zukunft entwirft: "Dynamik will aus der dramatischen Konfrontation nie recht entstehen, es bedarf auch einiger haarsträubender Plotwendungen, um das Ganze auf Kurs zu halten. Es ist sehr leicht, den Film zu verreißen, und sehr schwer herauszudestillieren, worauf Coppola hinausgewollt hat mit dieser Fabel, die er offenbar als Höhepunkt seines Werks entworfen hat. Ein Gemenge aus Bildzitaten, dekontextualisiertem Bildungsgut, Visionen von gestern und ein paar vagen Gedanken zu einem neuen urbanen Zusammenleben." Andreas Rosenfelder erklärt den Film derweil in der Welt zu einem "Meisterwerk des Scheiterns und beantwortet einige selbstgestellte Fragen zu dem umstrittenen Werk.

Mariam Schaghaghi hat Coppola außerdem über den Film interviewt, ebenfalls für die FAS. Unter anderem plädiert der Regisseur dafür, hoffnungsvoller in unsere gemeinsame Zukunft zu blicken: "Wir können das Genom entschlüsseln, wir können DNA spalten und neu zusammensetzen, wir können ein Raumschiff den Mars fotografieren lassen. Welches Lebewesen sonst kann das? Nur wir. Warum sind wir dann nicht voller Freude und Vorfreude auf die Welt? Es gibt kein Problem, das wir nicht lösen könnten, wenn wir uns nur dafür einsetzten."

Robert Atzorn und Christine Buchegger in Ingmar Bergmans ZDF-Fernsehfilm "Aus dem Leben der Marionetten"


In die Film-, beziehungsweise Fernsehgeschichte zurück blickt derweil Maria Wiesner für die FAZ. Und zwar gräbt sie einen ZDF-Fernsehfilm aus dem Jahr 1980 aus, bei dem niemand geringeres als Ingmar Bergman Regie führte. "Aus dem Leben der Marionetten" erweist sich als ein schmerzhafter Film über die Unmöglichkeit der Liebe. Und schaut dabei fantastisch aus: "Bergmans langjähriger Kameramann Sven Nykvist, den der Regisseur für die Dreharbeiten in München aus Schweden einfliegen ließ, inszeniert das mit klug gesetzter Lichtführung. Harsch ausgeleuchtet hängen die Tränensäcke unter den Augen des Psychiaters, die sich bemühen, Betroffenheit zu heucheln. Zart zeichnet ein dunkler Pelzmantel eine Vignette um das Gesicht der Mutter; während sie tränenreich von den Kindheitsneurosen des Mörders berichtet, erzählt der Kragen von ihrer sozialen Herkunft. Und wenn schließlich Katarinas schwuler Kollege Tim von der Angst vor dem Älterwerden und seinen sexuellen Eskapaden berichtet, schaut er dabei nicht sie an, sondern betrachtet sein eigenes Gesicht im Spiegel."

Weitere Artikel: Bert Rebhandl portraitiert für den Standard Demi Moore, die derzeit mit dem Horrorfilm "The Substance" für Furore sorgt. In der FAZ ist Rebhandl mit einem weiteren Text vertreten, über die Verleihung einer Ehrendoktorwürde an Arnold Schwarzenegger, bei der Robert Habeck die Laudatio hielt.

Besprochen werden Aslı Özarslans "Ellbogen" (Standard), das Horrorfilm-Remake "Speak No Evil" (Standard), der Horrorfilm "The Substance" (SZ), Julia von Heinz' "Treasure - Familie ist ein fremdes Land" (taz), Laura Luchettis "Der schöne Sommer" (critic.de) und Yasemin Şamderelis "Samia" (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.09.2024 - Film

"Rosalie." Foto: Tresor Films.

"Rosalie" ist eine Französin, die Ende des 19. Jahrhunderts mit einem übermäßigen Haarwuchs leben muss, der ihr einen Bart beschert und mit dem sie in Stéphanie di Giustos gleichnamigem Film zu einer vielfotografierten Besonderheit wird. Der Film behandelt ein hochaktuelles Thema, ohne aus seiner Zeit herauszufallen, befindet Esther Buss im Tagesspiegel: Er "tut gut daran, Rosalies Kampf nach Anerkennung keine gegenwärtigen Begriffe von Selbstermächtigung oder gar Geschlechterfluidität überzustülpen. Die Figuren können über den begrenzten Wissenshorizont ihrer Zeit nicht hinaussehen. Di Giusto legt dennoch Akzente - etwa auf die Bedeutung medialer (Selbst-)Bilder für die Identitätsbildung. Die mehrfachen Sessions mit dem Fotografen (Serge Bozon) nehmen einen wichtigen Raum ein, der Ton bleibt auch hier diskret. Denn auch wenn die Kamera Rosalie oft ganz nahe ist, nah auch an Haut und Haaren, gerät ihre physische Andersheit nie zum Schauwert."

Rosalie ist ein Faszinosum für die Bewohner ihres Dorfes und die Gäste im Lokal ihres Mannes, weiß Arabella Wintermayr in der taz: "Anfangs zumindest scheint ihr Ehemann der Einzige zu sein, der nicht von der Schönheit des Abweichenden in den Bann gezogen wird. Fast zu groß wirkt die Begeisterung, die ihr von der ländlichen Bevölkerung entgegenschlägt, beinah berauschend wiederum das Gefühl der Befreiung, das Rosalie erfährt, da sie sich plötzlich nicht mehr zu verstecken braucht. Die Probleme und auch der eigentliche Plot des Filmes beginnen damit aber erst. Mit psychologischer Präzision und einem durchweg herausragend aufspielenden Cast arbeitet Stéphanie Di Giusto heraus, wann die allgemeine Entzückung erneut in Feindseligkeit umschlägt - und tätigt dabei scharfsinnige Beobachtungen über das Begehren, das sich nun mal nicht gerne an eine enggefasste Sittenlehre hält."

HBO hat sich der Aufgabe angenommen, mit "The Penguin" einer Nebenfigur aus dem "Batman"-Kosmos eine achtteilige Serie zu widmen. Andreas Borcholte hat sie sich für den Spiegel angeschaut: "Für die Titelrolle ließ sich Schauspielstar Colin Farrell durch einen Fatsuit und viel Make-up in eine schmierige, narbengesichtige Menschenbestie verwandeln. Nur die ausdrucksstarken Augen verraten manchmal den Hollywoodbeau, der Rest ist eine körperlich anspruchsvolle Charakterdarstellung, die Farrell meisterhaft absolviert. Diese größte Leistung ist zugleich die größte Schwäche der Serie: Man hat sich ja bereits durch etwa sechs Staffeln 'Sopranos' und ähnliche Mafiaerzählungen gearbeitet - warum also noch eine weitere Saga konsumieren, die mit reichlich Gewaltexzess, Traumaanalyse und Intrigenspiel die Genese eines Gangsters vom Killer zum Kingpin beschreibt? (…) Originell wird 'The Penguin' erst durch eine so furiose wie fragile Gegenspielerin: Sofia Falcone, die Tochter des in 'The Batman' ermordeten Mafia-Familienoberhaupts, toll gespielt von Cristin Milioti, will ebenfalls an die Macht. Es ist, als würde 'Der Pate' aus Sicht der geprügelten Randfiguren Luca Brasi und Connie Corleone erzählt."

Weiteres: SZ, FAZ und NZZ gratulieren Filmdiva Sophia Loren zum Neunzigsten. Der Welt zufolge sind die Freiburger Tatort-Kommissare mit dem neuen Fall am Sonntag aus ihrer "Mid-Tatort-Krise" raus.

Besprochen werden: "The Substance" von Coralie Fargeat mit Demi Moore in der Hauptrolle (Zeit Online, Spiegel), "Die Fotografin", der das Leben von Lee Miller mit Kate Winslet in der Hauptrolle auf die Leinwand bringt (FAZ), Felix Maria Bühlers Doku "Bis hierhin und wie weiter?" (Taz) und die Apple TV-Serie "La Maison" (Taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.09.2024 - Film

Kate Winslet in Ellen Kuras' Biopic "Die Fotografin"

Ganze acht Jahre hat Kate Winslet, die in Ellen Kuras' Biopic nicht nur die Fotografin Lee Miller spielt, sondern den Film auch produziert, für dessen Realisierung gekämpft, weiß Andreas Busche im Tagesspiegel. Aus dem Leben der Kriegsfotografin hätte man ohne Probleme auch eine Serie machen können, meint er: Früher Muse Man Rays, später berühmte Kriegsreporterin und Chronistin der Nazi-Verbrechen und schließlich völliges Verschwinden aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Vielleicht wäre ein anderes Format für dieses turbulente Leben tatsächlich angemessener gewesen, überlegt der Kritiker, denn leider geht Kuras Film über ein "konventionelles Biopic" nicht hinaus. Ein bisschen Lob hat Busche aber trotzdem: "In ihren besten Momenten stürmt Winslet durch den Film; etwa als sie realisiert, dass die Vogue ihre Bilder aus Dachau nicht zu veröffentlichen beabsichtigt, weil die Welt - so die Herausgeber - lieber mit der Vergangenheit abschließen will. Auch wenn Miller die ausgemergelten Menschen in den KZ-Baracken entdeckt, findet Kuras einen pietätvollen Ton für das Unbeschreibliche."

Auch Daniel Kothenschulte ist in der FR ein bisschen enttäuscht, vor allem, weil die Fotografie als wichtigstes Medium in Millers Leben so wenig thematisiert wird: "Nur wenige Bilder sind tatsächlich zu sehen. Ihre Außenseiterrolle als Kriegsberichterstatterin nimmt breiten Raum ein, kaum aber das Besondere ihres Kamerablicks." Über jeden Zweifel erhaben ist für ihn allerdings Kate Winslets schauspielerische Leistung: "Auch wenn sie Lee Miller kaum ähnlich sieht, füllt sie diese Rolle überaus glaubhaft aus und bringt Selbstbewusstsein und Zerbrechlichkeit in eine seltene Balance." Ähnlich sieht es in der SZ Susan Vahabzadeh. In der Arte-Mediathek kann man derzeit noch eine Doku über Miller sehen.

Weiteres Im taz-Interview unterhält sich Regisseurin Ruth Beckermann mit Thomas Abeltshauser über ihre Dokumentation "Favoriten" (unser Resümee). In der SZ denkt Moritz Baumstieger darüber nach, wie "filmreife" Geheimdienstoperationen, wie der Pager-Coup im Libanon, in der Vergangenheit Filmemacher inspirierten. Besprochen werden Coralie Fargeats "The Substance" (Zeit, taz) und James Watkins "Speak No Evil" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.09.2024 - Film

Favoriten - Regie: Ruth Beckermann

Mit Ruth Beckermanns "Favoriten" startet ein vielbeachteter Dokumentarfilm in den deutschen Kinos. Die Langzeitstudie begleitet in einer Schule eines sogenannten "Problembezirks" im titelgebenden Wiener Stadtteil Favoriten Schüler und eine Lehrerin über mehrere Jahre hinweg. Patrick Holzapfel wird im Perlentaucher nicht ganz glücklich mit einem Film, der kindliches Leben an gesellschaftlich relevanten Diskursen abgleicht: "Alles ist pointiert und das eigentlich Unverdauliche wird allzu beiläufig ins Mundgerechte verpflanzt. Wenn es schmerzt, wechselt der Film die Fronten. Aufgrund der extremen Verdichtung der Ereignisse bekommt man das Gefühl eines Durchrauschens, eines Highlightreels. Wenn die Kinder etwas Lustiges gesagt haben, ist es im Film gelandet, so der Eindruck." Siehe zum Film auch Bert Rebhandl im Standard und Anne Küper auf critic.de.

Weitere Artikel: Fabian Tietke blickt in der taz Berlin auf das Programm der Dokumentarfilmtage Let's Dok, eine bundesweite Initiative, die nun auch in Berlin und Brandenburg zu Gast ist. Arnold Schwarzenegger wird in Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen, teilt uns David Steinitz in der SZ mit.

Besprochen werden die Disney+-Serie "The Bear" (SZ), Coralie Fargeats "The Substance" (FAZ), Ellen Kuras' "Die Fotografin" mit Kate Winslet (taz) sowie Katharina Köster und Katrin Nemecs "Jenseits von Schuld" (taz Nord).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.09.2024 - Film

"Russians at War": Der Feind sitzt im Kreml

Bert Rebhandl resümiert in der FAZ das Toronto International Film Festival, wo er mit "Konklave" (nach dem gleichnamigen Vatikanthriller von Robert Harris) auch den neuen Film von Edward Berger sehen konnte. Der deutsche Oscarpreisträger erweist sich darin erneut "als kompetenter Handwerker, der die Traditionen des alten Hollywood in die Ära der Streaming-Plattformen überführt". Interessanter sind allerdings die Turbulenzen am Rande des Festivalgeschehens, wo ukrainischer Protest die Vorführung von Anastasia Trofimowas (bereits in Venedig kontrovers diskutierter) Dokumentarfilm "Russians at War" erfolgreich verhindern konnte. Zwar stimme es, dass der Film alleine von russischen Soldaten im Frontgeschehen handelt, doch sei er "deutlich als ein Antikriegsfilm lesbar. Trofimowa zeigt, dass die Russen, die in der Ukraine verheizt werden, in erster Linie aus finanziellen Motiven dort sind, dass sie, nachdem sie ihre Verträge abgedient haben, unbesoldet weiterkämpfen müssen. Sie zeigt, wie sich die Propaganda niederschlägt, wie aber auch Zynismus und Alkohol alles prägt. ... Eines lässt sich über 'Russians at War' doch deutlich sagen: Wenn es für die russischen Kämpfer einen Feind gibt, dann ist es der Mann im Kreml."

Der Preis der Jugendlichkeit: "The Substance" mit Demi Moore

Coralie Fargeats zweiter Film "The Substance" hat Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche durchaus beeindruckt: Demi Moore spielt hier eine Schauspielerin, die mit über 50 aussortiert wird - und zu waghalsigen Jugendexperimenten greift. "Moore hat ihren Körper stets als ihr größtes Kapital eingesetzt" und nun, mit 61, "stellt sie ihren Körper ... noch einmal in seiner ganzen Verletzlichkeit aus." Zwar denkt Busche mitunter an Cronenberg erinnernde Film "ein Kino der Oberflächenreize in der Tradition des Cinéma du look um die machistischen Kultregisseure Luc Besson und Jean-Jacques Beineix. Auch Fargeat reproduziert in grell und konturlos ausgeleuchteten Bildern schamlos die Schaulust des Publikums auf die entblößten Körper ihrer Hauptdarstellerinnen. ... Umso berührender wirkt dagegen Moores fragile Nacktheit."

Weiteres: In der taz empfiehlt Silvia Hallensleben das Festival "Archival Assembly #3" im Berliner Soilent Green, bei dem beim Ausmisten im Kino Arsenel entdeckte Fundstücke präsentiert werden. Elisabeth von Thadden plaudert für Zeit Online mit Lars Jessen über dessen neuen Film "Micha denkt groß". Matthias Kalle resümiert auf Zeit Online die Emmy-Verleihung. Besprochen wird die Netflix-Serie "The Perfect Couple" mit Nicole Kidman (Presse).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.09.2024 - Film

Hat Instrinkte, denen man vertraut: Sylvester Stallone in "Tulsa King" (Paramount)

Knautschgesicht Sylvester Stallone als New Yorker Mafioso, der sich nach 25 Jahren Knast im amerikanischen Hinterland ein neues Imperium aufbaut: Die Paramount-Serie "Tulsa King" hatte in ihrer ersten Staffel zwar durchaus Schauwerte, schreibt Nina Rehfeld in der FAZ: etwa wenn "Stallone mit so viel selbstverständlichem Charme (und in tadellosen Maßanzügen) durch die Sets schlendert". Aber es gibt auch Schwächen: "Wiewohl Stallone sein komisches Talent locker ausspielt, ruckelte der Tonfall der Serie zu oft plump zwischen blutigem Mafiathriller und beschwingter Kleinstadtkomödie hin und her", wohl auch weil die Macher "sich nicht trauten, Stallones komödiantische Kapazitäten ohne haufenweise Action Raum zu geben." Das ändert sich nun in den ersten Folgen der zweiten Staffel, die ganz "den Instinkten ihres Stars vertraut" (der, nebenbei bemerkt, durchaus berüchtigt dafür ist, Produktionen an sich zu reißen).

Weiteres: Silke Wichert fragt sich im Tagesanzeiger, warum Brigitte Macron sich wohl für einen Cameo-Auftritt in der Serie "Emily in Paris" hergegeben hat. Im Filmdienst erinnert Leo Geisler an Kathryn Bigelows Heist-Movie "Gefährliche Brandung" von 1991. Besprochen wird Julia von Heinz' "Treasure" mit Lena Dunham und Stephen Fry (online nachereicht von der FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.09.2024 - Film

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Auf critic.de erinnert Kamil Moll an die schwulen Pornoklassiker, die Jack Deveau in den Siebzigern auf Fire Island vor den Stadtgrenzen New Yorks - eine damals in der Szene einschlägig bekannte Cruising Area - gedreht hat. Einer von den drei Filmen - "Fire Island Fever" - läuft morgen Abend in Berlin von einer analogen Kinokopie im Filmrauschpalast. "Deveaus drei Fire-Island-Filme kartografieren so etwas wie eine soziale Geografie der Insel." Zwar zeigt "Fire Island Fever" am wenigsten Sex von allen dreien, aber "er ist von einer sonnendurchfluteten Selbstgenügsamkeit und Lässigkeit, bei der die sich selbst erprobenden Siebziger zuletzt glückselig angekommen waren - ein Zustand, von dem wir Zuschauer von heute wissen, dass er nicht weit in die nächste Dekade hineinreichen sollte."

Weiteres: Michael Ranze verneigt sich im Filmdienst vor der Schauspielerin Jacqueline Bisset, die gestern 80 Jahre alt geworden ist. Elena Oberholzer geht in der NZZ dem Erfolg der Serie "Shogun" auf den Grund. Tim Caspar Boehme berichtet in der taz von einem Abend im Berliner Kino Arsenal zu Ehren von Oleksandr Dowschenkos Stummfilm-Klassiker "Arsenal", der vor ausverkauftem Saal und einem mehrheitlich jungen Publikum gezeigt wurde. Francis Ford Coppola wehrt sich juristisch gegen die Behauptungen des Branchenmagazins Variety, er habe beim Dreh seines aktuellen Films "Megalopolis" Komparsinnen unangemessen behandelt, berichtet David Steinitz in der SZ.

Besprochen werden Farahnaz Sharifis iranischer Essayfilm "My Stolen Planet" (SZ, unsere Kritik), Fabian Stumms "Sad Jokes" (online nachgereicht von der FAZ), eine Pasolini-Ausstellung im NBK in Berlin (taz) und die auf Disney+ gezeigte Dokuserie "In Vogue: The 90s" über Anna Wintour und die Geschichte der Vogue (Zeit Online).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.09.2024 - Film

In Indien mosern die Hindunationalisten über die Netflix-Serie "IC 814" über eine Flugzeugentführung in Indien im Jahr 1999, berichtet Natalie Mayroth in der taz. Dennis Vetter (critic.de) und Rüdiger Suchsland (Artechock) resümieren das Filmfestival Venedig. Ebenfalls auf Artechock blickt Janick Noltin derweil auf in Venedig gezeigte Filme, die die Triebhaftigkeit des Menschen fokussieren. Rüdiger Suchsland freut sich auf Artechock, dass das Filmfest Oldenburg Dominik Graf mit einer Retrospektive würdigt. Auf Artechock gratuliert Dunja Bialas dem Verein "Filmstadt München", in dem sich 16 Filmfestivals der Stadt zusammengeschlossen haben, zum 40-jährigen Bestehen. In der FAZ gratuliert Andreas Kilb der Schauspielerin Jacqueline Bisset zum 80. Geburtstag. Marius Nobach schreibt im Filmdienst zum Tod von James Earl Jones (weitere Nachrufe hier).

Besprochen werden DK Welchmans und Hugh Welchmans "Das Flüstern der Felder" (FAZ, Artechock), Albert Serras Ausstellung "Liberté" im Eye Filmmuseum in Amsterdam (Artechock), Doris Metz' Dokumentarfilm "Act Now" über Petra Kelly (Tsp, Zeit Online, Artechock), Julia von Heinz' "Treasure" (Artechock, critic.de), Tim Burtons "Beetlejuice Beetlejuice" (Artechock, Welt, SZ, unsere Kritik), Vuk Lungulov-Klotz' "Mutt" (Standard), Rupert Saunders' Remake von "The Crow" (Standard), Annika Appelins "Immer wieder Dienstag" (Artechock) und die Netflix-Krankenhausserie "Atemlos" (Freitag).