
Der polnische Journalist Artur Domoslawski erinnert in seinem
Beitrag für die polnische Wochenzeitschrift
Polityka (den die ungarische
Magyar Narancs übernommen hat und dessen Titel an das Gedicht "Ein armer Christ schaut auf das Ghetto" von Czeslaw Milosz anlehnt) noch einmal an den
fragwürdigen Politiker Johannes Paul II., der in Fragen der Moral ein Absolutist, in der Politik aber eher ein Relativist gewesen sei - von seiner Haltung zur Pädophilie innerhalb der Kirche ganz zu schweigen. Auch Domoslawski steht der Seligsprechung kritisch gegenüber, will sich aber hüten, als Nichtgläubiger dem Papst Ratschläge zu erteilen: "Sehr wohl betrachtet der Nichtgläubige aber jene gänzlich zum Diesseits und zur Gegenwart gehörende Sphäre, in die
der Prozess der Seligsprechung - aufgrund des bloßen Gewichts dieses Aktes - eindringt. (...) Für den Nichtgläubigen ist die Seligsprechung eine Art monumentales, symbolisches Denkmal. Karol Wojtyla war eine faszinierende historische Gestalt, in deren Denken und Taten sich eine ganze Reihe wichtiger ethischer, politischer und historischer Debatten verdichtet. Von nun an wird sich vor allem der
national-religiöse Kitsch in ihm verdichten. Bedauerlicherweise sogar für den Nichtgläubigen."
Das Internationale Gerichtshof in Den Haag hat den kroatischen General
Ante Gotovina zu 24 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt - und dabei auch den inzwischen verstorbenen früheren kroatischen Staatschef
Franjo Tudjman für schuldig befunden. Die liberale Wochenzeitschrift
Magyar Narancs rekapituliert die Ereignisse vom
August 1995, als die kroatische Armee im Rahmen der "Operation Sturm" Gebiete von der separatistischen "Republik Serbische Krajina" zurückeroberte und dabei die Stadt Knin beschoss. Auf den ersten Blick - und dies geht zunächst auch aus der Urteilsbegründung hervor - führte der kroatische General Gotovina einen
gerechten Krieg gegen die Eroberer. Doch auch ein gerechter Krieg hat seine Regeln: "Weder der gerechte Krieg, noch das viele Leiden, das die serbischen Separatisten einem Teil der kroatischen Bevölkerung ab 1990 zugefügt hatten, können eine
ethnische Säuberung rechtfertigen. Doch genau das ist dem Urteil zufolge während der 'Operation Sturm' geschehen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass man mit dem Beschuss der Städte in der Krajina - allen voran Knins - nicht militärische Ziele vernichten, sondern die serbische Bevölkerung einschüchtern wollte... Unabhängig von ihrem persönlichen Schicksal oder von ihren politischen Ansichten, unabhängig davon, was sie von diesem Martic-Staat hielten - sie mussten fliehen, nur aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, nur, weil der kroatische Staatschef sie
kollektiv für schuldig erklärt hatte. Oder sie mussten sterben. Diese Absicht geht auch aus den Protokollen jener Besprechung hervor, die unmittelbar vor der Aktion auf höchster Ebene stattfand. Es gibt keine Gerechtigkeit, die solch eine Politik oder die Beteiligung an ihrer konkreten Umsetzung rechtfertigen würde."