In
New York soll eine neue Moschee erbaut werden. Oder eher ein
islamisches Mehrzweckzentrum mit Gebets-, Konferenz- und Ausstellungsräumen, einem Seniorentreffpunkt, Swimmingpool, Gymnastikraum und Auditorium. Kein Problem - läge sie nicht gerade mal zwei Häuserblocks von
Ground Zero entfernt. Die Debatte, die darüber erwachsen ist,
beschreibt Lisa Miller am Beispiel zweier Frauen, die am 11. September einen Sohn verloren haben (beide waren Feuerwehrmänner).
Sally Regenhard, von deren Sohn nichts geblieben sei, das sie hätte beerdigen können, ist gegen die Moschee. "Es sei zu früh, sagt sie. Es sei zu nahe an Ground Zero, und es sei
gefühllos gegenüber Menschen wie ihr, deren Angehörige immer noch über das 6,47 Hektar große Gelände hinaus
verstreut sind, auf denen die Türme einst standen. Wenn die Leute, die hinter dem Bau der Moschee stehen, wirklich Frieden wollten, wie sie sagen, dann würden sie sie woanders bauen, aus Respekt vor der Heiligkeit des Platzes. 'Man ändert nicht Herzen und Hirne, indem man seine Religion anderen aufdrängt'", sagt Regenhard, die auch an die Kontroverse über das
Karmeliter-Kloster in Auschwitz in den späten 80er Jahren erinnert.
Adele Welty stimmt Regenhard zu, dass Ground Zero heiliger Boden sein sollte. Aber er ist es nun mal nicht. "Sie würde es lieben, wenn das Stück Erde, auf dem Timmy das letzte Mal ging, eine Oase für geschäftige New Yorker sein könnte, die ihre Köpfe frei machen wollen. Statt dessen, sagt sie, 'ist es eine
erstklassige Immobilie. Wenn es heilig wäre, gäbe es dort keine Bulldozer und andere Geräte.' Sie glaubt nicht, dass ein Umzug der Moschee eine Antwort wäre. 'Über wieviele Blocks reden wir? Fünf Blocks, ein anderer Bezirk? Eine andere Stadt? Wir kritisieren
moderate Muslime, weil sie nicht die Hand ausstrecken und ihre Stimme erheben. Aber wenn sie es tun, werden sie kritisiert."