Magazinrundschau - Archiv

Oxford American

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 25.10.2016 - Oxford American

Diane Roberts huldigt in einem etwas skrupulösen, aber sehr lesenswerten Essay der amerikanischen Autorin Lillian Smith, die sie nach Jahrzehnten der Flucht mit der Tatsache versöhnte, eine Südstaatlerin zu sein. Mit Smith' furiosen Attacken auf die Verlogenheit, auf den Rassismus und Sexismus des Südens konnte selbst William Faulkner nicht mithalten, versichert Roberts: "Sie war furchtlos, eine Aufwieglerin und Rebellin, die Leben und Kunst verband. Sie hat nie geheiratet, sie schlief mit wem sie wollte, Männern oder Frauen. Ihre längste Beziehung hatte sie zu der Lehrerin Paula Snelling, mit die sie einige Jahre zusammenlebte. Gemeinsam arbeiteten sie an der Integration von Rabun County, Georgia, sie luden schwarze Künstler und Aktivisten in ihr Haus auf dem Old Screamer Mountain ein. Lillian Smith war mit Paul Robeson befreundet, mit Pauli Murray und Martin Luther King, während sie ständig im Streit lag mit den ländlichen Poeten und weißen Moderaten wie Ralph McGill (der sie seinerseits eine 'Gefangene im Kloster ihres eigenes Denkens' nannte). Sie war eine radikale Christin: pazifistisch und antikolonialistisch. Smith ist nie auf die Magnolien-im-Mondlicht-Nostalgie hereingefallen, stattdessen kippte sie die Scheiße des Südens auf die Straße, damit wir sie richtig beseitigten."

Magazinrundschau vom 10.03.2015 - Oxford American

Im zweiten Teil seiner Serie über "Texas, alte Zeitungen, race music, und zwei schwarze Männer, die die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung geformt haben", erzählen John Jeremiah Sullivan und Joel Finsel die Geschichte des Zeitungsmannes Clifton Frederick Richardson. Richardson war aber nicht nur Journalist und Bürgerrechtler, lernen wir in einem Nebenstrang, er war auch Vorsitzender des Coleridge-Taylor Choral Clubs in Houston, Texas. Samuel Coleridge-Taylor war ein schwarzer britischer Geiger und Komponist, der Ende des 19. Jahrhunderts großen Erfolg in Europa und Amerika hatte und der den tschechischen Komponisten Anton Dvorak bewunderte, der wiederum in Amerika ein großer Verehrer "echter Negermelodien" geworden war: "Die Bedeutung von Coleridge-Taylor - dessen Musik heute noch Freude bereitet - liegt nicht darin, dass seine DNA halb afrikanisch war, sondern dass er seine Musik für spirituell schwarz hielt. Mit anderen Worten, er folgte Dvorak nicht im Sinne von: Hier bin ich, der schwarze Komponist, den du prophezeit hast. Statt dessen folgte er der Methode Dvoraks, der selbst viele seiner Stücke aus alten böhmischen Volksliedern geschaffen hatte, und Edvard Griegs, dem Lieblingskomponisten seiner Jugend. Coleridge-Taylor erkannte, dass er den seltenen Zugang zu einem ähnlich tiefen Brunnen mit ererbtem melodischen Material hatte."

Magazinrundschau vom 03.03.2015 - Oxford American

John Jeremiah Sullivan und Joel Finsel erzählen die eindrucksvolle Geschichte von Charles Love, einem Zeitungsherausgeber und Helden der frühen Bürgerrechtsbewegung. Love hatte Ende des 19. Jahrhunderts großen Anteil daran, in Texas das Wahlrecht für Schwarze durchzusetzen. Dabei ging er unglaubliche Koalitionen ein. Aber erst muss man erklären, was der Mann war: ein schwarzer Albino, ein weißer Schwarzer, dessen "Rassenzuschreibung" bei jeder Volkszählung wechselte: "Zuerst wurde Love als Mulatte beschrieben, wie seine Mutter. Aber 1900 wurde er schwarz. Nachbesserungen und Veränderungen in der Rubrik Rassenbeschreibung waren nichts ungewöhnliches. Wer Volkszählungen auswertet, gewöhnt sich daran. Die Tendenz geht immer weg von der Komplexität, das rassisch gemischte Mittelfeld wirkt offenbar am bedrohlichsten. Die Volkszählung wurde zu einem Mittel, es verschwinden zu lassen. Statt einer vitalen und zählbaren Population von Ms - Mulatten, Mestizen, Mischlingen, Multiplen etc. - gab es schließlich nur noch NBCs, Neger, Schwarze und Farbige. Ausgenommen den wenigen, die so hell waren, dass sie stillschweigend als Weiße eingestuft wurden." Warum sich Love dann in den 1890er Jahren den "Lilienweißen" anschloss, einer Partei innerhalb der Republikaner, um das Wahlrecht für Schwarze zu fördern, das - muss man selbst lesen.

Die Printausgabe des Magazins ist der Musik aus dem Süden der USA gewidmet.
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Magazinrundschau vom 07.03.2014 - Oxford American

In einem epischen Text sucht der Reporter John Jeremiah Sullivan nach den Ursprüngen von Ska. Irgendwo am Anfang stand Franklin Delano Alexander Braithwaite, aka Junior Braithwaite, aka Bratty (1949-99), der 14jährige Sänger der Wailers, als Bob Marley noch im Hintergrund die ah-ah-ahs sang. Der am Tag, nachdem er den Song aufgenommen hatte, der die Wailers berühmt machen sollte, mit seiner Familie in die USA flog und zwanzig Jahre dort blieb, eine Familie gründete, als Krankenpfleger arbeitete. Bis Bunny Wailer ihn auftrieb und fragte, ob er bei einem Wiedervereinigungsprojekt der Wailers mitmachen wolle. Er sagte ja und flog auf die Insel zurück. Am nächsten Tag wurde er bei einer Schießerei von Dealern getötet." Die Legende von Junior Braithwaite will es, dass er ins Studio kam, einen einzigen Song sang - geschrieben von Bunny Wailer oder Wailers, wie sie ihn immer noch in Trench Town nennen -, einen Song mit dem Titel "It Hurts to be Alone". Und dass der Song so erstaunlich war, so herzzerreißend, dass er unsterblich wurde."