Stunde der Präsidenten und
Eliten-Diskussion a la chilena: Im Interview mit
Reportajes, der Magazinbeilage der chilenischen Tageszeitung
La tercera (kostenloser Zugang nach Registrierung),
spricht Michelle Bachelet (s. a.
hier), Verteidigungsministerin des Landes mit dem immer noch größten Militärhaushalt Lateinamerikas, über ihre Aussichten, im kommenden Jahr zur
Präsidentin Chiles gewählt zu werden. Michelle Bachelet lebte während ihres Exils mehrere Jahre in Potsdam, Babelsberg und
Berlin, wo sie Medizin studierte. Ihr Vater, der Luftwaffengeneral Alberto Bachelet, ein Anhänger Allendes, war wenige Monate nach dem Putsch General Pinochets an den Folgen der Folter gestorben. "Die Elite ist
nicht übermäßig offen für Veränderungen", meint die 53-jährige sozialistische Politikerin mit strategischem Understatement, spricht man in Chile doch seit einiger Zeit vom
"fenomeno Bachelet". Ihre rasch gewachsene Popularität erklärt sich Bachelet unter anderem so: "Ich denke, die Leute wissen es zu schätzen, wenn man bei den großen Themen mitreden kann und gleichzeitig
supergeerdet im Alltag bleibt - also imstande ist, von der Zukunft des Landes zu träumen, aber dabei immer genau weiß, wie viel gerade ein Kilo Brot kostet."
So populär war
Felipe Gonzalez auch einmal. In einem
Interview spricht der sozialistischen Ex-Präsidenten Spaniens über den derzeitigen Präsidenten Chiles, den Sozialisten
Ricardo Lagos, der seinerseits Michelle Bachelet vor knapp zwei Jahren zur Verteidigungsministerin ernannte.Und auch
Mario Vargas Llosa wäre seinerzeit gerne ein populärer Präsident geworden. Er
schreibt über den neuen Präsidenten Boliviens
Carlos Mesa und das bolivianische Trauma, seit dem vor über hundert Jahren gegen Chile verlorenen Krieg keinen direkten
Zugang zum Meer zu besitzen - für alle Fälle hielt man sich in Bolivien bis vor wenigen Jahren noch eine
Kriegsmarine, erzählt Vargas Llosa, der als Kind zehn Jahre in Bolivien gelebt hat.
Ans Meer fahren dafür in diesen Tagen alle Chilenen, die es sich leisten können, und Marcelo Soto stellt ihnen
die Bücher des Sommers vor.