Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

106 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 11

Magazinrundschau vom 12.12.2006 - Vanity Fair

Als die große Tragödie eines jeden Mannes erkennt Christopher Hitchens, dass die Dinge, die er am meisten mag, nicht zusammen zu haben sind: Frauen und Witze. "Es gibt etwas, was Sie niemals von einem männlichen Freund hören werden, auch wenn er noch so hymnisch von seiner neuen Flamme schwärmt: 'Sie ist großartig, lebt ihr eigenes Leben und, Mann, bringt die mich zum Lachen.'... Warum also sind Männer, durchschnittlich und insgesamt betrachtet, lustiger als Frauen? Nun, sie müssen es einfach sein. Die schwerste Aufgabe, die sich einem Mann im Leben stellt, ist, dem anderen Geschlecht zu imponieren, und Mutter Natur (wie wir sie lachend nennen), ist zu Männern einfach nicht so freundlich. Tatsächlich rüstet sie viele Geschlechtsgenossen ziemlich schlecht für diesen großen Kampf aus. Ein durchschnittlicher Mann hat nur eine Chance: Er muss die Lady zum Lachen bringen... Frauen müssen sich nicht in gleicher Weise für Männer attraktiv machen. Sie sind es schon."
Stichwörter: Hitchens, Christopher, Mutter

Magazinrundschau vom 07.11.2006 - Vanity Fair

Die Neocons verlassen das sinkende Schiff. David Rose hat kurze Statements von exponierten Kriegsbefürwortern eingeholt, die jetzt alle mit dem Desaster im Irak nichts mehr zu tun haben wollen und die Schuld ganz der Regierung von Präsident George Bush anlasten, darunter Richard Perle, David Frum und Kenneth Adelman: "Adelman, Zeit seines Lebens ein neokonservativer Streiter und Pentagon-Insider, der bis 2005 als verteidigungspolitischer Berater der Regierung diente, schrieb im Februar 2002 einen berühmten Artikel auf der Meinungsseite der Washington Post, in dem er behauptete: 'Saddam Husseins Militärmacht zu zerstören und den Irak zu befreien, dürfte ein Kinderspiel werden.' Jetzt sagt er: 'Ich habe einfach angenommen, dass das Team, das ich für das kompetenteste in Fragen der nationalen Sicherheit seit Truman hielt, auch kompetent agieren würde. Stattdessen stellte es sich als eines der inkompetentesten Teams der Nachkriegszeit heraus. Es hatte nicht nur jedes seiner Mitglieder erhebliche Schwachpunkte, sondern sie waren auch zusammen tödlich dysfunktional."

Magazinrundschau vom 10.10.2006 - Vanity Fair

In einer mindestens zwanzigseitigen Reportage spürt William Langewiesche dem Massaker von Haditha nach, bei dem die Kilo-Company der Marines 24 Iraker, darunter Frauen, Greise und Kleinkinder umgebracht haben - als Vergeltung für einen Anschlag auf ihre Patrouille. Das Pressecorps der Marines hatte bereits begonnen, den Vorfall zu vertuschen, bevor es vom zuständigen Commander Lucas McConnell den Bericht hatte. "Einen Monat später sah ein Reporter im Bagdader Büro des Time Magazines, Tim McGirk, ein grauenvolles Video, das erkennen ließ, dass Menschen in ihren Häusern erschossen und getötet worden waren. Angesichts der Natur dieses Krieges und seines täglichen Horrors hätte McGirk von dem Video nicht überrascht sein sollen, vor allem wenn er den Bericht des Captain McConnell gekannt hätte. Aber nach der bloßen Pressemeldung über eine hochgegangene Landmine war offensichtlich, dass etwas an der offiziellen Darstellung sehr falsch war. McGirks erste Nachforschungen beim Marine Corps wurden mit einer E-Mail abgebürstet, die ihn beschuldigte, auf die Propaganda der Aufständischen hereinzufallen, und ihm implizit unterstellte, in Zeiten des Krieges dem Feind in die Hände zu spielen. Wer immer die E-Mail schrieb, war eine Nummer zu klein für seinen Job. Schlechte Publicity hilft tatsächlich dem Aufstand, aber es ist das Töten von Unbeteiligten, das richtig sticht. Irak ist ein kleines Land mit starken Familienbindungen. Nach drei Jahren Krieg brauchen die Einheimischen für das Zählen der Opfer kein Time Magazine. Es waren eher die Amerikaner zu Hause, die Hilfe brauchten - ein klein wenig Einblick in das, was diesen Krieg stetig schlimmer macht."
Stichwörter: Irak, Langewiesche, William

Magazinrundschau vom 29.08.2006 - Vanity Fair

Michael Wolff hat einen atemberaubenden Bericht über den Zustand der New York Times verfasst. Die Aktien sind seit 2002 um fünfzig Prozent gefallen. Die Zeitung ist so schwach geworden, dass sogar die "schwachen Bush-Leute sich stark genug fühlen, sie anzugreifen". Das Publikum läuft weg, Shareholder nagen an ihr, und Arthur Sulzberger jun., 54 Jahre alt und seit 1992 Herausgeber, versucht die Zeitung ins Internetzeitalter zu führen, wo sie für Wolff nichts zu suchen hat: Die mit viel Geld und Sachverstand erarbeiteten langen Versionen der Times "werden benutzt als Futter für die Kurzversion von jedermann... Das Internet, das einst als ideales Vehikel angesehen wurde, um ein gezieltes Publikum anzusprechen, entwickelt sich zu einem Supermassenmedium mit gigantischem Umfang, das auf billige Werbung angewiesen ist... Was die Times bestenfalls werden kann, ist so etwas wie about.com, ein Informationsplattform mit viel Umfang und wenig Qualität und riesigen Mengen an werbebezogenen Daten im Angebot, das Amateure, Fetischisten und Hobby-Journalisten einspannt, die für wenig Geld viel Ramsch produzieren, um die Page-View-Zahlen zu erhöhen." (Aber vielleicht hätte die New York Times einfach nur statt about zu kaufen besser in technorati investiert, um die besten Blogs auf ihrer Seite zu versammeln?)

Magazinrundschau vom 27.06.2006 - Vanity Fair

Der britische Journalist Henry Porter schlägt Alarm: Die britische Regierung unter Tony Blair beschneide nahezu unwidersprochen im Zuge der Terror-Bekämpfung die individuelle Freiheit, hebele die Rechte des Parlaments aus und leite die "totale Überwachung der Gesellschaft" in die Wege: "Das Recht auf ein Geschworenen-Verfahren wurde bei komplizierten Betrugsfällen abgeschafft, aber auch, wenn die Gefahr besteht, dass die Jury beeinflusst werden könnte. Das Recht, nicht zweimal für das gleiche Vergehen angeklagt zu werden - das Recht des doppelten Risikos - existiert nicht länger. Die Unschuldsvermutung wurde verwässert, vor allem in den Gesetzen zum antisozialen Verhalten, die jetzt auch Hörensagen als Beweis zulassen. Das Recht, nicht bestraft zu werden, solange ein Gericht nicht festgestellt hat, dass ein Gesetz gebrochen wurde, ist mit dem System von Kontrollanweisungen abgeschafft worden, nach dem ein Terrorverdächtiger daran gehindert werden kann, sich frei zu bewegen und Telefon oder Internet zu benutzen, ohne dass ihm erklärt, welche Beweise gegen ihn vorliegen." Und warum gibt es keine Proteste? Dazu zitiert Porter Shami Chakrabarti, die Leiterin der Bürgerrechtsorganisation Liberty: "Wenn man einen lebenden Frosch in einen Topf heißes Wasser werfen, wird er vernünftigerweise rausspringen und sich retten. Wenn man ihn in kaltes Wasser legt und dieses langsam zu Kochen bringt, wird er im Topf bleiben und sterben."

Weiteres: Christopher Hitchens erzählt in einem ziemlich lustigen Text, wie der Blow-Job zum Inbegriff des amerikanischen Sexlebens werden konnte, und scheut dabei auch keine Kalauer ("No, darling. Suck it. 'Blow' is a mere figure of speech"). Und Craig Unger erklärt noch einmal anhand des angeblichen Uranhandels zwischen dem Irak und Niger, wie Schwarze Propaganda funktioniert.

Magazinrundschau vom 27.09.2005 - Vanity Fair

Graydon Carter, Chefredakteur von Vanity Fair, erzählt nicht ohne Ironie von dem für ihn letztlich unerfreulichen Prozess zwischen Roman Polanski und seinem Magazin in London. Der Regisseur fühlte sich von einer Passage in einem Artikel von 2002 verunglimpft, in der behauptet wurde, er hätte im August 1969 auf dem Weg zum Begräbnis seiner ermordeten Frau Sharon Tate mit einem Model geflirtet. "Dass ein amerikanisches Magazin von einem Mann, der in Frankreich wohnt, vor ein englisches Gericht zitiert werden kann, ist eines der vielen Launen des britischen Rechtssystems. Aber mehr davon später. Leider kann ich viele Dinge nicht erwähnen, ohne die Gerichte gegen mich aufzubringen. Zu britischen Gerichte sage ich folgendes: in Sachen Glanz und Gloria enttäuschen sie nicht. Gerichtssaal Nr. 13 war ein schöner, viktorianisch getäfelter Raum, voll bis zum Rand mit Perücken, wehenden Roben, Barristers und Solicitors, mit viel 'Wenn es Euch zupass kommt, mein Lord' hier und 'Ja, mein Lord' dort. Sehr 'Zeugin-der-Anklage'-mäßig, aber zum Glück klimatisiert."