9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2020 - Kulturmarkt

Die durch das Streaming wieder erstarkte Musikindustrie geht wieder auf Einkaufstour. UMP, die Verlagssparte des Mediengiganten Universal, hat sich die Rechte an Bob Dylans Kompositionen und Texten gesichert, berichtet Volker Briegleb bei heise.de: "UMP macht keine Angaben dazu, wie viel Geld das Unternehmen für diese in Streaming-Zeiten besonders attraktiven Rechte bezahlt. Laut einem Bericht der New York Times wird das Paket auf über 300 Millionen US-Dollar (rund 250 Millionen Euro) geschätzt. Der 79-jährige Folk-Rock-Pionier Dylan zählte bisher zu den wenigen Künstlern, die den Großteil der Rechte an ihrem Werk selbst kontrollieren."

"Der Deal ist der jüngste und auffälligste im brummenden Markt der Musikkataloge", schreibt Ben Sisario im angesprochen New-York-Times-Artikel. "Jüger und ältere Künstler haben ihre Songs verkauft, während Verleger und Investoren Milliarden Dollar von Unternehmen und Privatpersonen eingesammelt haben, um Autoren zu überzeugen, sich von ihren Werken zu trennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2020 - Kulturmarkt

Jan Wiele blickt in der FAZ auf das Corona-Jahr aus der Perspektive der Buchbranche zurück und hat mit einigen Verlegern gesprochen. Der erste Lockdown sei eine Katastrophe gewesen, sagt etwa Wolfgang Hörner von Galiani: "Allerdings erwartet Hörner für das gesamte, 'wirklich anstrengende Jahr' überraschenderweise ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr, denn der Verlag habe 'gerade eine ziemliche Aufholjagd' hingelegt. Anderen Häusern ging es ähnlich. Andreas Rötzer, Verleger bei Matthes & Seitz, sagt: 'Wir fielen im März und April in ein Loch mit knapp unter sechzig Prozent unseres normalen Umsatzes. Aber davon haben wir uns sehr schnell wieder erholt.' Wichtig war die Zeit nach dem ersten Shutdown, denn im Sommer habe der Verlag eine Art Weihnachtsgeschäft gemacht, so dass er schnell wieder auf dem Niveau des Vorjahres angekommen sei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2020 - Kulturmarkt

Bertelsmann will nicht nur den Verlag Simon & Schuster übernehmen (Unser gestriges Resümee), sondern auch eine neue Digital-Plattform für seine Medieninhalte entwickeln, weiß Kai-Hinrich Renner in der Berliner Zeitung: "Ein Portal, wie es die Now GmbH entwickelt, wäre einzigartig, vergleichbar vermutlich nur mit Amazon, wo auch digitale Inhalte aller Mediengattungen erhältlich sind. Einen gewichtigen Unterschied gibt es jedoch: Amazon vertreibt vor allem Medieninhalte Dritter. Dort, wo der US-Konzern eigene Inhalte anbietet, wie etwa Serien auf Amazon Video, muss er sie für sein Portal extra produzieren. Dagegen soll die Plattform der Now GmbH fast ausschließlich Bertelsmann-Inhalte anbieten, die es bereits gibt und die sich großenteils bereits monetarisiert haben."

Der Verkauf von Simon & Schuster an Bertelsmann gefährdet die "Bibliodiversität" auf dem Buchmarkt, sagt Verleger Stefan Weidle im Dlf-Gespräch mit Miriam Zeh. Vor allem die Literaturagenturen seien betroffen: "'Die haben jetzt einen Player weniger.' Weil die Rechte an kommerziell erfolgreichen Autorinnen und Autoren in der Regel in verdeckten Versteigerungsrunden dem zahlungskräftigsten Verlag zugesprochen werden, gehen hier zum Teil horrende Summen über den Tisch. 'Dabei fehlt jetzt einer. Simon & Schuster wird kein Gebot mehr gegen Penguin Ramdom House abgeben', so Weidle. Auf dem US-amerikanischen Buchmarkt, seinem wichtigsten Auslandsmarkt, stärkt Bertelsmann seine Präsenz damit erheblich. 'Die können im Grunde Marktpreise diktieren, wenn sie das wollen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2020 - Kulturmarkt

Der Verlag Penguin Randomhouse, schon jetzt der bei weitem größte der Welt, kauft Simon & Schuster, meldet die New York Times: "Penguin Random House, der größte Buchverlag in den Vereinigten Staaten, ist im Besitz des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann. Mit Simon & Schuster, dem drittgrößten Verlag, würde ein Buchgigant entstehen, eine Kombination, die kartellrechtliche Bedenken auslösen könnte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2020 - Kulturmarkt

Die Geschäfte der digitalen Frankfurter Buchmesse scheinen gar nicht so schlecht zu laufen, weiß Felix Stephan in der SZ, aber intellektuelle Debatten oder gesellschaftliche Fragen werden so nicht aufgeworfen: "Der Preis für diese tabellarische Scheingewissheit besteht darin, dass das Buch seine Rolle als Leitmedium gesellschaftlicher Selbstverständigung einbüßt und sich die Buchbranche von der Öffentlichkeit entkoppelt. Wie das aussieht, führt der US-amerikanische Buchmarkt vor: Die Geschäfte laufen, internationale Megabestseller wie zuletzt Michelle Obamas Autobiografie machen Aktionäre glücklich, spektakuläre Übernahmen bringen hochprofitable Verlagskonzerne hervor... Mit einem kontinentaleuropäischen Verständnis von Öffentlichkeit, von kritischem Geist und intellektuellem Bewusstsein hat das nicht besonders viel zu tun."

In der FAZ berichtet Andrea Diener ein wenig erschöpft von vier Tagen virtuellen Messebetriebs: "In der Praxis stellte sich aber heraus, dass es einem nur bedingt guttut, stundenlang auf viergeteilte Bildschirme zu starren, in denen Köpfe mit knarzenden Mikros Zahlen referieren. Ja, die Inhalte werden nach wie vor verhandelt, die Arbeit ist die gleiche geblieben, aber der ganze Spaß fehlt." Die kümmerlichen Reste der realen Buchmesse haben ihren FAZ-Kollegen Kai Spanke dagegen nur deprimieren können: "Präsenz - das ist die theoretisch längst bekannte, nun aber körperlich spürbare Lektion - bedeutet mehr als bloße Anwesenheit. Es handelt sich um ein im besten Sinne aufdringliches Miteinander, das aus bloßen Begebenheiten Ereignisse macht. Allerdings funktioniert das nur mit Rummel und Gerempel. Diesmal kann man auf den Gängen der Festhalle dem Nichts beim Nichten beiwohnen. In der taz schickt Ulrich Gutmair Eindrücke. Welt-Kritikerin Mara Delius fehlen irgendwie "das Reden, das Lästern, die zufälligen Begegnungen, schönen Entdeckungen und plötzlichen Peinlichkeiten".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2020 - Kulturmarkt

Berthold Seliger, selbst Veranstalter und Agent, schildert bei Telepolis die Schwierigkeiten der Kulturbranche mit Covid 19, die sich für einige schon zur Katastrophe ausgewachsen haben. Nicht für die ganz großen wie Eventim und nicht für die subventionierten, denen vom Staat unter den Arm gegriffen wird. Sehr wohl aber für die privaten und mittelständischen. Nur ein Aspekt: "Die etwa 700.000 soloselbständigen Kulturarbeiter*innen - also zum Beispiel Bühnenarbeiter*innen, Stagehands, Securities, Roadies, Catering-Kräfte, Tourmanager*innen, Busfahrer*innen oder Ton-, Licht- und Backline-Techniker*innen - erfahren praktisch keine Unterstützung und müssen sich mit Hartz-IV durchschlagen. Je länger der Konzert-Shutdown im Bereich der Zeitkultur andauert, desto mehr dieser Kulturarbeiter*innen werden sich andere Jobs suchen müssen und in Zukunft der Konzertszene nicht mehr zur Verfügung stehen und somit das Veranstalten von Konzerten erschweren, wenn nicht unmöglich machen."

Etwas ängstlich blickt Lothar Müller (SZ) auf die Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr nur digital stattfinden wird: "In der diesjährigen Special Edition können die internationalen und heimischen Verlage testen, wie gut der Rechtehandel, der ohnehin nicht auf die Tage in Frankfurt beschränkt ist, auf den von der Messe entwickelten digitalen Plattformen oder in unmittelbarer Fernkommunikation funktioniert. Nicht unwahrscheinlich, dass sie, wenn im kommenden Jahr wieder Präsenzmesse sein kann, geschrumpft sein wird. Für die Verlage ist die Buchmesse als Präsenzmesse nicht zuletzt ein Kostenfaktor, nicht nur wegen der Stand-, sondern auch wegen der Hotelkosten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2020 - Kulturmarkt

Mit Bangen blickt Andreas Platthaus in der FAZ auf  die morgen beginnende virtuelle Buchmesse: "Die Buchmesse hat sich in eine Lose-lose-Situation hineinmanövriert: Sollte ihr virtuelles Alternativprogramm zum klassischen Messebetrieb - 'weltweit empfangbar und kostenfrei' - ein Erfolg werden, hat sie sich selbst abgeschafft; enttäuscht es Partner und Publikum, ist auch das Ansehen der klassischen Messe beschädigt." Für Paul Jandl in der NZZ hat die virtuelle Buchmesse immerhin den Vorteil, "dass es weniger kranke und noch viel weniger gekränkte Autorinnen und Autoren geben wird".

Außerdem berichtet Jens Uthoff in der taz über eine Konferenz der Grünen zur Not der Veranstaltungswirtschaft.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2020 - Kulturmarkt

Für den Buchhandel ist der Literaturnobelpreis für Louise Glück (mehr bei efeu) kein Grund zu feiern, weiß Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Normalerweise verpasst der Preis dem Handel einen Schub, von Glück sind allerdings gerade mal zwei Bände ins Deutsche übersetzt worden, die derzeit beide nicht lieferbar sind: "Die Umsätze des Handels sind in den ersten sechs Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen zwanzig und dreißig Prozent zurückgegangen. Auch die Verlage haben im ersten Halbjahr Verluste von bis zu zwanzig Prozent hinnehmen müssen und die Veröffentlichung von Titeln verschoben. Jetzt versucht man, aufzuholen, hofft wie stets auf das Weihnachtsgeschäft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.09.2020 - Kulturmarkt

Die große Buchhandelskette Thalia hat einem chinesischen Staatsunternehmen ganze Regale für Propaganda zur Verfügung gestellt. Bücher mit Kritik an China gab es dort nicht (unser Resümee, die Kette hat reagiert und ihre Präsentation neu arragiert). Viele wurden sich erst jetzt bewusst, dass Buchhandelsketten so etwas überhaupt tun, schreibt Wolfgang Tischer im Literaturcafé: "Erst durch die Diskussion um die staatlichen Propagandabücher bei Thalia, wurde vielen bewusst, dass es bei den großen Buchhandelsketten üblich ist, Bücher und Aktionsflächen gegen Geld zu platzieren. Der vermeintliche Bücher-Tipp ist bisweilen gar keiner, stattdessen fließen vier- oder fünfstellige Beträge von den Verlagen an die Buchkette. Verlage können so die Sichtbarkeit ihrer Bücher steigern. Selbst Bestseller können so in den Listen weiter nach oben gebracht werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2020 - Kulturmarkt

Die Buchhandelskette Thalia stellt Buchregale für chinesische Propaganda zur Verfügung, berichtet Christian Burmeister bei RND.de. In der Filiale Berlin Alexanderplatz gebe es einen großen Bereich mit frommer Literatur über das heutige China. Kritische Bücher über China finde man zwar auch - aber ganz woanders in der Buchhandlung. Und zu Taiwan nichts. "Auf die Fragen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) schickt der Buchhändler nur ein knappes Statement: 'Vor allem als Service für die wachsende chinesische - beziehungsweise China-Interessierte - Community in Deutschland, testet Thalia in Zusammenarbeit mit China Book Trading ein chinesisches Buchsortiment.' Der Test laufe ausschließlich in Berlin, Hamburg und Wien, zeitlich begrenzt. 'Unsere chinesischen Partner schlagen Bücher vor, die vom Thalia Sortimentsmanagement geprüft und freigegeben werden.' 'China Book Trading' gehört zu 100 Prozent der Kommunistischen Partei Chinas und untersteht ihrer Kontrolle." Laut Spiegel online wurde dieses Statement von Thalia später korrigiert: "Auf Nachfrage erklärte eine Thalia-Sprecherin zunächst, dass dieses Sortiment in Zusammenarbeit mit einer Firma namens China Book Trading entstanden sei. Am Freitagnachmittag korrigierte sie das Statement, es habe einen 'Übertragungsfehler' gegeben. Der korrekte Name des Partners laute China National Publications Import and Export (Group) Corporation, kurz CNPIEC." Mehr im ZDF (hier).