Als
kulturelles Desaster vor allem für Ostdeutschland
wertet Felix Stephan in der
SZ die Absage der
Leipziger Buchmesse, die in den Zentralen der großen Buchkonzerne in München, Frankfurt und Stuttgart getroffen wurde. Dass sich diese Verlage aber durchaus auf der Lit.Cologne in Köln oder den Buchmessen in Bologna und London zeigen, muss Leipzig besonders bitter treffen: "Wirtschaftlich gesehen ergibt es für die Verlage also durchaus Sinn, die
Frühjahrsmesse nach Köln zu verlegen: Wie die Lit.Cologne ist Leipzig mittlerweile ein reines Publikumsfestival, die großen Deals werden längst in Frankfurt und London abgeschlossen. Nur ist Leipzig eben auch das zentrale
Monument der ostdeutschen Lesekultur, und dass die Entscheidung über die Absage nun in München, Stuttgart oder Frankfurt getroffen wurde, jedenfalls sicher nicht in Leipzig, ist ein Detail, das die Lage nicht unbedingt entspannt. Mit ihren Besatzern hätten die Ostdeutschen gleich doppelt Pech gehabt, schrieb der Leipziger Germanist
Dirk Oschmann kürzlich sinngemäß in der
FAZ: Erst kamen die Sowjets, dann die Westdeutschen."
In der
taz sieht Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher Verlags, hinter der Absage an Leipzig weniger einen Ost-West-Konflikt als vielmehr eine betriebswirtschaftliche Offensive der Konzerverlage: "Tatsächlich wird der Buchmarkt immer stärker
durchkapitalisiert. Bürgerliche Clubs wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der von seinen Mitgliedern Traditionsbewusstsein und Einhaltung ungeschriebener Regeln, ja, sogar Fairness erwartet, merken dies etwa daran, dass Großverlage und Buchhandelsketten die
Buchpreisbindung hinterfragen, die zwar die Vielfalt in der Branche stärkt, aber eben nicht
den schnellen Cent einbringt. In den Sonntagsreden der Branchenprominenz sieht dies noch anders aus, in den Gremien gärt es jedoch."