Den
Konzernverlagen die Schuld an der
Absage der Leipziger Buchmesse zu geben, ist Adam Soboczynski in der
Zeit zu einfach. Generell fehlte es den Verlagen an Mut und "Risikobereitschaft", überhaupt müsse sich das
Kulturmilieu die Frage gefallen lassen, "ob es in all den Monaten zum Teil
rigider Gesundheitspolitik, die für lange Zeit nicht einmal Veranstaltungen mit Masken zuließ, nicht zu duldsam, zu verständnisvoll,
zu staatsfromm eingestellt war. Wer so lange die Verdrängung der liberalen Öffentlichkeit hinnahm, braucht am Ende nicht überrascht zu sein, wenn sie tatsächlich
wegrationalisiert wird."
Die
Zeit hat außerdem AutorInnen wie
Thea Dorn,
Anke Stelling oder
Jonas Lüscher zur Absage befragt. Für Dorn passt sie "in das Bild, das die 'Kulturnation' Deutschland seit zwei Jahren bietet: Kultur lässt sich bereitwillig als 'nicht systemrelevant' einstufen, folgt weitestgehend widerspruchslos dem neuen kategorischen Imperativ, der da lautet: Handle so, dass du alles unterlässt, wodurch du dich, deine Mitarbeiter und dein Publikum einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzt!" Auch
Julia Schoch ärgert sich: "Die
Unterwerfung kultureller Dinge - speziell von Büchern - unter marktwirtschaftliche Ansprüche ist an sich schon
fatal bis widerlich. Doch selbst wenn man sich auf diese Ebene begibt, lässt sich sagen: Der Umsatz an Büchern, Emotionen, Leserbindung nehmen zuverlässig dort zu, wo Schreibende und Lesende sich begegnen. Die
Verkaufszahlen von Büchern sind mittlerweile eng an den Kontakt zwischen beiden geknüpft."