9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2015 - Kulturpolitik

Bayerns Horst Seehofer hat entschieden: München bekommt einen neuen Konzertsaal, und zwar auf einem Gelände der ehemaligen Pfanni-Werke hinter dem Ostbahnhof. Gottfried Knapp ist in der SZ nicht sonderlich glücklich mit diesem Standort: "Das Konzerthaus wird dort also quasi Untermieter bei den Pop-Veranstaltungshallen werden, die vom Kunstpark Ost übrig bleiben sollen. Doch das eigentliche Problem dieses Standorts ist nicht die Nähe zu den lärmenden Aktivitäten der umliegenden Spielstätten und Kneipen. Es sind vielmehr die Enge des zwischen Fabrikbauten und Straße zur Verfügung stehenden Baugrunds, das Verstecktsein im nur von einer Seite zugänglichen Werksviertel und die miserable Anbindung an den städtischen Raum."

Reinhard J. Brembeck ist ebenfalls in der SZ nur froh, dass überhaupt eine Entscheidung getroffen wurde. Jetzt muss dort nur noch ein innovatives Musikzentrum werden, wie zum Beispiel in Luzern: "Luzern ist viel mehr als die Akustik. Seit der Eröffnung dieses Kulturzentrums ist das musikalisch zuvor unbedeutende Luzern zum Zentrum der Schweizer Konzertszene geworden..." Außerdem: Patrick Bahners, Kulturkorrespondent der FAZ in München, kann die Gegend am Ostbahnhof nicht ausstehen. Und Manuel Brug ruft in der Welt nur "Willkommen in der Pfanni-Arena!" Immerhin erhofft sich Brug aber von der rauen Gegend eine gewisse Auffrischung des doch recht konservatibven Münchner Musikprogramms.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2015 - Kulturpolitik

Bäume sind in Deutschland heilig, darum darf der Münchner Konzertsaal nicht im kümmerlichen Münchner Finanzgarten gebaut werden, und das Land Bayern weicht zurück. Den Theologen Friedrich Wilhelm Graf regt das in der FAZ allerdings auf: "Ist im Staat des Grundgesetzes die Menschenwürde als 'unantastbar' geschützt, so im München des 'Arbeitskreises öffentliches Grün im Münchner Forum e.V.' auch der Bürgergarten: 'Öffentliches Grün ist unantastbar', heißt es auf einer Plastiktafel, die der Arbeitskreis - mit welchem Recht eigentlich? - am Eingang zum Finanzgarten aufgehängt hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2015 - Kulturpolitik

Sehr böse antwortet in der FAZ Michael Naumann, ex Staats- und Kulturminister, auf den Kunsthandelslobbyisten und Villa-Grisebach-Chef Bernd Schultz, der sich mit Händen und Füßen gegen das geplante Kulturgutschutzgesetz wehrt (unsere Resümees): "Niemand wird enteignet, nur weil er ein Bild von Dürer ins Ausland verkaufen will. Er darf es behalten oder verkaufen, sofern es in Deutschland bleibt oder wenn eine Genehmigung vorliegt. Das ist ein Eingriff in das Eigentumsrecht? Durchaus - sofern dieses Grundrecht von der grundgesetzlich geforderten gesellschaftlichen Verpflichtung entbunden wird. Aber dazu bedarf es einer Verfassungsänderung. Die Galeristen und Händler lassen bereits eine Klage gegen das geplante Gesetz in Karlsruhe vorbereiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2015 - Kulturpolitik

Im Januar beginnen die Vorbereitungen für den Umzug der Dahlemer Museen. Die Hälfte des Asiatischen und des Ethnologischen Museums werden geschlossen. Bald darauf die ganzen Museen - für Jahre. Andreas Kilb will das in der FAZ nicht einsehen und benennt Planungsfehler, die dafür verantwortlich seien, dass dem Publikum die Exponate vorenthalten werden: "Die Dahlemer Museen besitzen nämlich kein Depot, in dem sie ihre Schätze zwischenlagern können. Die Magazine der Ethnologen sind seit Jahren baufällig, und das geplante Großmagazin in Friedrichshagen am Ostrand der Stadt bleibt mangels Finanzierung bis auf weiteres eine Karteileiche. Deshalb müssen die Museen ihren eigenen Raumbestand kannibalisieren, sprich: ihre Säle in Depots und Restaurierungswerkstätten für ihre Objekte verwandeln."

Außerdem: Ebenfalls in der FAZ resümiert Patrick Bahners neueste Diskussionen um den Standort eines geplanten Münchner Konzertsaals.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2015 - Kulturpolitik

In der NZZ vergleicht der Berliner Kunsthistoriker und Rechtsanwalt Lucas Elmenhorst den Entwurf zum neuen Kulturgutschutzgesetz in Deutschland mit ähnlichen Regelungen in der Schweiz und kommt zu dem Schluss: "Möglicherweise erweist sich rückblickend die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für Kunst von 7 Prozent auf 19 Prozent als viel einschneidender und dramatischer in ihren Auswirkungen für den deutschen Kunsthandel als das geplante Gesetz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2015 - Kulturpolitik

Hinter dem Kulturgutschutzgesetz steht auch die Idee, dass wertvolle Kunstwerke im Grunde nicht einer Privatperson, sondern der Allgemeinheit gehören, schreibt FAZ-Kritiker Niklas Maak in einem Bericht über wütende Kunstbesitzer und deren Anwälte, die in Berlin tagten, und verweist auf das schlichte französische Modell: "'Artefakte, die mehr als hundert Jahre alt sind, bedürfen in jedem Fall der Ausfuhrgenehmigung des Kulturministeriums ebenso wie Kunstwerke im Alter von mehr als fünfzig Jahren mit einem Schätzwert von mehr als 150 000 Euro - und das sind nur die 'Biens culturels', nicht die noch restriktiver als 'Trésor national' qualifizierten Werke."

Die wunderbaren Dahlemer Museen müssen einpacken, um ihren Umzug in die Berliner Schlossattrappe vorzubereiten, berichtet Rüdiger Schaper im Tagesspiegel: "Die Boote sind das Schwierigste. An Ort und Stelle in Dahlem müssen sie zerlegt, gelagert, untersucht und restauriert werden, eine langwierige und komplizierte Prozedur. 2018 müssen sie im Humboldt-Forum sein, dann können dort die Mauern geschlossen werden. Die Seefahrerei passt durch keine Tür, kein Tor. Und so schließt die Südsee im Ethnologischen Museum am Abend des 10. Januar 2016."

Außerdem: Dankwart Guratzsch äußert sich in der Welt skeptisch zu den Konzepten des für 2018 ausgerufenen Kulturerbejahrs.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.12.2015 - Kulturpolitik

Zum Glück gibt es ja nicht nur den Berliner Flughafen, sondern zum Beispiel auch die Sanierung der Kölner Oper, die nicht 270 Millionen Euro kostet, und vielleicht auch nicht 460 Millionen, wie Tim Attenberger im Kölner Stadtanzeiger berichtet. Und die Wiedereröffnung? "Bislang steht nur fest, dass zur Saison 2017/2018 nicht im Opernhaus gespielt werden kann. Das heißt aber nicht, dass die Bühnen automatisch 2018/2019 an den Offenbachplatz zurückkehren können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2015 - Kulturpolitik

Nicola Kuhn berichtet im Tagesspiegel von einer Tagung des neuen Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, wo die Kulturfunktionäre das Versagen der Gurlitt-Taskforce (mehr hier) bereits weit hinter sich gelassen haben: "Aus den Fehlern habe man gelernt, versprach Uwe Schneede gleich zu Beginn der Tagung. Als Stiftungsvorstand leitet der einstige Direktor der Hamburger Kunsthalle das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste. Bei ihm wird nach Auflösung der Taskforce im kommenden Jahr die weitere Erforschung der Gurlitt-Sammlung angesiedelt sein: Man werde fortan 'kompakt, effizient, transparent' arbeiten, kündigte Schneede an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2015 - Kulturpolitik

In der Welt nimmt der Schwall empörter Kunsthändler, die sich von Monika Grütters "Kulturgutschutzgesetz" enteignet fühlen, nicht ab. Heute polemisiert Bernd Schultz, Geschäftsführer der Villa Griesebach gegen Grütters, Norbert Lammert und die FAZ, die sich für das Gesetz ausgesprochen haben: "Wie sehr müssen sich die Politiker und die Zeitung von ihren Wählern beziehungsweise Lesern entfernt haben, wenn sie meinen, die Besitzer von Kunst des 'Egoismus' zeihen zu dürfen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2015 - Kulturpolitik

Rose-Maria Gropp und Julia Voss, Kunstredakteurinnen der FAZ, entwickeln aus Anlass eines Symposium drei Thesen zur Zukunft der Museeen. Eine dvon betrifft die Digitalisierung: "Womöglich kann die Digitalisierung zudem Alternativen zum überhitzten Ausstellungsbetrieb schaffen. Institutionen erreichen das jüngere Publikum oft digital besser als mit Ausstellungsangeboten. Der Ausbau von Kunsteinrichtungen zu Medienplattformen wird daher mancherorts sehr ernsthaft betrieben."

Ohne die Süddeutsche Zeitung als Quelle zu nennen (blamable Machtpolitik à la deutscher Feuilletonjournalismus) geht Patrick Bahners in der FAZ auf Vorwürfe gegen die Gurlitt-Taskforce ein, die bisher noch keine wirklichen Ergebnisse gebracht habe (unser Resümee) und nimmt die Vorsitzende Ingeborg Berggreen-Merkel in Schutz: "Einiges von den anonymen Rügen ist manifester Unfug."