9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2015 - Kulturpolitik

Als komplettes Debakel und riesige Blamage werten Catrin Lorch und Jörg Häntzschel in der SZ die Arbeit der Taskforce, die den Gurlitt-Nachlass erforschen sollte und in zwei Jahren Arbeit praktisch nichts zustande gebracht hat. Vier Werke wurden als Raubkunstfälle bestätigt, bei denen es vorher schon feststand, bei 500 weiteren Werke ist nichts geschehen. Lorch und Hätzschel erklären das Versagen so: "Die meisten Mitglieder waren nicht Provenienzforscher, sondern Repräsentanten und Funktionäre. Statt um Aufklärung ging es um eine diplomatische Performance. Bis sich die Gruppe erstmals traf, verstrichen drei Monate. Die Juristin Berggreen-Merkel, die sich zum ersten Mal mit Provenienzforschung beschäftigte, erwies sich als unfähig, die Arbeit sinnvoll zu strukturieren."

Krzysztof Mieszkowskis Breslauer Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück "Der Tod und das Mädchen" hat den Wirbel verursacht, den man sich vielleicht gewünscht hat (mehr hier), dennoch sieht in der FR Jan Opielka in den Protesten wütender Katholiken gegen Pornografie und Unsitte nur einen Vorgeschmack auf Kommendes. "Seit die PiS in Warschau regiert, sind die Ängste vor politischen Eingriffen und radikalen Änderungen in Kultur und Medien durchaus begründet. Zwar hatte das Kulturministerium in seiner Protestnote gegen die Breslauer Inszenierung mitgeteilt, dass es nicht vorhabe, 'irgendwelche Formen von Zensur einzuführen'. Doch Piotr Glinski, einer der Vizes von Premierministerin Beata Szydlo, ist Minister nicht für Kultur, sondern auch für 'nationales Erbe'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2015 - Kulturpolitik

Nach dem Kunstraub im Museo Civico di Castelvecchio in Verona ärgert sich FAZ-Redakteur Niklas Maak über die italienische Kulturpolitik: "Wenn in Italien Geld für Kultur ausgegeben wird, dann fließt es häufig in zweifelhafte Prestigeprojekte, mit denen sich das Land verzweifelt von dem Ruf befreien will, ein reines Freilichtmuseum für vergangene Epochen und Jahrtausende zu sein." Und das wunderbare, übrigens von Carlo Scarpa gestaltete Museum von Verona bekommt nicht genug Geld, seine Kunstwerke zu schützen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2015 - Kulturpolitik

Nach Dirk Schümer plädiert jetzt auch Hermann Parzinger in der Welt dafür, Flüchtlinge in die Museen zu schicken und macht Angebote: "Wirklich interessant wird es dann, wenn Flüchtlinge und Zuwanderer nicht nur zu Besuchern, sondern auch zu Multiplikatoren werden. Das Museum für Islamische Kunst hat dabei ein Rezept gegen die vermutete Schwellenangst gefunden: Geflüchtete aus dem Irak und Syrien sollen in den nächsten Monaten das Angebot erhalten, als freiwillige Guides durch das eigene Kulturerbe - das ja auch ein gemeinsames ist - zu führen. Sie werden ihren Landsleuten dann auf Arabisch erklären, was diese Objekte ihnen und uns bedeuten. ... Die Flüchtlinge erfahren Stärke durch Bildung und Anerkennung ihrer kulturellen Identität, die uns viel bedeutet."

Ebenfalls in der Welt verabschiedet Dankwart Guratzsch das Eigenheim als deutsche Utopie.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2015 - Kulturpolitik

Der Bankier Michael A. Gotthelf polemisiert in der Welt gegen das geplante Kulturgutschutzgesetz: "Auch das wäre doch noch ein interessantes Betätigungsfeld für regulierungswütige Politiker: Transferverbote für deutsche Fußballer ins Ausland; und wie viele ausländische Aktionäre hat eigentlich Borussia Dortmund?"
Stichwörter: Kulturgutschutzgesetz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.11.2015 - Kulturpolitik

Jörg Häntzschel und Catrin Lorch resümieren in der SZ nochmal die Debatte um das Kulturgutschutzgesetz, das jetzt im Kabinett beraten wird. Und sie machen eine Beobachtung: "Dass das frühestens im nächsten Sommer in Kraft tretende Gesetz bereits jetzt Auswirkungen hat, kann erleben, wer sich bei einem auf Kunst spezialisierten Transportunternehmen nach Terminen erkundigt. Sie sind derzeit ausgebucht."
Stichwörter: Kulturgutschutzgesetz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2015 - Kulturpolitik

Die Kuratorin Anda Rottenberg hofft in der SZ, dass die neue PiS-Regierung nicht die polnische Kulturlandschaft verheert, die in den vergangenen Jahren von den liberalen Kulturpolitikern so zum Blühen gebracht wurde: "Gemäß dem ärztlichen Prinzip des primum non nocere - erst einmal nicht schaden - ließen sie den Institutionen freie Hand. Die relativ üppigen staatlichen Fördermittel wurden von kompetent besetzten Fachkommissionen in einem transparenten Antragsverfahren vergeben. Gefördert wurden so vor allem Projekte von künstlerisch hohem Anspruch. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen: Die Neubelebung des polnischen Kinos - man denke nur an Paweł Pawlikowskis Oscargewinner 'Ida' -, spannende Opernproduktionen wie Elżbieta Sikoras 'Marie Curie', neue Theaterarbeiten von Krzysztof Warlikowski und Zbigniew Jarzyna, herausragende Ausstellungen in polnischen Museen und Galerien sowie die gefestigte internationale Position der polnischen Kunst."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2015 - Kulturpolitik

In der taz porträtiert Christian Schneider Bundeskulturministerin Monika Grütters für die Reihe "Frauen an der Macht", und sie verspricht, in ihrem Kampf für ihr Kulturgutschutzgesetz nicht nach zu lassen. In der Welt erklärt Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, der ehemalige Kulturdezernent von Düsseldorf, warum dies Gesetz seiner Ansicht nach ein Angriff auf die Sammler ist. Ebenfalls in der Welt erzählt Sven Felix Kellerhoff die komplizierte Geschichte des in Berlin ausgestelten Welfenschatzes, um den es Stret zwischen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Erben jüdischer Künsthändler gibt. Auch Patrick Bahners erläutert in der FAZ den Streit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2015 - Kulturpolitik

Die FAZ setzt ihre Debatte über Sinn und Zweck von Museen heute fort. Der Kunstkritiker Walter Grasskamp beklagt, dass nur eine Funktion der Museen , das Zeigen (am liebsten in Wechselausstellungen), heute privilegiert wird: "Nur wenn es solche massentauglichen Attraktionen hervorbringt, werden die Gründungsaufgaben des Sammelns, Bewahrens und Erforschens in der Politik überhaupt noch halbwegs ernst genommen. Ganz ernst nimmt sie aber auch dort niemand mehr, denn sonst würden die Ankaufsetats erhöht statt gestrichen, die Restaurierungswerkstätten ausgebaut statt ausgelagert und die Forschung kameralistisch verankert statt Stiftungen überantwortet." Grasskamp bezieht sich auf einen Artikel der Stuttgarter Museumsleiterin Christiane Lange, die einen Overkill an zeitgenössischer Kunst in den Museen angeprangert hatte (unser Resümee).
Stichwörter: Kunstkritiker, Museen, Kunstkritik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2015 - Kulturpolitik

In der FR sorgt sich Harald Jähner um den Fortbestand der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin: "Es gehört zur traurigen Komik der Berliner Baugeschichte, dass das einzig am Schinkelplatz verbliebene historische Gebäude Schaden nimmt durch historisierende Protzbauten, die von der Aura des Geländes nicht nur nippen, sondern sie gleich ganz verschlingen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.10.2015 - Kulturpolitik

In der NZZ versteht Joachim Güntner, warum ausgerechnet der eher aufgeschlossene Deutsche Kulturrat plötzlich Deutsch im Grundgesetz verankern will - was bisher nur der Verein Deutsche Sprache als Hüter der Nationalkultur forderte. Er will Deutschkursen für Einwanderer einen höheren Stellenwert verschaffen. "Wie auch immer man Position bezieht: Ein Missverständnis ist vor aller Diskussion auszuräumen. Ein Verfassungszusatz der gewünschten Art ist kein Sprachgesetz. Er wird den Sprachwandel, den besorgte Geister als Sprachverfall empfinden, nicht aufhalten, nicht einmal regulieren können."

In der Welt konstatiert Stefen Keim, dass skandalös sich verteuernde Theaterrenovierungen mit den Fällen Berlin, Köln und jetzt Düsseldorf so langsam zum Trend werden. In der FAZ schreibt Luisa Maria Schulz über den zaghaften Neubeginn des "Petersburger Dialogs" über Fragen von Beutekunst.