9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.01.2016 - Kulturpolitik

Heftige Kritik übt Thomas E. Schmidt in der Zeit an Monika Grütters und dem Humboldt-Forum, wie es sich jetzt darstellt. Allein die Zusammensetzung der Betriebs-GmbH (so heißt sie wirklich) beweist ihm: "Hier schafft der Staat wieder einmal ein selbstreferenzielles System, in dem Beamte herrschen. Sämtliche Konflikte der Entstehungsgeschichte werden sich außerdem in diesem Konstrukt verewigen. Die Strukturfehler der deutschen Kulturpolitik, hier werden sie noch einmal gemacht." Und inhaltlich sieht Schmidt den Zug in Richtung Deutschland-Fixierung "nur noch schwer aufzuhalten. Diese Fixierung bleibt gerade dann hartnäckig bestehen, wenn sich die Bundesrepublik im Schloss einseitig als weltoffenes, kosmopolitisches und universell interessiertes Land im humboldtschen Geiste präsentiert. Das wäre dann eine Art nation branding."

Im beigestellten Interview hat der Ausstellungsmacher Bonaventure Ndikung diese Frage ans Forum: "Es geht ja zum größten Teil um Objekte aus dem Nichtwesten. Die Frage ist, wie viele Afrikaner, Araber, Lateinamerikaner und Asiaten im kuratorischen Team des Humboldt-Forums sitzen, wie viele von denen haben leitende Positionen?" (Antwort: keine)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2016 - Kulturpolitik

Eine noch weitergehende Verunstaltung der Berliner Mitte durch unfähige Gremien droht. Dankwart Guratzsch verzweifelt in der Welt geradezu an der Baupolitik des ehemaligen Bausenators und jetzigen Regierenden Bürgermeisters Michael Müller: "Von Schönefeld bis Tempelhof, von der Friedrichswerderschen Kirche bis zur Staatsoper und zu der in den Sand gesetzten IBA-Planung pflastern Baudebakel in historisch beispielloser Häufung seinen Weg."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2016 - Kulturpolitik

Die unglückliche "Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung" rührt sich nicht bei der aktuellen Flüchtlingskrise. Felix Ackermann, Historiker an der Europäischen Humanistischen Universität in Wilna, einer weißrussischen Exiluniversität, bedauert das in der FAZ: "Es war eine wichtige Leistung von Erika Steinbach, das Thema Zwangsmigration in der Berliner Republik zu verankern... Doch jeder konkrete Ansatz muss sich daran messen lassen, ob er in der Lage ist, die deutsche Erfahrung im europäischen beziehungsweise globalen Gedächtnis zu verorten, und daran, ob es ihm gelingt, diese historische Erfahrung in der Gegenwart verständlich zu machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2016 - Kulturpolitik

In der Berliner Zeitung bemerkt Nikolaus Bernau zu Neil MacGregors Amtsantritt am Berliner Humboldt-Forum, dass die eine oder andere Frage bisher nicht geklärt wurde: "Für manches wird die Einsicht der Politik, dass ohne Inhaltsidee nicht gut bauen ist, zu spät kommen. Wie viele dem Zweck des Gebäudes, ein Museums- und Veranstaltungszentrum zu sein, skandalös widersprechende Planungen hätten vermieden werden können, wenn es von Anfang an eine mit Vetorecht versehene, nur für die Inhalte zuständige Person in der Schlossbaustiftung gegeben hätte. Kaum wäre dann das Hauptgeschoss für Bibliotheken reserviert worden, sicher wären angemessen hohe und weite Ausstellungssäle für die Museen geschaffen worden. Stattdessen wurde jahrelang über die leidige Fassadenfrage debattiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2015 - Kulturpolitik

Wütend prangert Regina Mönch in der FAZ unfähige Berliner Politiker an, die den Bauherrn auf dem Grundstück neben Schinkels Friedrichswerderscher Kirche einen Freibrief gaben, in mürbem Baugrund eine Tiefgarage auszuheben. Die Kirche hat es innerlich förmlich zerrissen, sie wird nur noch von Gerüsten zusammengehalten: "Die Fortsetzung ist in Arbeit, denn trotz öffentlicher Proteste wird nun auch die zweite Tiefgaragengrube ausgehoben. Im Rathaus, dem auch die Kronjuwelen der Baukunst anvertraut sind, hält das dröhnende Schweigen der Zuständigen an. Der Landeskonservator sei krank, heißt es auf Anfrage, und überhaupt sei nun die 'Untere Denkmalschutzbehörde Mitte' zuständig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2015 - Kulturpolitik

Atrium der Villa des Paquius Proculus in Pompeii. Foto: Carole Raddato, Wikimedia Commons, CC.

Pompeji ist doch noch nicht verloren, freut sich Regina Kerner in der FR, zu Weihnachten wurden die ersten sanierten Häuser fertig und wieder zugänglich: "Eines der frisch restaurierten Privathäuser ist das Domus Criptoporticus, benannt nach einer Geheimtür im Garten. Die Villa aus dem 2. Jahrhundert vor Christus hatte eine private Sauna und ist mit Wandmalereien dekoriert, die von Homers 'Ilias' inspiriert wurden. Die feuchten Mauern sind getrocknet worden, die Fresken restauriert. Ein Dach schützt das Haus jetzt vor Regen, dem größten Feind Pompejis. Wieder zugänglich ist auch die Villa des Paquius Proculus, einem Kandidaten für das Bürgermeister-Amt. Auf der Hausfassade ist sein Wahlprogramm aufpinselt."

Im SZ-Interview mit Joseph Hanimann erläutert der Direktor des Pariser Louvre, Jean-Luc Martinez, seine Vorschläge zum Schutz des Weltkulturerbes in Kriegsgebieten: "Man muss den Verdacht vermeiden, hier würden westliche Vorstellungen darüber durchgesetzt, was als Weltkulturerbe schützenswert sei. Bedeutende Bauwerke und Kulturschätze müssen von allen als Universalerbe wahrgenommen werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2015 - Kulturpolitik

Der 83 Jahre alte tschechische Holocaust-Überlebende Otto Maier fordert ein Gemälde - "Adonis und Amoretti" aus der Werkstatt von Francesco Albani - zurück, das einst seiner Familie gehörte und das heute als Leihgabe des Bundes in Kassel hängit, aber das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) erkennt seine Ansprüche nicht an, schreibt Eva Gruberovà in einer Recherche für die FAZ: "Der 'Adonis'-Fall zeigt, wie problematisch diese Praxis ist. Zahlreiche Dokumente widersprechen der Einschätzung des BADV, das Gemälde sei nicht verfolgungsbedingt entzogen worden. Von der Entscheidungsfindung sind Vertreter von Opferverbänden und die Erben allerdings ausgeschlossen, eine unabhängige Institution für Streitfälle gibt es nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2015 - Kulturpolitik

Monika Bollinger trifft für die NZZ in Damaskus den Leiter der syrischen Antikenbehörde, Maamun Abdulkarim, der auf ziemlich verlorenem Posten für Syriens Kulturerbe kämpft: "Der IS ist bei weitem nicht der einzige Akteur, der für Zerstörung verantwortlich ist. Quantitativ haben das Regime und verschiedene syrische Rebellengruppen die größeren Schäden verursacht. Beide Seiten nutzen solche Stätten bei Kampfhandlungen ohne Rücksicht auf Verluste. Man erinnert sich wohl an den ausgebrannten jahrhundertealten Basar von Aleppo oder die schwer beschädigte Umayyaden-Moschee in der umkämpften nordsyrischen Metropole. Doch weil diese Art der Zerstörung weder gezielt geschieht noch mit medienwirksamen Propagandafilmen inszeniert wird, erhält sie weniger Aufmerksamkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2015 - Kulturpolitik

Felix Ackermann schildert in der NZZ, welche Häme sich Swetlana Alexijewitsch in Belarus gefallen lassen muss, das sich so gar nicht über seinen ersten Nobelpreis nach 25 Jahre Unabhägigkeit freuen woltle. Unter anderem als Heulsuse oder Putzfrau wurde sie tituliert: "Präsident Lukaschenko ging darauf nicht ein und begann schon bald, nicht namentlich genannte Künstler als 'vaterlandslose Gesellen' zu kritisieren, die 'eimerweise Gülle über ihrer Heimat ausgießen'."

Für die Welt besucht Johny Erling neue Räume des Goethe-Insituts in Peking. Und Rose-Maria Gropp unterhält sich in der FAZ mit Bernhard Maaz, dem äußerst diplomatisch gestimmten Chef der Pinakotheken, über das Kulturgutschutzgesetz und die Auswirkungen auf die großen Museen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2015 - Kulturpolitik

Almuth Spiegler unterhält sich in der Presse mit Syriens unglücklichem Denkmal-Chef Maanoun Abdulkarim, der derzeit in Europa unterwegs ist, um ein Bewusstsein für den illegalen Handel mit antiker Kunst zu schaffen. "Früher ist er öfter mit seinen Kontaktaufnahmen gescheitert, 'weil wir öffentlich, staatlich sind, wie der Denkmalschutz es überall ist'. Aber heuer gelang ihm die Vernetzung schon besser. 'Wenn man nicht mit uns zusammenarbeitet, unterstützt man damit automatisch die Mafia', betont er. Und diese ist enorm aktiv, 6.500 gestohlene Artefakte hat die syrische Polizei bisher beschlagnahmt. An der Grenze zum Libanon, dessen Behörden als einzige eines Nachbarlandes mit ihnen zusammenarbeite, so Abdulkarim, waren es mehrere hundert. Die Türken hätten rund 2.000 Objekte an den Grenzen abgefangen, das wisse er. 'Aber wir wissen nicht, welche, Fotos werden uns trotz Interventionen verweigert', beklagt der Denkmal-Chef."