Vor einem Jahr tobte die Affäre um den
Bild-Chefredakteur
Julian Reichelt. Damals stieg die Funke-Mediengruppe unter
Julia Becker - Erbin der
WAZ-Gruppe - aus dem Zeitungsverlegerverband BDZV aus. Dessen Chef war damals der Springer-Vorstandsvorsitzende
Mathias Döpfner. Becker begründet ihren Ausstieg heute in der
SZ mit feministischen Argumenten: "Spätestens da ist klar geworden, dass der Verband dringend einer Erneuerung bedarf: einer Erneuerung vor allem der Kultur und führenden Köpfe, aber auch der Strukturen. Wir hätten uns ein paar mehr Stimmen von Branchenvertreterinnen und -vertretern gewünscht, die das Bedürfnis haben,
den Machtmissbrauch und seine Hintergründe zu benennen und - soweit das überhaupt geht - wiedergutzumachen."
Dass sexistischer
Machtmissbrauch auch in aktuellen Medien noch vorkommt, zeigt die Geschichte der Redakteurin
Anuschka Roshani, die jahrelang als Blattmacherin beim
Magazin, dem Wochenmagazin des Zürcher
Tages-Anzeigers gearbeitet hat und ihren Chef Finn Canonica beschuldigt, sie übel gemobbt zu haben. Als sie sich beim
Tages-Anzeiger beschwerte, wurde sie
entlassen. Im
Spiegel schildert sie ihre Geschichte, die bei
Zeit online (
hier) aufgegriffen wird. "Hinter meinem Rücken nannte er mich vor einer Kollegin 'die Ungefickte'. Sagte coram publico zu mir, mein Mann habe 'einen kleinen Schwanz'. Brüstete sich in meinem Beisein vor Kollegen mit einem scheinbaren Exklusivwissen über mein Liebesleben: dass ich zu Beginn meiner
Magazin-Zeit öfter die Männer gewechselt hätte. In der Redaktion tat man trotzdem so, als wäre Canonica
einfach nur ziemlich verquer. Als hätte er einen Spleen, mit dem man sich halt arrangieren müsse."
Der Artikel offenbart Abgründe über die Schweizer Medienszene,
schreibt Nadine A. Brügger in der
NZZ: "2021 prangerten 78 Tamedia-Journalistinnen in einem Brief ein sexistisches und
frauendiskriminierendes Betriebsklima bei dem linksliberal positionierten Medienhaus an. Aussagen wie: 'Da bei dir im Hintergrund schreit ein Kind, habe ich das mit dir gezeugt?' würden in Sitzungen toleriert, Frauen aufgrund ihres Geschlechts weniger gefördert."