Die große Reporterin
Marie-Luise Scherer ist gestorben. In der
FAZ erinnert sich Katharina Teutsch an sie: "Fotografen sprechen von einem farblichen Mittelwert. Scherer hatte keinen. Sie war
immer nur radikal. Radikal war auch ihr Blick, der nichts und niemanden schonte. Etwa in einer Reportage über eine in Kreuzberg verschollene junge Westdeutsche. Bei aller Sympathie für die
Hausbesetzerszene erkennt Scherer Mitte der Achtzigerjahre den
fundamentalen Widerspruch im System: 'Dem
unfehlbaren Nichtnormalen ist jeder faschistisch, der Anzeichen von Versöhnung mit dem 'Schweinesystem' zeigt.'"
Spon hat einige ihrer Reportagen
freigeschaltet., darunter auch
"Der unheimliche Ort Berlin", über die Teutsch spricht. Auf der Medienseite der
SZ schreibt Willi Winkler. Einen Nachruf auf die Kollegin scheint man beim
Spiegel nicht vorbereitet zu haben, immerhin
verweist das Blatt auf einige ihrer Reportagen, die sich noch im Archiv finden, darunter ihre wohl bekannteste,
"Die Hundegrenze".

Die philippinische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin
Maria Ressa glaubte lange an den
Nutzen der sozialen Medien, gründete sogar selbst welche. Heute ist sie "überzeugt, dass soziale Medien zu einem Instrument geworden sind, mit dem illiberale Politiker
Wahlen manipulieren und ihre Länder in Autokratien verwandeln können", wie sie in ihrem
neuen Buch schreibt und im Interview mit
Zeit online erklärt. "Für
investigativen Journalismus bedeutet das: Unsere Arbeit wird in sozialen Netzwerken allzu leicht unter einem Berg von Lügen begraben. So werden wir
unserer Bedeutung beraubt. ... Wir brauchen einen Entzug. Deshalb fordere ich gemeinsam mit Dmitri Muratow, dem Chefredakteur der russischen Zeitung
Nowaja Gaseta, mit dem ich vor einem Jahr den Nobelpreis bekommen habe: Reguliert die Algorithmen. Stoppt die Voreingenommenheit in digitalen Programmen. Und
stärkt Journalismus als Gegenmittel der Tyrannei. Denn wir Journalisten, wir sind keine Inhaltsschleudern, wir sind keine Influencer, es geht nicht um Popularität. Wir
ziehen die Mächtigen zur Rechenschaft.
Wenn die Trennung zwischen bösen sozialen Medien und gutem Journalismus nur so einfach wäre:
Silvio Berlusconi steht offenbar kurz davor, mit seinem Medienimperium die deutsche Sendergruppe
ProSiebenSat.1 zu übernehmen,
meldet unter anderem die
FAZ.