9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2020 - Medien

In der taz wiegelt Barbara Junge die Kritik an Hengameh Yaghoobifarahs Kolumne ab, die die Polizei auf den Müllhaufen fantasiert hatte: "Satire darf fast alles - und greift manchmal in seiner Wortwahl daneben. Niemand in der taz bezeichnet Menschen ernsthaft als Abfall."

Auf der Medienseite der FAZ weist Michael Hanfeld darauf hin, dass die Beitragserhöhung für ARD und ZDF um 86 Cent im Monat angesichts der Mehrheitsverhältnisse in den Ländern keineswegs gesichert sei.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2020 - Medien

FAZ.net meldet, dass die Polizeigewerkschaft Strafanzeige gegen Hengameh Yaghoobifarah gestellt hat, die in ihrer taz-Kolumne "Habibitus" die Entsorgung der Polizei auf dem Müll fantasiert hatte: "All Cops are berufsunfähig."
Stichwörter: Yaghoobifarah, Hengameh

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2020 - Medien

Gestern hatte die FAZ berichtet, dass eine für die gestrige Ausstrahlung geplante SWR-Dokumentation über den Ausbruch der Coronakrise in Wuhan problematisch sei, weil sie zum großen Teil auf dem Material eines chinesischen Propagandabüros beruht (Unser Resümee). Ursprünglich hatte die SZ das Thema aufgebracht. Kurzfristig wurde die Sendung nun wegen Rechteproblemen abgesetzt, berichtet Klaus Raab in Spiegel online. Raab hat die Dokumentation gesehen, die mehrfach auf die Problematik der Bilder hinweise. "Nur: Kann man eine Dokumentation, die zu weiten Teilen aus Bildern besteht, denen man nicht trauen kann, retten, indem man immer wieder den Hinweis einstreut, dass man ihnen nicht trauen kann? Und war man wachsam genug?"

Die australischen Wettbewerbsbehörden wollen, dass Facebook und Google für die Verlinkung von Medieninhalten zahlen, berichtet Friedhelm Greis bei golem.de. Er sieht in dem australischen Vorstoß eine Parallele zum europäischen Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Aber Facebook will nicht zahlen: "Nach Ansicht Facebooks sollten zwei Unternehmen nicht alleine dafür verantwortlich sein, die finanziellen Probleme der australischen Medien zu lösen. Stattdessen konkurrierten IT-Konzerne mit den Medien um die Werbeerlöse. Daher würde eine Abgabe von Werbeerlösen an die Medien bedeuten, dass ein Wettbewerber finanziert werde. Das könnte zu höheren Preisen führen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2020 - Medien

Die ARD sendet heute eine Doku über China und die Coronakrise. Dabei haben sich die Filmemacher vom "China Intercontinental Communication Centre" (CICC) "beraten" lassen (das Angebot, gleich einen Film dieses Büros, das sonst die Führerschaft Xi Jinpings preist, zu senden, hat man allerdings abgelehnt). Friederike Böge, Peking-Korrespondentin der FAZ, hat sich den Film kritisch angesehen: "Die Filmemacher bemühen sich, auf Distanz zu ihrem Material zu gehen: Es vermittle 'kein vollständiges Bild' und sei 'unter nicht nachvollziehbaren Umständen' entstanden. Viele Fragen müsse der Film unbeantwortet lassen. Doch er zeichnet ein Bild, das sich mit dem offiziellen Narrativ auf bedenkliche Weise überschneidet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2020 - Medien

"Die Zeit der Neutralität ist vorbei", hat der Spiegel-Redakteur Philipp Oehmke neulich geschrieben und einen parteiischen Journalismus gefordert (unser Resümee). "Helm auf, rein ins Getümmel", antwortet der ungläubige Welt-Autor Thomas Schmid in seinem Blog (ohne einen Link auf den Kollegen zu setzen und ihn namhaft zu machen, was sich in einem Blog eigentlich gehört): "Der Mann merkt offensichtlich gar nicht, dass er nur mehr vom Gleichen will. Wie in den Geistes- und Sozialwissenschaften eine Forschung im Vordringen ist, die von politisch gesetzten Werturteilen und -präferenzen ausgeht, so hat dem auch der Journalismus die Tore geöffnet. Und zwar auf beiden Seiten des politischen Spektrums."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2020 - Medien

Eine ziemlich krasse These entwickelt Philipp Oehmke in Spiegel online zur Affäre um einen Meinungsredakteur der New York Times, der nach dem Ärger über den Gastartikel eines Trump-Anhängers gegangen ist (unser Resümee). Die Idee eines neutralen Journalismus, der andere Standpunkte zulasse, sei im Trump-Zeitalter obsolet, so Oehmke. Und mehr noch: "Das Scheitern der sogenannten Mainstream-Medien an Donald Trump und seinen Anhängern liegt genau darin begründet. Donald Trump konnte überhaupt nur gewählt werden, weil die New York Times oder der Nachrichtensender CNN mit ihrem Anspruch auf journalistische Fairness den abstrusesten Faktenverdrehungen immer wieder Raum gegeben haben."

In der NZZ schreibt Sarah Pines: "Ausmerzen, wegmachen, statt die Konfrontation und den Austausch zu suchen. Aber die Demokratie, sie braucht doch die Öffentlichkeit, die Debatte, den Konflikt? Pustekuchen!, schreit die innere Stimme beim Anblick der von Hashtags und selbstgerechten Anklagen dominierten Medien in einem Amerika, das seine Geschichte lieber ins Wasser wirft, statt sich mit ihr auseinanderzusetzen und zu sagen: Ja, so war es halt."
Stichwörter: New York Times, Trump, Donald, Cnn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2020 - Medien

Bemerkenswert ein kurzer Nachruf der Spiegel-Chefredakteurin Barbara Hans auf den Kollegen Christoph Sydow, der sich das Leben genommen hat - bemerkenswert, weil Sydows Familie ausdrücklich nicht wollte, dass der Grund für seinen Tod verschwiegen wird: "Es ist der Wunsch von Christophs Familie, dass hier nicht zu lesen ist, Christoph sei 'plötzlich und unerwartet' verstorben. Dass wir uns nicht verstecken hinter Floskeln und so doch nur Gerüchten und Spekulationen den Weg bereiten. In Deutschland sterben in einem Jahr mehr Menschen durch einen Suizid als durch Verkehrsunfälle, Drogen und HIV zusammen - aber nur selten wird darüber gesprochen."
Stichwörter: Suizid, Der Spiegel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2020 - Medien

In der Redaktion der New York Times entstand Aufruhr, weil auf der Medienseite ein Artikel des Senator Tom Cotton erschien, der eine militärisch harte Antwort auf Ausschreitungen bei Protesten forderte (unser Resümee). Inzwischen  hat der Medienredakteur gekündigt (mehr hier). Hier drückt sich ein Konflikt in vielen News Rooms aus, schreibt der Medienkolumnist der New York Times, Ben Smith. Eine Linie, die strikte Neutralität der Redaktionen fordere, sei nicht mehr durchzuhalten, es entsteht eher ein antirassistischer Ton in der Berichterstattung, der etwa von dem Washington-Post-Journalisten Wesley Lowery verkörpert werde:  "Der Konflikt führte in den letzten Tagen zu öffentlichen Protesten bei der Times und zum Rücktritt des Chefs der Meinungsseiten am Sonntag. Im Philadelphia Inquirer trat der Chefredakteur am Samstag nach der Schlagzeile 'Gebäude zählen auch' und dem nachfolgenden Ärger in der Belegschaft zurück... Und in der Washington Post führte der Konflikt zu einer schleichenden Zerrüttung, nachdem Lowery die Zeitung zu Beginn des Jahres verließ und damit auf Drohungen des Chefredakteurs Martin Baron reagierte, der ihm Kündigung wegen seiner Tweets über Hautfarbe, Journalismus und anderer Themen androhte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.06.2020 - Medien

Über den Rassismus in den USA wird in Deutschland besonders gern in Talkshows diskutiert, die alles andere als divers besetzt sind, ärgert sich Dunja Ramadan und erinnert daran, dass jeder fünfte Deutsche einen Migrationshintergrund hat, aber nur jeder fünfzigste Journalist. "Stattdessen stellen Journalisten Menschen mit Rassismuserfahrungen gern in die Betroffenen- statt in die Expertenecke, während weiße Gesprächspartner als sachliche, unvoreingenommene Beobachter gelten, die das Ganze für die Mehrheitsgesellschaft einordnen können. Was dabei übersehen wird: Objektive, seriöse Berichterstattung über Rassismus ist nur möglich, wenn die Stimmen einer sichtbaren Minderheit Gehör finden."

Weiteres: Bei der New York Times tobt derweil, wie unter anderem The Daily Beast berichtet, die Diskussion um einen Beitrag auf der Meinungsseite, in dem Senator Tom Cotton "Send in the Troops" verlangte: "Bei der Mitarbeiterversammlung am Freitag entschuldigten sich die leitenden Redakteure, einer nach dem andem, für diesen Meinunsbeitrag. Sie mussten auch zugeben, dass die Zeitung tatsächlich Cotton gebeten hatte, das Stück zu schreiben. Der stets in der Diskussion stehende Meinungsredakteur James Bennet gab ein Mea Culpa aus, sein Ressort sei vom Nachrichtenaufruhr überrollt, er werde die Ressortpolitik überdenken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2020 - Medien

Die Klage der in der AG Media organisierten deutschen Presseverlage gegen Google, die das deutsche Leistungsschutzrecht erzwingen sollte, ist von den Verlagen nun nach Jahren furchtloser Auseinandersetzung zurückgezogen worden, meldet unter anderem Zeit online: "Für den Zeitraum der Klage zwischen 2013 und 2016 hatten die Verlage Schadensersatz von bis zu einer Milliarde Euro gefordert. Die VG Media hatte ursprünglich durch das Verfahren auch herausfinden wollen, welche Umsätze Google in Deutschland generiert, um daraus Schadensersatzansprüche berechnen zu können." Man hofft jetzt auf das europäische Leistungsschutzrecht.