Google will einigen Presseverlagen (
Spiegel,
FAZ,
Zeit) Geld dafür zahlen, dass es Inhalte auf seiner News-Seite anzeigt. (
Unser Resümee) Doch nur auf den ersten Blick sieht das dem
Leistungsschutzrecht ähnlich, gegen das sich Google seit Jahren wehrt,
berichten Elisa Britzelmeister und Max Muth in der
SZ, die eine solche Vereinbarung nicht getroffen hat: "Ein Unterschied zwischen Leistungsschutzrecht und der neuen Vereinbarung von Google: Der Konzern kann detailliert mitbestimmen, wie die Zusammenarbeit mit Verlagen konkret aussieht. Es ist nicht abwegig, dass der Konzern durch den Deal mit einigen Verlagen den politischen und
juristischen Druck abzumildern versucht. Ob Google pro Artikel zahlen wird und wie viel Geld genau fließt, dazu äußern sich auf
SZ-Anfrage weder Google noch die Verlage. Aus einem großen deutschen Medienhaus heißt es laut Reuters,
der Betrag sei angemessen: 'Nicht zu viel, aber auch nicht Peanuts.'"
In
Nieman' Lab meldet unterdessen Ken Doctor, dass sich die
New York Times aus
Apple News zurückzieht: "'Es ist an der Zeit, unsere
Beziehungen zu allen großen Plattformen auf den Prüfstand zu stellen', sagt NYT-COO Meredith Levien: 'Wir überprüfen sie anhand
dreier Grundfragen, die miteinander verbunden sind, aber im Verhältnis zu den einzelnen Player unterschiedlich gestaltet.' Leviens drei Fragen sind: 'Welche Rolle spielt der Konzern dabei, der Times Publikum zu bringen? Welche Rolle spielt der Konzern dabei, uns in unserem Hauptziel weiterzubringen, das heißt einen direkten Bezug zu den Menschen zu erreichen, so dass sie sich
an die Zeitung binden und bezahlen? Wer zieht
welchen Nutzen aus der Verbindung: Wie erkennen die Konzerne den Wert an, den unsere Investition in echten Journalismus für sie bedeutet?"
Mit
drei Frauen in der Chefredaktion stand die
taz bisher vorbildlich dar - bis zur Affäre um die Polizei-Kolumne der Autorin
Hengameh Yaghoobifarah. Jetzt besteht die Chefetage aus weißen Frauen,
bemerkt Harry Nutt, der selbst auch so seine Erfahrungen gemacht, mit leichter Verzweiflung in der
Berliner Zeitung: "Selbst in der debattenerprobten Tageszeitung
taz scheint derzeit kaum jemand zu wissen, wie man
auf die sichere Seite kommt. Nach Seehofers Intervention nämlich setzte eine
hermeneutische Gegenoffensive ein, die Yaghoobifarahs Kolumne als legitime Reaktion vielfacher Diskriminierungserfahrung deuteten und ihr somit eine ganz andere Wahrheit attestierten."
Ein Streit um Worte ist immer auch ein Streit um Absichten und Ziele,
schaltet sich
die Dichterin Ulla Hahn in der
FAZ in die Diskussion um Hengameh Yaghoobifarahs Polizei-Kolumne ein. Hahn plädiert für Achtsamkeit im Umgang mit der Sprache, wird aber bestimmt auf Yaghoobifarahs Zustimmung stoßen: "'Kannst du denn ein Wort so benutzen, wie du es willst?', fragt Alice aus
Lewis Carrolls 'Alice im Wunderland' den verrückten Hutmacher. Und der antwortet: 'Die Frage ist nicht, was ein Wort wirklich bedeutet. Die Frage ist, wer Herr ist und wer nicht.' Diktatoren waren und sind sich der Macht der Sprache stets bewusst. Lenin, der sich viel mit Sprachfragen beschäftigt hat, kam zu dem Schluss: 'Die wesentliche Voraussetzung für die Zerstörung bestehender Ordnungen ist die
Zerstörung der Sprache.'"
Weiteres: Die
NZZ veröffentlicht eine Rede, die der Psychologie
Steven Pinker bei der Jahreskonferenz der Heterodox Academy hielt und in der er erläutert, weshalb es
kein "
postfaktisches Zeitalter" gibt: "Politiker haben immer gelogen. Im Krieg, heißt es, sterbe die Wahrheit zuerst, und das kann genauso für die Politik gelten."