Mehr als
zweitausend Jahre Haft fordert der türkische Staatsanwalt für
Ekrem İmamoğlu, den Präsidentschaftskandidaten der türkischen Opposition, berichtet Raphael Geiger in der
SZ. Während seines Prozesses zeigt sich İmamoğlu ungebrochen kämpferisch und optimistisch, auch im kurzen Brief-Interview mit der
SZ. Wird es das nächste Mal überhaupt noch freie Wahlen in der Türkei geben? "Ich kann natürlich nicht leugnen, dass die Bedingungen schwierig sind. Wir alle sehen, dass die Institutionen geschwächt sind, dass das Recht zum Thema der Debatte geworden ist. Aber wir können einen
demokratischen Wandel erreichen. Mit Geduld, mit Entschlossenheit und indem wir die Wahlurnen verteidigen. Ich glaube sogar, dass die Türkei eine
Vorreiterrolle in der Welt übernehmen kann. Wir sehen, dass mehr und mehr Menschen vorgezogene Wahlen fordern. Wenn Wahlen stattfinden, wird der Wille des Volkes zum Ausdruck kommen, und keine Macht kann sich diesem Willen widersetzen." Am Ende sagt er: "Unterdrücker werden müde."
Im Iran wurden durch Druckwellen von Bombeneinschlägen
wichtige Kulturstätten teilweise schwer beschädigt, berichtet Ulrich von Schwerin in der
NZZ. Der
Golestan-Palast in Teheran ist darunter, oder der
Chehel-Sotoun-Palast in Isfahan: "Isfahans Gouverneur Mehdi Jamalinejad sagte, Isfahan sei 'keine normale Stadt, sondern ein Museum ohne Dach'. Die Regierung habe den Kriegsparteien die Koordinaten der historischen Stätten mitgeteilt. Auch habe sie gemäß den Regeln der Unesco das
blaue Schild auf ihren Dächern angebracht - ein internationales Schutzzeichen für Kulturgut. Dass die Monumente dennoch beschädigt worden seien, sei 'eine Kriegserklärung an die Zivilisation'." Gezielte "Angriffe auf Kulturstätten stellen Kriegsverbrechen dar", erinnert Schwerin.
Etwas widersprüchlich ist, was der politische Ökonom und "sozialistische Aktivist"
Joseph Daher im
Interview mit der
taz über Israels Angriffe im
Libanon sagt: Er beschuldigt einerseits die Israelis, die Raketenangriffe der Hisbollah als
Vorwand zu nutzen, "um den Krieg auszuweiten" und die Schiiten zu vertreiben. Andererseits gibt er zu, dass die Angriffe von der Hisbollah ausgingen, die selbst viele Schiiten satt haben: "Sicher wächst die Frustration und Wut unter den Vertriebenen und sogar in Teilen der Hisbollah-Basis. Die Menschen, insbesondere die schiitische Basis, sind erschöpft. Die Frage ist: Wie wirkt sich diese Frustration politisch aus? Wem werden diese Wähler bei den kommenden Wahlen folgen, die nun um zwei Jahre verschoben wurden?" Es fehle "an einer
politischen Alternative mit demokratischen und sozialen Zielen, die die schiitische Bevölkerung und allgemein die breite Bevölkerung für sich gewinnen könnte. ... Die Hisbollah ist der zweitgrößte Arbeitgeber, nach dem libanesischen Staat. Sie bietet wichtige soziale Dienstleistungen für große Teile der Schiiten. Ein Massenexodus ist unwahrscheinlich."
Was hat Trump mit
Kuba vor? "Ich glaube, ich könnte damit machen, was ich will", sagte er kürzlich, wie Lasse B. Lassen in der
Welt festhält. Der Kritiker zeichnet die turbulente Geschichte zwischen den USA und Kuba nach. Vor allem die Angst vor großen Flüchtlingsströmen sorgt in den letzten Jahren dafür, dass sich die amerikanischen Präsidenten eher zurückhielten: "Es bleibt abzuwarten, ob das Fernziel Washingtons, die Revolutionsregierung in Havanna
zu stürzen, dieses Mal von Erfolg gekrönt sein wird. Eine militärische Intervention wie im Iran ist aus den genannten historischen Gründen auf Kuba zunächst nicht zu erwarten. Andererseits hat der Justizminister von Florida kürzlich erklären lassen, man wolle
Raúl Castro, Fidels Bruder, der seit dessen Tod 2016 als eigentlicher Machthaber Kubas gilt, wegen des Abschusses zweier Flugzeuge einer antikommunistischen Hilfsorganisation im Februar 1996 haftbar machen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl?"