In Israel ist ein Teil der
umstrittenen Justizreform verabschiedet worden. Dagegen protestieren nicht nur ein großer Teil der Zivilbevölkerung, sondern auch
10.000 Reservisten. Im
taz-Interview mit
Judith Poppe spricht der Veteran
Yiftach Golob über den Protest und die nächsten Schritte der Bewegung. "Israel steuert auf eine Verfassungskrise zu. Aber Israel ist in einigen Aspekten einzigartig. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Stärke des israelischen Militärs mit der wirtschaftlichen Kraft als
Start-up-Nation zusammenhängt, genauso wie mit einer unabhängigen Wissenschaft. Diese drei Bereiche hängen voneinander ab - und dieselben Leute halten sie am Laufen. Die derzeitige Regierung mit ihren Ministern, die oft nicht im Militär gedient haben, die an religiösen Schulen studiert haben, sind das
genaue Gegenteil. Wenn wir - also die Vertreter von Wirtschaft, Militär und Wissenschaft - beschließen, dass wir das Land lahmlegen werden, dann werden wir es lahmlegen."
Nach der Verabschiedung seiner umstrittenen Justizreform wendete sich
Premier Netanjahu mit einer Video-Ansprache an die Bevölkerung, in der er die Demonstranten zur
konstruktiven Mitarbeit an dem Gesetz aufgerufen hat, gleichzeitig kündigte sein Koalitionär
Ben-Gvir an, dass dies erst der Anfang gewesen sei. Doch im Land sammelt sich immer mehr
Widerstand wie Peter Münch und Sina-Maria Schweiklin auf der Seite 3 der
SZ schreiben. "Wenn es hart auf hart kommt, müssten sich alle entscheiden, auf welcher Seite sie stehen: die
Armeeführung zum Beispiel, oder die
Geheimdienste. Eine unfassbare Vorstellung in einem Land, das sich bis gestern noch geschlossen als einzige Demokratie im Nahen Osten präsentiert hat. Aber dass inzwischen selbst solche Szenarien durchgespielt werden bis in die höchsten Stellen, zeigt ein Zitat, das in den Medien dem amtierenden
Mossad-Chef zugeschrieben wird. 'Wenn sich eine Verfassungskrise entfaltet', hat demnach David Barnea gesagt, 'werde ich auf der
richtigen Seite der Geschichte stehen.' Welche Seite das ist, wollen Netanjahu und die Seinen wahrscheinlich gar nicht wissen."