Auf
Zeit online plädiert der pakistanischer Wissenschaftler
Syed Qamar Afzal Rizwi für den
Sufismus als Gegenpol zum islamistischen Extremismus: "Die große Stärke des Sufismus liegt darin, dass er einen nachhaltigen Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen anstoßen kann. Zudem verkörpert er den
Geist des säkularen Islams, dessen Ausbreitung in diesen Zeiten wichtiger ist denn je. Weil der Sufismus jede Form von Gewalt ablehnt, kann er als Gegenpol zum gewaltorientierten Extremismus wirken. Seine Konzepte sollten in die Bildungsprogramme der westlichen und arabischen Welt einbezogen werden. So kann der negative Einfluss von Fundamentalisten eingedämmt werden, die den
wahren Geist des Islams zerstören."
Unterdessen wächst in der islamischen Welt eine "
radikale Anti-Sufi-Bewegung", die kürzlich in einem Selbstmordattentat bei einem großen Fest im Sufi-Tempel Sehwan im pakistanischen Lahore gipfelte und
90 Menschenleben kostete,
schreibt William Dalrymple im
Guardian. Er hatte den Tempel vor einigen Jahren besucht und dabei auch mit
Saleemullah gesprochen, dem Leiter einer Madrassa ganz in der Nähe, der aus der Ablehnung des Sufismus keinen Hehl machte: "He saw his role as bringing 'the idol and grave-worshippers from kufr [infidelity] back to the
true path of the sharia'. He said: 'Mark my words, a more extreme form of the Taliban is coming to Pakistan.' Saleemullah claimed most people wanted a
return to the caliphate and said Pakistan's intelligence agencies were on his side. And when the caliphate comes, he said: 'It will be our
duty to destroy all the mazars [mausoleums] and the dargahs [shrines] - starting with the one here in Sehwan.'"
In der
FAZ schreibt
Ilija Trojanow zum Thema, der gerade in Sehwan Sharif war und sich dem Sufismus nahe fühlt. Dieser tolerante Islam verschwindet: "Der wachsende Einfluss der Medresas verdankt sich der Ausbreitung tribaler Haltungen und dem Import
saudi-arabischer Ideologie, vor allem aber - darin sind sich alle Vertreter der Zivilgesellschaft einig - dem dämonischen
Doppelspiel der Armee, die eine Million Mann stark und wohl die professionellste Institution des Landes ist."