Papst Franziskus hat die Mitschuld der katholischen Kirche am
Völkermord in Ruanda in klaren Worten anerkannt,
schreibt François Misser in der
taz. Er sprach von Priestern, die sich "der Gewalt hingegeben und ihre Mission verraten haben". Es hat auch Katholiken gegeben, die den Völkermord bekämpften und dafür ihr Leben ließen, betont Misser. "Aber die Existenz dieser Märtyrer unterstreicht eher, dass sie
die Ausnahme waren. Und nachdem Tutsi-Rebellen Mitte 1994 den Völkermord beendeten und die Hutu-Staatsmacht floh, half weltweit die
katholische Kirche im Einklang mit der europäischen
Christdemokratie, Täter außer Landes zu bringen und ihnen Schutz zu gewähren."
Zugleich prangert eine ganze Gruppe prominenter Autoren in einem von der
taz dokumentierten
Aufruf die
Rolle Frankreichs beim Völkermord in Ruanda an, dessen zunächst von
François Mitterrand protegierte Hauptverantwortliche oft genug unbehelligt in Frankreich leben: "Es ist höchste Zeit, dass alle beteiligten Länder, an erster Stelle Frankreich, die
strafrechtliche Verfolgung, mit Auslieferung nach Ruanda oder Gerichtsverfahren im Land ihres Aufenthalts, von Völkermordtätern und ihren Komplizen ins Zentrum ihrer Strafrechtspolitik stellen."
In der
FR plädiert Klaus Staeck dafür, das
Neutralitätsgebot der Berliner Verfassung (
Art. 29) endlich ernst zu nehmen: "Einen der schönsten Eiertänze in dieser Causa führt der neue Berliner Kultursenator
Klaus Lederer von der Linkspartei auf, wenn er einerseits in der
taz erklärt, die strikte Trennung von Staat und Religion sei richtig, andererseits jedoch zu Protokoll gibt: 'Wenn die Praxis aber anders aussieht, muss das Gesetz diskutiert und in der Konsequenz auch
aufs Neue verhandelt, überarbeitet werden.' Man könnte ein solches Denken auch als überholende Kausalität einstufen. Wird ein Gesetz nur häufig genug durch praktisches Handeln
unterlaufen, kann man es auch von der Legislative zur Disposition stellen."
Außerdem: Frederik Schindler
schildert in der
taz den Fall des religionskritischen Bloggers
Mishu Dhar, der nach
Bangladesch zurückgeschickt werden soll - trotz der bekannten und straflos bleibenden islamistischen Mordpolitik gegen Kritiker in diesem Land. Und
Seyran Ates beschreibt im Interview noch einmal die
liberale Moschee, die sie gerade mit anderen - hauptsächlich schweizer - Muslimen gründet: "Wir sind Sunniten, Schiiten und Aleviten, bei uns sind auch alle geschlechtlichen Identitäten willkommen. Es gibt ja viele Schwule und Lesben, die in die Moschee gehen und den Islam verstehen wollen. Die haben bis heute
keinen Ort dafür."