9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 64 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.03.2016 - Religion

Ein Großteil des Hasses auf den Westen in islamischen Ländern speist sich laut dem Politologen André Grjebine in huffpo.fr aus dem Widerspruch zwischen Festhalten an Religiosität und und dem Gebrauch technischer Errungenschaften des Westens. "In den muslimischen Gesellschaften, die von der Relgion strukturiert sind, wird die Verbreitung des westlichen Modells, das die Religion auf die Privatsphäre beschränkt, immer mehr als kulturelle Aggression, ja Provokation empfunden. Dieses Gefühl wird um so schmerzlicher, da es schwierig ist, auf die Verführung der materiellen Errungenschaften aber auch der Freiheiten zu verzichten, die das westliche Modell ermöglicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2016 - Religion

Die TU Berlin schafft die Gebetsräume für muslimische Studenten ab, weil auch andere Religionen keine sakralen Räume auf dem Gelände der Uni haben, berichtet Regina Mönch in der FAZ: "Viele Studenten, darunter auch Muslime, teilen die Haltung der Universitätsleitung zur säkularen Verfasstheit unserer Gesellschaft, also der Trennung von staatlicher Institution und Religion." Nun müssten die Unis also nur noch die Lehrstühle für Theologie aller Art abschaffen.
Stichwörter: Theologie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2016 - Religion

Die Forderung nach eine "Reform" des Islams ist zwiespältig, sagt die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer im Gespräch mit Philipp Gessler in der taz: "Natürlich stellt sich die Frage: Was heißt 'reformierter Islam'? Was wird da reformiert? Wichtige Köpfe verstehen unter Reform die Rückkehr zu den Quellen, die sie für fundamental erachten. Das ist selbstverständlich in erster Linie der Koran, aber auch Teile der Überlieferung..." Aber "Auch die militanten Islamisten können zurück zu den Quellen gehen. Und die können zu ganz anderen Schlüssen kommen als die, die einen offenen, wenn man will: liberalen, toleranten Islam begründen möchten."
Stichwörter: Islam, Krämer, Gudrun

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2016 - Religion

Michael McCullough zitiert in einem Artikel, den die SZ aus edge.org übernimmt (hier das Original), neue Studien von Verhaltensforschern über Religion. Demnach haben "streng religiöse Menschen aus der ganzen Welt strengere Moralvorstellungen, was Sozialverhalten und Sex betrifft, aber was Verstöße gegen die Ehrlichkeit betrifft, nehmen sie es bei Weitem nicht so genau. Es sind Sex, Heirat und Fortpflanzung - und nicht Vertrauen, Ehrlichkeit und Großzügigkeit - die für die Gläubigen der Welt der Kern ihrer Moralvorstellungen sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2016 - Religion

Während deutsche Manager längst mit den Füßen scharren, um endlich wieder Geschäfte mit den beliebten iranischen Mullahs zu machen, meldet der Independent, dass "laut der staatlichen Nachrichtenagentur Fars vierzig staatliche iranische Medien ein neues Kopfgeld in Höhe von 600.000 Dollar für den Tod des britisch-indischen Autors Salman Rushdie ausgelobt haben. Die Fars News Agency, die eng mit den Revolutionsgarden verbunden ist, gehört mit einer Spende von einer Millarde Rial - nahezu 30.000 Dollar - zu den größten Geldgebern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2016 - Religion

Die Journalistin Sineb El Masrar erklärt in der Welt, warum sich die würdigen Herrn Priester unterschiedlicher Religionen so gern in die Arme fallen: "Wer die Deutungshoheit allein den Männern überlässt, darf sich über Frauenfeindliches und Homophobes nicht wundern. Wahrscheinlich finden sich hierzulande deshalb alle Konfessionen so gut an den runden Dialogtischen zusammen, weil sie mit Vorliebe die emanzipatorischen Strömungen in ihrer Geschichte ignorieren können."

Stichwörter: Masrar, Sineb El

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2016 - Religion

Die FAZ übernimmt Kamel Daouds zuerst in der Repubblica und in Le Monde erschienen Text über Sexualität im Islam (unser Resümee): "Das Geschlecht ist das größte Elend in der Welt 'Allahs'. Und zwar in solch einem Maße, dass es jenen pornografischen Islamismus hervorgebracht hat, von dem die islamistischen Prediger reden, um ihre 'Gläubigen' zu rekrutieren: Beschreibungen eines Paradieses, das eher einem Bordell ähnelt als einem Lohn für die Frommen, Phantasien über Jungfrauen für Selbstmordattentäter, Jagd auf Körper im öffentlichen Raum, Puritanismus der Diktaturen, Schleier und Burka."

Auf diesen unter dem Eindruck der Ereignisse von Köln geschriebenen Text Daouds antwortete in Le Monde eine ganze Intellektuellengruppe und warf ihm - und Rachid Boudjedra und Boualem Sansal gleich mit - vor, islamophoben Fantasmen aufzusitzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2016 - Religion

Der zivilisatorische Beitrag der Religionen erklärt sich vor allem aus der Furcht, hat laut Spiegel-Online-Autor Frank Patalong eine Studie herausgefunden, die jetzt in Nature veröffentlicht wurde: "Demnach steigt die Bereitschaft zu altruistischem Handeln deutlich, wenn Probanden sich von einem allmächtigen Gott beobachtet fühlen, der entsprechende moralische Regeln vorgibt und den Verstoß dagegen mit Strafe bedroht. Das Versprechen auf Belohnung für gutes, moralisches Handeln wirkte im Vergleich weit weniger motivierend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2016 - Religion

In krassen Worten greift der alte linke Säkularist Paolo Flores d'Arcais in Micromega die Priester der katholischen Kirche als die "neuen Sadisten des Glaubens" an: "Die UNO hat alle Regierungen der Länder, in denen die Zika-Epidemie wütet, gebeten, Abtreibungen aus medizinischen Gründungen zu gestatten. Das ist wirklich das mindeste. Einmal erfüllen die oft so überflüssigen Vereinten Nationen die Pflicht, für die man sie einst erschuf. Aber die brasilianische Bischofskonferenz hat schon nein gesagt, das Leben ist heilig, wie weit die Missbildungen und Leiden auch immer gehen mögen..."

Ob die Mikrozephalie tatsächlich vom Zika-Virus ausgelöst wird, ist zwar noch unklar, aber eine Häufung der Fälle wird in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas beobachtet (wenn auch noch nicht alle Fälle verifziert sind), berichtet Ilpost.it. Abtreibungen würden in der Tat in den meisten Ländern Südamerikas schwierig: In Kolumbien etwa "sind Abtreibungsklinken kaum zugänglich..., und die illegalen Abtreibungen sind nach wie vor weit verbreitet (etwa 450.000 im Jahr, die illegale Abtreibung ist eine Hauptursachen der Mortalität schwangerer Frauen, sagt Human Rights Watch). In vielen anderen Ländern Südamerikas, in denen sich das Zika-Virus schnell verbreitet, ist Abtreibung illegal oder sehr stark limitiert." Der Guardian liefert Hintergrundinformationen und eine Karte zum Thema Abtreibung in Südamerika.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2016 - Religion

Die ägyptische Autorin Fatima Naoot ist zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie "die rituelle Schlachtung von Tieren zum Opferfest, dem höchsten Feiertag im Islam, auf Facebook als 'Massaker' bezeichnete", meldet die SZ. Noch ist die Autorin auf Kaution auf freiem Fuß.
Stichwörter: Ägypten