9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2016 - Religion

In Berlin lehnen die Universitäten die Einrichtung eines Instituts für Islamische Theologie bisher ab. Sie fürchten den Einfluss der Islam-Verbände - wie in Münster, berichtet im Tagesspiegel Amory Burchard. "Das Vetorecht etwa in Berufungsfragen müsse in Berlin 'streng definiert' werden, 'damit es im Alltag nicht zu Konflikten kommt', sagte jetzt FU-Präsident Alt. Ebenso müsse die wissenschaftliche Verantwortung für die Lehrpläne klar bei den Unis liegen. An den anderen Standorten in Tübingen, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg laufe die Zusammenarbeit gut, gab Alt zu. Aber in Berlin seien die Islam-Verbände nun einmal ähnlich 'heterogen' aufgestellt wie in Münster."

In einem kurzen Kommentar wischt Claudia Keller die Argumente vom Tisch: "Ja, es hat in Münster mehrfach gekracht zwischen Universität und Verbänden. Mittlerweile hat man einen für beide Seiten gangbaren Weg gefunden." Das liest sich in einem aktuellen Bericht des Deutschlandfunks allerdings ganz anders. Die Leserkommentare zu Keller lehnen einen theologischen Lehrstuhl für den Islam heute morgen eindeutig ab: "In einem säkularen Staat haben religiöse Studiengänge - egal welcher Konfession - gar nichts an staatlich finanzierten Universitäten zu suchen. Das können die Religionsgemeinschaften durchaus selber finanzieren und durchführen", schreibt leser_49. Wohl war, aber so lässt sich schwer argumentieren, solange die Humboldt Universität einen Lehrstuhl für Evangelische Theologie hat ...

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2016 - Religion

Endlich: Zeit online bringt eine Serie über "Islam heute", die geeignet ist, die Nerven besorgter Bürger zu beruhigen. Denn der Koran ist nun doch mit der Moderne durchaus vereinbar, schreibt Mohammad Fazlhashemi. Der Islam kennt die Macht der Sexualität. Unterdrückt wird sie nur durch patriarchale Strukturen, schreibt Shereen El Feki. Der Koran lässt viele Lesarten zu, versichert Katajun Amirpur. Man müsste friedlichen Muslimen eine Stimme geben, schlägt Andrea Backhaus vor. Und Lamya Kaddor wendet sich gegen Islamfeindlichkeit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2016 - Religion

Im FR-Interview mit Susanne Lenz erklärt die Anthropologin Ziba Mir-Hosseini wie sie einen islamischen Feminismus für möglich hält, der bisher vor allem an westlichen Universitäten Anhängerinnen findet, aber nicht in der arabischen Welt: "Der Mangel an Demokratie dort erlaubt diesen Stimmen nicht, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Doch Musawah, unsere Bewegung, ist gerade von Kuala Lumpur nach Rabat in Marokko gezogen. Am stärksten ist der islamische Feminismus aber in Indonesien und im Iran."

In der FAZ begrüßt Regina Mönch sehr das Urteil des Berliner Arbeitsgericht, das einer muslimischen Lehrerin das Kopftuch in der Grundschule nicht erlauben wollte. Die Schule ist der falsche Ort für derartige Kulturkämpfe, meint Mönch, die das entsprechende Karlsruher Urteil zum Gebot des Schulfriedens durchaus problematisch findet: "Dass die Verfassungsrichter damit einen der schwierigsten Konflikte, der diese Gesellschaft beschäftigt, an unfertige, abhängige Persönlichkeiten verwiesen, ist fatal, aber Mainstream seit geraumer Zeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2016 - Religion

Christian Geyer wendet sich in der FAZ (wenn man seinen Artikel richtig versteht) aus katholischer Sicht gegen einen "alles einebnenden Ökumenismus". Und der Theologe Hubert Wolf nennt es in der SZ "revolutionär", dass Papst Franziskus laut seinem neuesten Schreiben "Amoris laetitia" fünfe gerade sein lassen will, wenn Geschiedene und Wiederverheiratete am Abendmahl teilnehmen wollen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2016 - Religion

Philipp Gessler (in der taz) und Claudia Keller (im Tagesspiegel) freuen sich, dass Papst Franziskus sich in seinem jüngsten "postsynodalen Schreiben" ausdrücklich zur Freude der Liebe (so der Titel des Werks) bekennt, müssen aber enttäuscht feststellen, dass die Freude der gleichgeschlechtlichen Liebe darin nicht vorgesehen ist. Auch Joanna Moorhead (Guardian) hatte sich von dem Schreiben mehr versprochen als den wachsweichen Verweis auf eine Einzelfallprüfung: "Time isn't on Pope Francis's side in any respect: the world has changed, the Catholic population has changed, and what we need are proper, nailed-down markers of that to drag the church at least into the 20th century on issues such as same-sex relationships, divorce, and children born outside marriage."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.04.2016 - Religion

Wieder ist in Bangladesch ein säkularistischer Blogger umgebracht worden, meldete gestern die New York Times: "Laut Zeugen umringte eine Gruppe glattrasierter Männer den Jurastudenten Mohammad Nazim Uddin am Mittwoch um halb neun Uhr morgens und verletzte mit der Machete seinen Kopf, bevor er erschossen wurde... Uddin, 26, war ein Atheist, der seine Meinung in häufigen Posts auf Facebook sagte. Seine Familie hatte ihn gebeten aufzuhören, weil sie fürchteten, dass ihn seine Posts angreifbar machten, und etwa vier Monate lang, bis Januar, hatte er sich daran gehalten."
Stichwörter: Bangladesch, Islamismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.04.2016 - Religion

Der Politologe Carsten Frerk erklärt im Gespräch mit Katja Thorwarth, in der FR, warum es den Kirchen - besonders der katholischen - so leicht gelingt, sich bei Fällen von sexuellem Missbrauch der staatlichen Justiz zu entziehen: "Es geht um den Artikel 4 des Grundgesetzes und ganz entscheidend darum, dass 1949 von den Weimarer Kirchenartikeln ein Absatz zur Religionsfreiheit nicht übernommen wurde. Darin heißt es, dass durch die Religionsfreiheit Staatsgebote nicht beeinträchtigt werden, Gesetze also Vorrang vor Religionsgeboten haben. Das wurde einfach gestrichen. Die Sonderrolle der Kirche ist nur möglich, weil dieser eine Satz nicht übernommen worden ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2016 - Religion

Da haben wir's: Nicht fehlgeleitete Muslime, sondern gewissenlose Atheisten sind schuld an den Anschlägen von Paris und Brüssel. Der Humanistische Pressedienst spießt eine Äußerung des Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen auf: "'Wo landet eine Gesellschaft, die sich immer mehr von Werten und Grundsätzen trennt, die das christlich-jüdische Welt- und Menschenbild ihr geschenkt hat?' fragte der Bischof... Der Präsident von Pax Christi - also der katholische Organisation der Friedensbewegung - kennt auch schon die Antwort. Für den Bischof könne ein 'Mensch ohne Auferstehungsglauben zu einem 'großen Sicherheitsrisiko' für die Mitwelt werde, denn seine Hektik und Daseinsangst ließen ihn 'zuschlagen und zerstören'.' Das zeige sich auch in den Terroranschlägen von Brüssel." Ebenfalls bei hpd.de: Protest gegen einen Focus-Artikel, der verrät, "was Atheisten mit Psychopathen gemeinsam haben" .

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2016 - Religion

In der NZZ erinnert die Historikerin Silvana Seidel Menchi an die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments vor 500 Jahren, in der Erasmus von Rotterdam erstmals den "Text der Heiligen Schrift derselben Art philologischer Überprüfungen [unterzog], welche die italienischen Humanisten bei der Rekonstruktion aus der Antike überlieferten Schrifttums eingeführt hatten [...] Auch wenn Erasmus für die biblische Hermeneutik nicht als maßgeblicher Bahnbrecher gelten kann, so hat er durch die enorme Echowirkung seines Unternehmens doch als der Miturheber der protestantischen Bibelkritik gewirkt. Sein griechisches Neues Testament, das von der katholischen Kirche als häretisch verurteilt wurde, bildete die Textgrundlage der Heiligen Schrift, wie sie in den aus der Reformation entstandenen Kirchen jahrhundertelang benutzt wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2016 - Religion

All jene, die behaupten, der Terror habe "nichts mit dem Islam zu tun", gehören für Jochen Hoerisch, der im Mannheimer Morgen schreibt, zu den "problematischsten und entschiedensten Eurozentrikern. Sie verkennen, dass auch ein Multimillionär wie Osama bin Laden muslimisch-wahabitisch inspirierter Massenmörder sein kann - und dass er Wert darauf legt, als streng religiöser Muslim wahrgenommen zu werden. So stellt sich die Frage, wie man in öffentlichen Diskussionen mit der ersichtlichen Pathologieanfälligkeit des gegenwärtigen Islams umgehen soll, auf den sich massenmörderische Islamisten ausdrücklich berufen."

Zehntausende Kinder in den USA, Irland, Mexiko und vielen anderen Ländern sind in den letzten fünfzig Jahren von Priestern vergewaltigt worden, schreibt Caroline Fourest in ihrem Blog. Nun tut sich etwas in der Kirche. Aber tut sich auch das Richtige? "In großer Verwirrung hat die Kirche versucht, Empfehlungen auszuarbeiten, um pädophilen Vergewaltigungen vorzubeugen. Seit Benedikt XVI. haben die Empfehlungen zur Folge, das Täter nicht mehr gedeckt werden, was ein großer Fortschritt ist. Für die Früherkennung von Fällen fordern sie, dass über jede homosexuelle Tendenz bei jungen Seminaristen berichtet wird... Als hätten Homo- oder Heterosexualität irgendetwas damit zu tun, ob jemand kleine Jungen oder Mädchen vergewaltigt. Diese Verwirrung ist nicht nur ein Zeichen schrecklicher Vorurteile. Sie verrät eine große Ratlosigkeit und stellt die Fähigkeit der Kirche in Frage, das große Übel, das sie zerfrisst, zu bewältigen."

Denkmalpfleger und Kunsthistoriker aus ganz Deutschland haben die Katholische Kirche in Berlin in einem Offenen Brief vor dem geplanten, 40 Millionen Euro teuren Umbau der Hedwigskathedrale gewarnt, berichtet in der Berliner Zeitung Nikolaus Bernau: "Es handele sich um 'Teilabriss, Denkmalzerstörung und Teilneubau' eines der bedeutendsten Kunstwerke der Nachkriegszeit. Dies gehöre zwar juristisch der Kirche, darüber hinaus aber auch einer weltweiten 'Erbengemeinschaft'. [...] Die Liste der Unterzeichner umfasst so ziemlich alle deutschen Denkmalpfleger, Historiker und Kunsthistoriker, die sich mit der Kunst der Nachkriegszeit auseinander gesetzt haben, aber auch Architekten wie Volkwin Marg."