9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.01.2016 - Religion

In der NZZ stellt Marc Zitzmann eine ganze Reihe neuer französischer Bücher zum Dschihadismus vor: von Gilles Kepel, David Thomson oder Pierre-Jean Luizard. "Einen weiteren gewichtigen Beitrag zur Debatte liefert endlich Jean Birnbaum. In seinem Essay 'Un Silence religieux' geißelt der Verantwortliche der Literaturbeilage von Le Monde die Minimierung, wo nicht gar Verdrängung der religiösen Motivation des Jihadismus durch Frankreichs Linke. Ein Phänomen, das er auf den Algerienkrieg zurückführt, als die progressiven Helfer des Front de libération nationale ausblendeten, wie dieser sich auf den Islam berief, um zu mobilisieren. Heute fänden soziologische oder psychologische Erklärungen spontan Zuspruch - aber an die Wirkungsmacht des Glaubens glaube niemand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2016 - Religion

Sexuelle Belästigung in islamischen Ländern ist eng mit der zunehmenden Islamisierung der Länder verknüpft, führt Hamed Abdel-Samad bei Cicero aus: "Die junge Generation in der islamischen Welt ist in einer Dualität aufgewachsen. Zuhause und in der Moschee wird sie moralisch streng erzogen. Männer und Frauen haben kaum eine Chance, eine gesunde, symmetrische Beziehung zueinander aufzubauen. Im Internet dagegen erleben sie eine Welt, in der es keine Grenzen zwischen Mann und Frau, in der es keine festgeschriebene Moral gibt. Islamische Länder sind beim Konsum von Porno-Videos ganz oben auf der Liste. Diese Dualität schafft ein gestörtes Verhältnis der Männer zu Frauen."

Etwas anders sieht es der Psychologe Ahmad Mansour, der im Gespräch mit Matthias Drobinski (SZ) vor allem die traditionellen Geschlechterrollen in arabischen Gesellschaften verantwortlich macht: "Es beginnt ja nicht damit, dass die Jungs auf offener Straße Frauen belästigen. Es beginnt mit den Vorstellungen von Reinheit und Ehre, dass eine Frau ihre Jungfräulichkeit bewahren muss und sich öffentlich nicht zeigt. Und wenn sie sich nicht daran hält, hat sie eine verminderte Würde. Für die Männer gilt das alles natürlich nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2016 - Religion

Der Antisemitismus wurde maßgeblich von Nazis und den Sowjets in die islamischen Länder getragen, meint Alan Posener, der überzeugt ist, dass man "den Antisemitismus nicht bekämpfen kann, ohne den Islamhass zu bekämpfen", in einer Polemik gegen die Islamwissenschaftlerin und Religionskritikerin Barbara Köster auf starke-meinungen.de: "Indem man diesen Einfluss - und den Einfluss des sowjetischen Antizionismus auf die arabischen Klientel-Staaten des Ostblocks wie Irak und Syrien - leugnet, spricht man sich selbst jeglicher Verantwortung frei. Der Islam kann - wie ehedem das Judentum - als das unbedingt und unvermittelt Fremde dämonisiert werden." Posener bezieht sich auf Kösters Artikel "Scharia - Arbeit am Endsieg" in Roland Tichys Blog.

Necla Kelek beharrt im Gespäch mit Doris Schäfer-Noske vom Deutschlandfunk auf Trennung von Religion und Politik im Islam: "Nur wenn der Islam es schafft, tatsächlich innerhalb des europäischen Gedankens darüber, was mittlerweile als religiös verstanden wird - dass es eine private Entscheidung ist zu glauben... -, nur wenn er ein Glaube und Religion wird, kann ein Islam auch als Religion hier für uns gelten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2015 - Religion

Ilija Trojanow erinnert in der taz an all die Dichter, Autoren und Blogger, die in arabischen Ländern im Gefängnis sitzen, wie Raif Badawi oder Ashraf Fayadh. Der Vorwurf lautet meist Blasphemie, meint aber eigentlich Majestätsbeleidigung: "Muawiya al-Rawahi etwa, ein Dichter aus dem Oman, ist schon vor Jahren wegen Blasphemie in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Heute sitzt er in den Vereinten Arabischen Emiraten im Gefängnis, in Erwartung eines Verfahrens wegen Beleidigung des Herrschers dieses Landes. Ein ähnlicher Vorwurf brachte Mohammed al-Ajami, einen Dichter aus Katar, für fünfzehn Jahre ins Gefängnis. Wenigstens wird in diesen Fällen die Hybris der Machtausübung ehrlich zugegeben, nicht Gott ist beleidigt worden, sondern der Emir oder der Scheich oder seine parasitäre Kamarilla."

Joshua Hammer berichtet in einer ellenlangen Reportage für das New York Times Magazine über die Morde an Freidenkern in Bangladesch, die mit ihren Blogs den Hass der Islamisten auf sich gezogen haben.


9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2015 - Religion

Glaubt man dem Koran-Übersetzer und Religionsphilosophen Ahmad Milad Karimi im Gespräch mit Ruth Renée Reif vom Standard, dann scheint es sich bei dem Koran um eine recht gefährliche Angelegenheit zu handeln, die man nicht jedem in die Hand geben sollte: "Man sollte niemandem trauen, der einfach so aus dem Koran zitiert, egal, ob er Muslim ist oder nicht. Es bedarf einer behutsamen Auseinandersetzung, einer bestimmten Hermeneutik, einer theologischen Positionierung, einem Verständnis für die Gesamtkomposition, auf die die einzelnen Verse sich kontextuell beziehen."

Jamie Dettmer berichtet in The Daiy Beast von neuen Hinrichtungsvideos von Daesh, die zeigen, wie Homosexuelle gesteinigt - und zuvor von den Mördern umarmt werden: "Abu Mohammed Hussam, ein Aktivist der syrischen Oppositionsgruppe 'Raqqa Is Being Slaughtered Silently', sagt, dass diese Umarmung zeigen soll, dass die Dschihadisten den Opfern helfen, ihre Sünde zu büßen. 'Sie umarmen die Männer, um den Zuschauern zu zeigen, dass die Schuld nicht bei ISIS liegt.'"

Die Gruppe "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" meldet unterdessen per Twitter, dass einer ihrer Aktivisten, der Dokumentarfilmer Naji Jerf in der Türkei ermordet wurde (mehr auch bei Spiegel online):


Außerdem: Samanth Subramanian schickt für den New Yorker eine Reportage aus Dhaka über die Morde an säkularen Bloggern in Bangladesch.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.12.2015 - Religion

Die FAZ lässt den evangelischen Theologen Friedrich Wilhelm Graf und den katholischen Autor Martin Mosebach gegeneinander antreten. Es moderieren Patrick Bahners und Edo Reents. Es geht ums Christentum. Graf will's historisch sehen: "Die frühen Christen waren in aller Regel noch Juden, sie haben eine gewisse Zeit gebraucht, bis sie sich als Christen verstanden haben. Diese frühen Christen haben mit der Interpretationsfigur 'Auferstehung' ein Scheitern in einen Sieg umgedeutet - eine auch emotional und intellektuell faszinierende Idee."

Darüber regt sich Mosebach auf: "Wir können die Sache doch ganz schmerzlos erledigen: Man kann sagen, wir haben heute die Geschichte Jesu und seiner Jünger aufgeschlüsselt in psychologische Phänomene mit der phantastischen Wendung, aus einem Versagen einen Sieg zu machen - das findet man häufig bei Neurotikern oder bei Alkoholikern, die sich ihre Welt zimmern. Und daraus wurde eine Massenpsychose, die sich..." Graf: "Davon habe ich nichts gesagt."

Ebenfalls in der FAZ erzählt Noemi Schneider eine Geschichte religiöser Versöhunng ausgerechnet aus dem Heiligen Land, wo Christen in einer Kirche, die 1951 von der israelischen Armee zerstört wurde, zusammen mit allen religiösen Fraktionen feiern.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2015 - Religion

Slate.fr holt noch einmal Christopher Hitchens berühmten Text über Mutter Theresa aus dem Archiv, die der Papst nächstes Jahre heilig besprechen will. Für Hitchens war sie eine Fanatikerin und Hochstaplerin und schon ihre Seligsprechung eine Unterwerfung unter Aberglauben und Showbiz: "Mutter Teresa war keine Freundin der Armen, sie war eine Freundin der Armut. Sie hielt das Leiden für ein Geschenk Gottes."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2015 - Religion

In der NZZ liest der Theologe Jan-Heiner Tück ein neues vatikanisches Dokument zum Verhältnis der Katholischen Kirche zum Judentum: "Mit erstaunlicher Deutlichkeit weisen [die Autoren] die These von zwei parallelen Heilswegen zurück und geben zu verstehen, dass Jesus, der Messias aus Israel, auch der Messias für Israel sei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2015 - Religion

Albertine Bourget erzählt in der NZZ von jungen Jüdinnen und Juden in den USA, die ihren ultraorthodoxen Gemeinden den Rücken gekehrt haben - und dafür böse bestraft werden. Zum Beispiel Leah Vincent: "Mit siebzehn Jahren landete sie auf dem harten Pflaster von New York, verzweifelt einsam und naiv. Monate des Herumirrens folgten, Begegnungen mit skrupellosen Männern, denen sie sich hingab; sie begann sich zu ritzen, beging einen Selbstmordversuch - die Eltern reagierten mit marmorner Kälte. 'Während meiner ganzen Kindheit hatte ich nichts anderes gehört, als dass meine Sexualität das Wichtigste überhaupt an mir sei und dass ich meine Keuschheit bewahren müsse', erzählt sie."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2015 - Religion

Uwe Justus Wenzel erinnert in der NZZ daran, dass sich die Katholische Kirche vor fünfzig Jahren mit der Erklärung "Dignitatis humanae" zum Recht auf Religionsfreiheit durchrang: "Es ist, notabene, nicht die Rede von Toleranz, von bloßer Duldung, sondern von einem Freiheitsrecht in religiösen Dingen, von einem 'ius ad libertatem religiosam', das jeder Person als Person zukomme; das unverlierbare Recht gründe in ihrem 'Wesen' als Person und hänge nicht etwa von einer bestimmten subjektiven Verfassung oder davon ab, ob diese Person von ihrer Freiheit in der 'richtigen' Weise Gebrauch mache oder eine 'wahre' religiöse Überzeugung habe."