Mit 17 Schwarzweiß-Abbildungen. Der Skandal, der sich aus der Kießling-Wörner-Affäre 1984 entwickelte, war weit mehr als nur die Leidensgeschichte eines alleinstehenden NATO-Generals, den man zu Unrecht der Homosexualität verdächtigte, deswegen entließ und dann wieder einstellen musste. Es entwickelte sich der größte Skandal der deutschen Militärgeschichte in der Nachkriegszeit daraus, denn es ging um den Kern des Selbstverständnisses der Bundeswehr: den Staatsbürger in Uniform und die viel gepriesene Innere Führung. Anders als bei manchem Beschaffungsskandal standen hier der Umgang mit Soldaten und das Menschenbild der Militärs im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Zugleich wurde die Rolle des Militärischen Abschirmdienstes kritisch hinterfragt, der Gerüchten aufsaß und sich mit Falschinformationen blamierte. Mit bislang unbekannten Quellen und ungehörten Zeitzeugen werden erstmals die Hintergründe des damaligen Geschehens umfassend rekonstruiert. Das Buch gibt tiefe Einblicke in die innere Verfasstheit der Bundeswehrführung der 1980er Jahre und fragt nach dem heutigen Umgang mit Homosexuellen in der Armee.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2019
Peter Carstens liest Heiner Möllers Rekonstruktion des Falls Günter Kießling mit Spannung. Was der Historiker über die Umstände dieser Bundeswehr-Affäre ans Licht bringt und wie er den Fall in der Rückschau beurteilt, findet Carstens so aufschlussreich wie ausgewogen. Wie Kießling durch die Akkumulation von Gerüchten, angestoßen von Anthony Farrar-Hockley, katalysiert vom damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner, zum Gegenstand von Gossip und schließlich zum "Sicherheitsrisiko" hochstilisiert wurde, macht Carstens noch heute sprachlos. Kießlings Widerstand gegen den Rufmord stellt der Autor laut Rezensent mit der gleichen Nüchternheit dar wie den "Skandal". Ein trauriges Lehrstück über die Macht des Gerüchts und den Mut des Einzelnen, so Carstens.
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