Ingeborg Villinger

Gretha Jünger

Die unsichtbare Frau
Cover: Gretha Jünger
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2020
ISBN 9783608983524
Gebunden, 464 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Gretha Jünger: Pianistin, Bühnenkünstlerin, souveräne Literatin und Briefeschreiberin, Ehefrau von Ernst Jünger. Dieses Porträt macht das Leben einer Frau sichtbar, die sich stets im Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung und Konvention bewegte. Ihr Leben und ihre literarischen Arbeiten sind ein Spiegel jener Zwänge, die aus Geschlechterdifferenzen, politischen Umbrüchen und intellektuellem Leben hervorgehen.Gretha von Jeinsen heißt die Pianistin, Bühnenkünstlerin und Schriftstellerin, die als Ehefrau von Ernst Jünger ihr Leben an dessen Seite verbrachte. Doch wie viel ist von ihr tatsächlich bekannt? Aufgewachsen im wilhelminisch- preußischen Hannover, lehnte sie die zeittypische weibliche Sozialisation ab, befreite sich aus der bürgerlichen "Gretchen-Welt", um erst die Bühne zu erobern und später Schriftstellerin zu werden. Ein Leben lang rang die belesene Gretha von Jeinsen um weibliche und künstlerische Autonomie, doch ihr männlich geprägtes Umfeld sowie das zutiefst asymmetrische Geschlechterverhältnis zwischen ihr und Ernst Jünger prägen ihr Leben nachhaltig. Die einengenden gesellschaftlichen Normen schlagen sich in ihren literarischen Arbeiten ebenso nieder wie die politischen und sozialen Umbrüche ihrer Zeit. Von Kaiserreich und Weimarer Republik spannt sich ihr Leben über zwei Weltkriege hinweg. So wird in dieser Biographie in besonderer Intensität das Leben einer Frau und Künstlerin erzählt, in dem sich ein halbes Jahrhundert deutscher Kultur- und Politikgeschichte spiegelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2020

Mit wertenden Worten hält Rezensent Thomas Wagner sich zurück. Jedoch zeugt sein ausführliches Resümee zumindest von Respekt für Ingeborg Villingers Leistung als Biografin, und eine gewisse Faszination für Gretha Jünger scheint zwischen den Zeilen auf. Eine "rebellische Rampensau" war die junge Gretha Jeinsen, bevor sie den umstrittenen deutschen Schriftsteller Ernst Jünger heiratete, erfahren wir. Mit ihrer Freude an der Schauspielerei und ihren Karriereplänen konnte sich ihr zukünftiger Ehemann jedoch nicht anfreunden, und so musste Gretha Jünger mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter Vorlieb nehmen. Zufrieden war sie damit nicht. Mehrmals kam es aus diesem und aus anderen Gründen zu Ehekrisen, lesen wir. Erst Ende der 40er Jahre gelang es Gretha Jünger, unabhängig von ihrem Mann neue Freiheit und zudem einige Bekanntschaft als Autorin zu erlangen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.09.2020

Rezensent Stephan Speicher weiß viel über Ernst Jünger und kennt offenbar auch die Romane seiner ersten Frau Gretha. So misst er diese Biografie nicht allein am Leben und den Widersprüchen dieser Frau, sondern kritisiert, dass die Autorin vor allem an den Selbstzeugnissen der Autorin, insbesondere an bisher nicht veröffentlichten Briefen, entlang gearbeitet hat. Er selbst nimmt allerdings die frühen Romane der Protagonistin umstandslos als Teil ihrer "Selbsttherapie" und gesteht ihnen lediglich den Rang als "bemerkenswerte Dokumente" zu. In jedem Fall aber findet er, dass die Geschichte der gescheiterten Ehe zwischen den Jüngers die Geschichte "eines Unglücks von literarisch-zeitgeschichtlichem Rang" sei. Ob die Autorin diesem Rang gerecht geworden ist, scheint er sanft zu bezweifeln.